24 April 2009, 09:12
Solidarität und Sündopfer
 
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Ein Gastkommentar von P. Bernward Deneke FSSP zu Aussagen von Erzbischof Robert Zollitsch über das "Opfer Jesu"

Freiburg (kath.net/kath-info.de)
Am letzten Karsamstag hat sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, inmitten seiner gewiß zahlreichen Verpflichtungen noch die Zeit für ein Fernsehinterview genommen (Hessischer Rundfunk, „Horizonte“, 11.4.09, 16 Uhr). Dabei kam die Rede neben den sattsam bekannten Themen auch auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi.

Viele Christen dürften sich über Erzbischof Zollitschs klares Bekenntnis zum leeren Grab gefreut haben. Zugleich aber zeigten sich nicht wenige befremdet über die Deutung, die der kirchliche Würdenträger dem Opfer Jesu, diesem zentralen Ereignis der Heilsgeschichte, gab.

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Nun ist es zweifellos angemessen, ja nötig, dem religiös entwurzelten Menschen unserer Tage für ein derartiges Mysterium wie den Tod des Gottessohnes Verständnishilfen zu bieten. Und dass diese nicht sogleich unter der dogmatischen Lupe seziert, auf die theologische Goldwaage gelegt und dann nach engsten und strengsten Kriterien beurteilt werden müssen, versteht sich von selbst. Die Frage ist nur, wie weit man gehen kann, um Fernstehenden den Glauben näherzubringen, und ob man dabei wesentliche Inhalte der christlichen Offenbarung nicht bloß vorübergehend ausklammern, sondern sogar ausdrücklich verneinen darf.

Was hat denn Erzbischof Zollitsch genau geäußert? Auf die Frage seines Gesprächspartners, ob man heute noch sagen könne, Jesus sei für die Sünden der Menschen gestorben, antwortete er, Jesus sei „nicht deswegen für die Sünden der Menschen gestorben, weil Gott ein Sündopfer, einen Sündenbock, gleichsam gebraucht hätte“, vielmehr habe Er sich „mit uns Menschen, mit unserem Leid, mit unserem Tod bis zum Letzten solidarisiert“.

Der Gedanke, dass der menschgewordene Gott wahrhaft unsere Leiden mit uns getragen hat, ist bewegend und den Christen schon immer vertraut. Um ihn auszudrücken, kann man auch das etwas flach klingende Mode- und Allerweltswort „Solidarität“ gebrauchen, das übrigens ein Kunstgebilde der Goethezeit ist und so viel wie „feste Verbundenheit“ bedeutet.

Doch werfen Zollitschs Worte die Frage auf, ob Jesus nur mit uns oder nicht vor allem für uns gelitten hat. Die Verbindung des leidenden Gottessohnes mit dem alttestamentlichen Sündenbock mag problematisch sein, aber wie steht es mit der Bezeichnung Christi als „Lamm Gottes, das die Sünde(n) der Welt trägt und hinwegnimmt“ (vgl. Joh 1,29)? Wie mit Seinen eigenen Aussagen und denen Seiner Apostel, welche Sein Sterben klar als ein Opfer für unsere Sünden herausstellen?

Die Frage muß auch den Fernsehjournalisten beschäftigt haben, denn er hakte nach: „Sie würden es jetzt nicht mehr so formulieren, daß Gott quasi Seinen eigenen Sohn hingegeben hat, weil wir Menschen so sündig waren? So würden Sie es nicht mehr formulieren?“

Und hier die erstaunliche Antwort des Freiburger Erzbischofs: „Nein. Er hat Seinen eigenen Sohn in Solidarität mit uns bis in diese letzte Todesnot hineingelassen, um zu zeigen: Soviel seid ihr mir wert, ich geh mit euch, ich bin ganz bei euch in jeder Situation.“ Das Wörtchen „Nein“ ist hier zu viel – und somit das, was der Erzbischof über den Tod des Herrn sagt, entschieden zu wenig!

Gespeist aus der Fülle der alt- und neutestamentlichen Offenbarung und gestützt auf die kontinuierliche Verkündigung der Kirche, hat der heilige Thomas von Aquin dargelegt, daß der Kreuzestod Jesu unsere Erlösung als Opfer, als Genugtuung, als Verdienst und als Loskauf bewirkte. Es würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, genauer darauf einzugehen und es auch nur einigermaßen durch Schriftbelege und Überlieferungszeugen zu untermauern. Der entscheidende Punkt läßt sich aber in Kürze benennen: Der Herr hat in Seinem Leiden und Sterben ein wahres Opfer für unsere Sünden dargebracht und ist dadurch die wirksame Ursache unseres Heils geworden.

Seine „Solidarität“ – wenn man dieses Wort denn benutzen will – geht weit darüber hinaus, nur „das mitzutragen, was ich verschuldet habe, auch was ich verursacht habe an Bösem, um damit zugleich das nun hinaufzunehmen in die Welt Gottes und damit auch mir den Weg aus Sünde, Schuld und aus dem Tod zum Leben zu zeigen“ (Erzbischof Zollitsch). Christus ist nicht bloß Leidbewältigungsassistent, therapeutischer Begleiter in der Not, Helfer bei der Sinnsuche. Vielmehr wurde Er „durchbohrt um unserer Sünden willen, zerschlagen wegen unserer Missetaten; zu unserem Frieden lag die Strafe auf Ihm, durch Seine Wunden ist uns Heilung geworden“ (Jes 53,5). Er hat den wider uns lautenden Schuldschein vernichtet, indem Er ihn in Seiner Passion ans Kreuz heftete (vgl Kol 2,14). Sein Leben hat Er hingegeben „als Lösegeld für viele“ (Mt 20,28), und so sind wir tatsächlich losgekauft durch das kostbare Blut des makellosen Gotteslammes (vgl. 1 Petr 1,18f.).

Diese ehernen Wahrheiten fehlen uns dort, wo die Solidarität des leidenden Jesus mit uns beschworen wird, aber kein Lobpreis auf die herrliche Erlösung aus der Knechtschaft der Sünde, des Teufels und des Todes zu vernehmen ist. Dabei verlangen die Menschen gerade in unserer oft gottfernen Zeit so sehr nach dieser Botschaft.

Kommentar mit freundlicher Genehmigung der Website www.kath-info.de

Der YouTube-KathTube-Auszug aus der Sendung:



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