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Urbi et Gorbi

23. Februar 2009 in Chronik, keine Lesermeinung
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ZDF-Journalist Jauer: Der Papst habe "Wandel durch Wahrheit" gewollt - Viele Christen bereiteten das Ende kommunistischer Herrschaft vor


Berlin (kath.net/idea)
Auf die Rolle vieler Christen als Wegbereiter des Endes kommunistischer Herrschaft in Europa hat der ZDF-Journalist Joachim Jauer hingewiesen.

Er stellte jetzt in Berlin sein Buch „Urbi et Gorbi - Christen als Wegbereiter der Wende“ vor. Jauer war mehrere Jahre DDR- bzw. Osteuropa-Korrespondent. Er nennt als Beispiele drei Menschen, die sich dem Gebot christlicher Nächstenliebe für Arme, Kranke oder Flüchtlinge verpflichtet fühlten. Diese hatten einen andern Wertekatalog, passten sich nicht an, versteckten sich nicht, sondern wagten, sich einzumischen und zu widersprechen.

Václav Malý, Sprecher der Prager Bürgerrechtsbewegung „Charta 77“, musste – vom Regime verordnet – Strafarbeit als Toilettenreiniger und Heizer leisten. Der katholische Priester mit Berufsverbot war Seelsorger im Untergrund und ist heute Weihbischof in Prag.


„Friedensgemeinde“ als Provokation

Heinz Bräuer war evangelischer Pfarrer in Eisenhüttenstadt, das bis 1951 Stalinstadt hieß. In den fünfziger Jahre begann er unter den Arbeitern mit christlicher Pionierarbeit, hielt Gottesdienst im Bauwagen, sammelte eine Gemeinde in einer Stadt, in der nach Ankündigung des SED-Chefs Walter Ulbricht kein Kirchturm stehen sollte.

Bräuers „Friedensgemeinde“ galt dem selbsternannten Friedensstaat DDR als Provokation, Ausgerechnet dort entstand der erste Kirchenneubau der DDR. Csilla von Boeselager, eine charismatische Malteserfrau, richtete gemeinsam mit Imre Kozma, Pfarrer der katholischen Gemeinde „Zur Heiligen Familie“ in Budapest, das erste Flüchtlingslager im Ostblock für DDR-Bürger in Ungarn ein.

Papst lehrte aufrechten Gang

Besonders erinnert Jauer an Papst Johannes Paul II., der acht Monate nach seiner Wahl 1979 in seine polnische die Heimat reiste. Beschwörend betete er vor Millionen: „Ich, ein Sohn polnischer Erde und zugleich Papst Johannes Paul II., ich rufe aus der ganzen Tiefe dieses Jahrhunderts: Sende aus deinen Geist! Und erneuere das Angesicht der Erde! Dieser Erde, dieses Landes.“

Polens Kommunistische Partei forderte ihn auf, sich nicht in die Politik einzumischen. Antwort: „Gestatten Sie mir, das Wohl Polens auch weiterhin als das meine zu betrachten und zutiefst daran Anteil zu nehmen, ganz so, als ob ich noch in diesem Lande lebte und Bürger dieses Staates wäre.“ Der Papst habe aufrechten Gang gelehrt, so Jauer.

Gorbatschow: Wahrheit und Wandel

Entscheidend sei auch der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschows gewesen. Der Papst habe „Wandel durch Wahrheit“ gewollt, Gorbatschow Wahrheit und Wandel, „Glasnost und Perestrojka“, so Jauer. Natürlich hätten in allen Ostblockländern auch viele nicht-christliche Oppositionelle politische Veränderungen mit hohem persönlichem Risiko angestrebt.

Aber an vielen Stellschrauben hätten Christen verschiedener Konfessionen gedreht: Ohne Montagsgebete in der Leipziger Nikolaikirche keine Montagsdemonstrationen. Ohne den Mut widerständiger Christenmenschen - von Csilla von Boeselager, bis Lech Walesa - wäre der Aufbruch 1989 nicht in Gang gekommen. Vor allem wäre der Sturz der Diktaturen kaum gewaltlos gewesen. Christen lehrten die Demonstranten, sich mit Kerzen statt mit Steinen zu bewaffnen.


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