08 Januar 2009, 11:32
Das tragische Ende eines frommen Milliardärs
 
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Adolf Merckle unterstützte die Weitergabe des christlichen Glaubens - am 5. Januar stürzte er sich in der Nähe seines Wohnortes Blaubeuren bei Ulm vor einen Zug

Blaubeuren (kath.net/idea)
Er zählte nicht nur zu den erfolgreichsten und reichsten Unternehmern in Deutschland, sondern war auch ein pietistisch geprägter Protestant: der Industrielle Adolf Merckle, der seinem Leben am 5. Januar auf dramatische Weise ein Ende setzte. Der 74-jährige Industrielle, der durch Verluste bei Spekulationen mit VW-Aktien in Bedrängnis geraten war, stürzte sich in der Nähe seines Wohnortes Blaubeuren bei Ulm vor einen Zug.

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„Die durch die Finanzkrise verursachte wirtschaftliche Notlage seiner Firmen und die damit verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer gebrochen, und er hat sein Leben beendet“, heißt es in einer persönlichen Erklärung der Familie.

Merckle hinterließ einen Abschiedsbrief. Die Unternehmen des Milliardärs, darunter der Pharmakonzern Ratiopharm und der Baustoffkonzern HeidelbergCement, beschäftigen mehr als 100.000 Menschen. Der gesamte Jahresumsatz liegt bei über 30 Milliarden Euro.

Bibelworte für die Mitarbeiter

Die Familie Merckle ist überzeugt, dass die christliche Botschaft auch an den Arbeitsplatz gehört. Deshalb verschenkte sie bei Ratiopharm wiederholt das Andachtsbuch „Losungen“ an die Mitarbeiter mit Bibelversen für jeden Tag oder ein Meditationsbüchlein des Fernsehmoderators Peter Hahne. 2002 stellte das Unternehmen eine Betriebsseelsorgerin ein, um den Mitarbeitern auch bei privaten Problemen zu helfen. Die Einweihung einer Produktionsanlage 2002 verband die Firma mit einer Andacht, in deren Verlauf 2.800 Mitarbeiter und Gäste das Vaterunser beteten.

2006 war die Kantine von Ratiopharm in Blaubeuren Übertragungsort für die Evangelisation ProChrist. Merckle nahm selbst an mehreren Abenden mit seiner Frau Ruth an den Veranstaltungen teil. Ebenfalls beteiligte er sich an Tagungen des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (AEU). 2005 erhielt er aus den Händen des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther H. Oettinger (CDU) das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

In seinen Firmen habe Merckle vorbildliche Formen von familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen eingeführt, so Oettinger.

Bescheidenes Auftreten

Merckle unterstützte auch zahlreiche soziale Einrichtungen, darunter das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands und die Initiative für Jugendhilfe und Kriminalprävention „Prisma“.

Der Industrielle galt als ein typisch schwäbischer Milliardär, dem man sein „Geld nicht ansieht“, wie es in Blaubeuren heißt. So sahen ihn die Bewohner der Kleinstadt hin und wieder auf dem Fahrrad. Bei Bahnfahrten reiste er in der zweiten Klasse.

Der Unternehmer hinterlässt seine Frau Ruth, die von 1990 bis 1998 dem Rat der EKD angehörte, drei Söhne und eine Tochter.



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