24 September 2008, 14:13
Wilhelm Molterer, die 'Homo-Ehe' und der Zeitgeist
 
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"Denn die Stimmen werden mehr und mehr, die gerade wegen der Homoehe und der Frage des Lebensschutzes sagen, sie hätten ihre politische Beheimatung in der ÖVP verloren" - Ein KATH.NET-Kommentar von Bischof Andreas Laun

Salzburg (www.kath.net)
Wenige Tage vor der Wahl hat der ÖVP-Spitzenkandidat Wilhelm Molterer angekündigt, dass die "Homo-Ehe" nach der Wahl komme und dass für ihn die Kirche kein Maßstab sei. KATH.NET berichtete.

Die Antwort von Bischof Andreas Laun an Wilhelm Molterer im exklusiven KATH.NET-Kommentar:

Ich bekomme viele besorgte Anfragen mit der Frage: Wo steht die ÖVP heute, wodurch unterscheidet sie sich in den sensiblen Fragen der Gesellschaftspolitik von der SPÖ? Genannt werden dabei insbesondere der Lebensschutz, Familie, „Homoehe“.

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Nun hat der Parteiobmann Wilhelm Molterer im ORF erklärt: Die „gleichgeschlechtliche Partnerschaft wird kommen“. Für die Richtigkeit seiner Ansicht, dass Homosexualität keine Krankheit sei und daher auch nicht der Heilung bedürfe, berief er sich einfach auf das 21. Jahrhundert, in dem wir heute bekanntlich alle leben.

Den Verweis des Reporters auf die Lehre der Kirche beantwortete er so: „Ist die Kirche ein Maßstab für mich?“ Offenbar nicht, und er fügte ausdrücklich hinzu: Wer das von ihm meine, habe „vielleicht falsch gedacht“. Denn: Er respektiere „jede individuelle Gewissensentscheidung des Menschen“.

Und patzig setzt er nach: „Glauben Sie wirklich, ich brauche den Bischof Laun dazu. Nein, wirklich nicht.“

Nun, er braucht mich nicht, da gebe ich ihm Recht, es würde nämlich genügen, wenn er im Katechismus nachschaute und seriöse Fachleute befragte, die ihm die Komplexität des Phänomens einer homosexuellen Neigung erklären könnten, unabhängig von Zeitgeist, Ideologie und politischer Nützlichkeit.

An dieser Nützlichkeit für die ÖVP zu zweifeln, würde ich ihm übrigens raten, wenn er sich für gleichgeschlechtliche Partnerschaft stark macht und Diskussionsverbote über einen wirklichen Lebensschutz (im „Perspektivenpapier“ der ÖVP) erlässt.

Denn die Stimmen werden mehr und mehr, die gerade wegen der Homoehe und der der Frage des Lebensschutzes sagen, sie hätten ihre politische Beheimatung in der ÖVP verloren.

Unklar ist übrigens auch, was der Respekt vor dem Gewissen eines Menschen mit dem Verstehen einer homosexuellen Neigung, ihrer Ursache und ihrer vielleicht möglichen Veränderbarkeit zu tun haben soll.

Aber wie auch immer, was ich mir am meisten für uns alle wünschen würde: Politiker in allen Parteien, bei denen man spürt: Es geht ihnen in erster Linie und eigentlich nur um das Wohl der Menschen dieses Landes und um dieses Wohles willen hören sie nur auf vernünftige, gut geprüfte Argumente, von wem auch immer, auch, wenn sie vom politischen Gegenüber oder sogar von Weihbischof Laun kommen sollten.

Die Qualität von guten Argumenten hängt nämlich weder vom Jahrhundert ab noch von der Religion dessen, der sie vorbringt. Aber eines getraue ich mir zu sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Argument als gut und wahr erweist steigt beträchtlich, wenn es von einem Katholiken kommt, der seinen Glauben kennt und ernst nimmt.

Papst Benedikt XVI. geht sogar einen Schritt weiter: „Die Bereitschaft, auf Gott zu hören, muss die Basis für die Politik werden.“ Ist es zuviel verlangt, wenn ich mir dies für unsere Österreichischen Parteien wünsche, wenigstens für diejenigen, die sich christlich nannten und auch heute noch nennen?
Kontakt ÖVP

E-mail: wilhelm.molterer@oevp.at

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