03 September 2008, 17:31
‚Es war wie Fegefeuer’
 
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Sie war ein US-Filmstar an der Seite von Elvis Presley und Anthony Quinn, bis sie mit 24 Jahren in ein klausuriertes Kloster eintrat. 45 Jahre später erzählt Mutter Dolores ihre Geschichte.

Bethlehem (kath.net) Dolores Hart war in den späten 1950er- und frühen 60er-Jahren eine bekannte Schauspielerin in den USA. Seit 1963 lebt sie in einem Benediktinerinnenkloster in Bethlehem im Bundesstaat Connecticut, wie sie laut "cathnews" der Wochenzeitung der Diözese Brooklyn „The Tablet“ erzählt – durch ein Gitter hindurch, das die Nonnen von der Außenwelt trennt.

Sie war die erste Schauspielerin, der ein Filmkuss mit Elvis Presley zufiel, mit dem sie in zwei Filmen spielte. Sie spricht von ihm in höchsten Tönen: „Ich muss sagen, er war ein sehr angenehmer Mensch, sehr freundlich und er liebte seine Mutter sehr. Er nannte mich immer ‚Miss Dolores’. Die einzigen zwei anderen Menschen, die mich je so genannt haben, waren Clarke Gable und die Mutter Äbtissin, als ich Postulantin war.“

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„Weil ich mit Elvis gedreht habe, kamen dann immer wieder Leute, die mich baten, ihnen eine Haarlocke von ihm zu besorgen“, schmunzelt die Nonne. Einmal saß sie mit ihm im Auto, umgeben von Fans, und ein junges Mädchen steckte ihren Arm in das Fenster des fahrenden Wagens. Elvis ließ den Chauffeur sofort anhalten, stieg aus und sah, ob es ihr gut ging. „Er sagte dem Mädchen, dass er nicht so wichtig sei, wie sie“, erinnert sich Mutter Dolores. Später habe diese Frau bei ihr in der Abtei angerufen und sich noch dafür bedankt.

In den Drehpausen fragte er sie häufig, wie oft sie die Bibel lese und ob sie einen Lieblingspsalm habe. „Er schien immer wissen zu wollen, ob irgendwo eine Bibel zu finden sei.“ In seinen Gospels berührte er die Menschen tief: „Er hat tief hineingerührt bis zu dem Ort, wo ein Ruf zu Christus erwachte. Ich zweifle nicht, dass Elvis den Herrn für andere gegenwärtig gemacht hat, nicht nur in seiner Gospelmusik, sondern in seinen zahllosen Gesten der Großzügigkeit und des Mitgefühls.“ Als sie von seinem Tod hörte, war sie „sehr, sehr traurig“.

Sechs Jahre lang wirkte Hart in zahlreichen Filmen mit und erfüllte sich ihren Kindheitstraum von der Schauspielerei. Seit sie 7 war, betete sie inständig darum, Schauspielerin werden zu können. Besonders ihr Großvater ermutigte sie darin, zudem war auch ihr Vater Schauspieler. „Schauspielen lag in den Genen meiner Familie, es floss durch unsere Venen.“

Sie erinnert sich auch an die unschöne Zeit der Scheidung ihrer Eltern und der neuerlichen Heirat ihrer Mutter. Darauf bat sie so lange, bis ihr erlaubt wurde, bei ihrer Großmutter zu leben.

Ihren Durchbruch erlebte sie mit 18, als ein Produzent der Paramount Studios bei ihr anrief und sie engagierte. Sie liebte den Beruf und fühlte sich jedes Mal etwas leer, wenn ein Dreh zu Ende war.

Der Wechsel ins Kloster erstaunte die Filmwelt und fiel auch ihr selbst nicht leicht: „Es war wie Fegefeuer. Es fühlte sich an, als ob ich von einem 20-stöckigen Haus in einen Pool ohne Wasser gesprungen wäre.“ Oft war ihr danach, einfach wieder wegzulaufen. Doch die Suche nach dem Willen Gottes hielt sie.

„Zum ersten Mal kam ich hier her auf Empfehlung einer guten Freundin.“ Nach neun Drehmonaten am Broadway hatte sie sich „sehr erschöpft“ gefühlt und die Freundin hatte ihr zu dem Aufenthalt geraten. „Als ich zur Regina Laudis Abtei kam, wusste ich einfach, dass es das war, was Gott für mich wollte. Ich bin einfach immer wieder gekommen. Ich denke, man kann sagen, dass ich hier nicht nach irgendetwas gesucht habe. Ich versuchte einfach zu verstehen, warum ich an solch einen Ort geführt wurde, der ein schockierender Gegensatz zu dem Leben war, das ich lebte.

Es war etwas an dem Gelübde der Beständigkeit, das Mönche und Nonnen hier ablegen, das bedeutsam für mich war. Dieses Gelübde gibt einem einen Ort, wo man ein Zentrum der Stille inmitten ständiger Veränderung finden kann. Da ist dieses Zentrum der Stille inmitten all dessen, was so aufreibend ist und das wie Bedeutungslosigkeit erscheint in einer Gesellschaft, die ihren Sinn für Geschichte und Sinn verloren hat.“

Warum es ausgerechnet das Kloster sein musste, fällt ihr selbst schwer zu erklären. „Ich denke, die beste Art, das zu beantworten, ist diese: Wenn jemand verheiratet ist, warum hat er den oder den geheiratet und nicht jemand anderen? Wenn du ein Haustier gern hast, warum hast du genau dieses Tier bekommen und nicht ein anderes? Es war das monastische Leben, das mich gefunden hat.“

Auf die Frage, was sie wirklich glücklich mache, blickte sie aufmerksam mit klaren, ruhigen blauen Augen und sagte: „Mit jemandem zusammen sein, den ich liebe.“ Diesen hat sie im Kloster gefunden.

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