02 August 2008, 16:06
Ein 'Überbleibsel des britischen Kolonialismus'
 
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Ugandischer Bischof wirft Anglikaner-Oberhaupt Verrat vor - Orombi: Erzbischof Williams lässt bibeltreue Kirchen im Stich

Canterbury (kath.net/idea)
Der Zwist in der anglikanischen Weltgemeinschaft um den Umgang mit Homosexualität dauert an. Ein führender Vertreter der theologisch Konservativen, die die Bischofsweihe von Schwulen und Lesben ablehnen, hat jetzt dem geistlichen Oberhaupt der Anglikaner, Erzbischof Rowan Williams (London), „Verrat“ vorgeworfen.

Das Amt des „Erzbischofs von Canterbury“ sei zudem ein „Überbleibsel des britischen Kolonialismus“, schrieb der Erzbischof von Uganda, Henry Orombi, in der Londoner Zeitung Times. Williams habe die bibeltreuen Kirchen verraten, indem er Kirchenleiter zur Weltbischofskonferenz eingeladen habe, die 2003 in den USA den in einer schwulen Partnerschaft lebenden Geistlichen Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire geweiht haben. 230 theologisch konservative Bischöfe vor allem aus wachsenden Kirchen der Dritten Welt boykottieren die alle zehn Jahre stattfindende Weltbischofskonferenz, die am 3. August im südenglischen Canterbury zu Ende geht. Orombi gehört ebenfalls zu den Boykotteuren. Rund 1.000 konservative Geistliche nahmen im Juni an einer Konferenz in Jerusalem teil, bei der die Einsetzung eines Bischofsrats als Gegenstück zu der Weltbischofskonferenz beschlossen wurde. Die Konservativen berufen sich auf Bibeltexte, die Homosexualität ablehnen, und auf einen Beschluss der letzten Weltbischofskonferenz von 1998, in dem praktizierte Homosexualität als unvereinbar mit der Bibel und der Kirchenlehre bezeichnet wird. Gleichwohl hatte die US-Episkopalkirche 2003 Robinson zum Bischof geweiht.

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Williams: Ich „regiere“ nicht

Seither steht die 70 Millionen Mitglieder zählende anglikanische Weltgemeinschaft am Rande einer Spaltung. Erzbischof Williams hat die Aufgabe, dies zu verhindern. Mit seinen Führungsqualitäten sind viele Konservative unzufrieden. Orombi bemängelte in der Times, dass das geistliche Oberhaupt von der britischen Regierung und nicht von der Kirche eingesetzt wird. Dieses Verfahren sei ein Überbleibsel des Kolonialismus. Selbst der Papst werde von Kardinälen gewählt. Williams erwiderte, es handele sich um ein falsches Verständnis seiner Aufgabe.

Er „regiere“ die Weltgemeinschaft nicht, erklärte er gegenüber der ökumenischen Nachrichtenagentur ENI.

Schwuler Bischof erinnert an Sklaverei

Wie die Times berichtet, trägt das Vorgehen von Williams, der bei der Bischofskonferenz keine Abstimmungen zulässt und stattdessen Gesprächsgruppen eingesetzt hat, anscheinend Früchte. Die Bischöfe seien sich einig, dass sie in bestimmten Fragen uneins seien. Williams habe deutlich gemacht, dass es kein Abrücken von dem Beschluss zur Homosexualität von 1998 geben werde und dementsprechend auch keine weiteren Bischofsweihen von Homosexuellen. Gegen Kirchen, die sich nicht an diese Vorgabe halten, sollen „wirksame Maßnahmen“ ergriffen werden.

Robinson wurde nicht zur Weltbischofskonferenz eingeladen, meldet sich aber am Rande zu Wort. Gegenüber ENI sagte er, die Kirche werde es eines Tages bereuen, Homosexuelle ausgegrenzt zu haben. Auch bei der Sklaverei habe es 1800 Jahre gedauert, bis man Gottes Willen klar erkannt habe.

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