29 April 2008, 12:03
Beide, Juden und Palästinenser, sind Menschen!
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Heiliges Land'
KATH.NET-Interview mit Erzbischof Elias Chacour von Galiläa über das Heilige Land und Wege zum Frieden.

Augsburg (www.kath.net, rn)
KATH.NET: Herr Erzbischof, die Nachrichten aus dem Heiligen Land sind ja meistens beunruhigend. Worin sehen Sie die Hoffnung für ihre Heimat und inbesondere für die Christen dort?

Erzbischof Elias Chacour: Solange die Menschen im Heiligen Land zusammenleben, gibt es Hoffnung. Und es gibt für mich immer noch Hoffnung, dass wir in der Zukunft noch fähiger werden, viel mehr miteinander zu teilen als wir dies jetzt machen. Innerhalb von Israel ist die Lage relativ stabil. Das Problem sind die von Israel besetzten Gebiete: In der Westbank und im Gazastreifen gibt es keine Menschenrechte. Diese Gebiete sind derzeit Gefängnisse.

Werbung
KiN AT Rosenkranz

KATH.NET: Wie könnte man die Probleme in Israel Ihrer Erfahrung nach lösen?

Erzbischof Elias Chacour: Es gibt ja die Idee von der Teilung des Landes und dass es dann Frieden geben werde. Dies könnte theoretisch möglich sein, allerdings bin ich hier sehr skeptisch, da Israel so viele Siedlungen in den besetzten Gebieten hat. Außerdem gibt es diese riesige Mauer, die die besten Gebiete von den Palästinensern abgetrennt hat. Wenn man jetzt die Zwei-Staaten-Lösung möchte, dann muss man sagen, dass es kaum Platz für den zweiten Staat gibt.

KATH.NET: Was wäre dann die Lösung? Doch gemeinsam in einem Staat?

Erzbischof Elias Chacour: Ich glaube nicht, dass irgendein Palästineser wirklich dagegen wäre, in einem demokratischen Staat zusammenzuleben. Die Frage ist aber, ob Israel akzeptieren würde, dass alle in einem Staat zusammenleben und es keine besetzten Gebiete mehr gibt. Ein Staat mit gleichen Rechten für alle scheint derzeit ein Utopie, vor allem weil hier zuerst Gerechtigkeit für alle Seiten herrschen müsste. Solange eine Seite allerdings mehr Waffen als die anderen hat, besteht das Risiko eines neuen Krieges.

KATH.NET: Wie können wir Europäer die Christen im Heiligen Land am besten unterstützen? Sollen wir jedes Jahr ins Heilige Land fahren?

Erzbischof Elias Chacour (lächelt): Nun, ihr müsst ja nicht jedes Jahr kommen...

KATH.NET: Können Sie noch ein paar Worte über das Verhältnis der Christen zu den Juden sagen?

Erzbischof Elias Chacour: Wenn die Sympathie für die Juden bedeutet, dass man die Palästinenser nicht mag, dann läuft hier etwas falsch. Beide sind Menschen, und beide haben den Anspruch auf Menschenrechte. Man soll hier nicht einseitig sein und nach dem Motto „Ich bin gegen die Juden und für die Palästinenser“ agieren. Das wäre nicht gut, das wäre unchristlich.

KATH.NET: Herzlichen Dank für das Interview!

Foto: (c)kath.net

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben


 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Europawahl - Ratlos vor der Entscheidung? (56)

Bischof Huonder zieht sich in Haus der Piusbruderschaft zurück (38)

„So wenige?“ (38)

Kardinal Woelki spricht Pater Romano Christen Vertrauen aus! (36)

Ibiza liegt in Europa - Ein Fall und eine Falle (34)

Vor Wahlen: Notwendiges Gespräch oder „indirekte Wahlempfehlung“? (33)

Bischof Zdarsa: steht jedem frei, das Schiff der Kirche zu verlassen (31)

Synodaler Weg – „Ich halte das für einen Etikettenschwindel“ (29)

Über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe (27)

"Ich vertraue mich dem Unbefleckten Herzen Mariens an" (27)

Großgmeiner Pfarrer kritisiert Marienheilgarten als „esoterisch“ (25)

Deutschland: „Elternteil 1 und 2“ statt „Vater“ und „Mutter“ (24)

Turiner Grabtuch: Wissenschaftler prüfen bisherige Altersmessung (23)

'Sie können nur hoffen, dass er in der katholischen Kirche ist' (22)

Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben (21)