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15 April 2008, 08:22
Olympia-Athleten sollen mit Trauerflor einmarschieren

Europapolitiker warnt vor "fürchterlicher Kultur des Wegschauens”
Augsburg (www.kath.net / idea) Die Teilnehmer an den Olympischen Spielen in Peking sollten bei der Eröffnungsfeier am 8. August mit schwarzem Trauerflor einmarschieren, um damit für die Menschenrechte in Tibet und in China zu demonstrieren. Das empfiehlt der deutsche Europaparlamentarier Thomas Mann (CDU).

Bei einem Podiumsgespräch des von „Kirche in Not“ veranstalteten Kongresses „Treffpunkt Weltkirche“, der mit 2.500 Teilnehmern vom 11. bis 13. April in Augsburg stattfand, sprach sich der Politiker gegen einen Olympiaboykott aus. Vielmehr sollten vor Ort Zeichen gegen Menschenrechtsverletzungen gesetzt werden.

Mann warnte vor einer „fürchterlichen Kultur des Wegschauens“. Das Europaparlament habe schon viele Freilassungen politischer Gefangener bewirken können. Die chinesischen Kommunisten betrachteten allerdings Menschenrechte weiterhin als „westliche Idee“.

Todeskandidaten als Organspender

Der Menschenrechtler Harry Wu (Washington) wies darauf hin, dass die chinesischen Machthaber nicht nur in Tibet Menschenrechte verletzten. Im ganzen Land seien Menschen davon bedroht.

Beispielsweise liege das Land bei der Zahl der jährlichen Organtransplantationen international hinter den USA auf Platz zwei. Dabei stammten in China 95 Prozent der Organe von zum Tode verurteilten Häftlingen. Insgesamt müsse man von 8.000 Exekutionen pro Jahr ausgehen.

Mit Fotos und Filmen dokumentierte der Katholik Wu, der selbst 19 Jahre in chinesischen Arbeitslagern verbracht hatte, Hinrichtungspraktiken des kommunistischen Regimes. Darüber hinaus berichtete er von Zwangssterilisationen und Zwangsabtreibungen, mit denen der Staat seine rigide Ein-Kind-Politik durchsetze.

Wie ein Chinese Christ wurde

Der Botschafter Taiwans im Vatikan, Chou Seng Tou, erzählte, warum er sich vor zwei Jahren dem katholischen Glauben zugewandt habe. Als Vorbereitung auf seine Berufung nach Rom habe er verschiedene katholische Einrichtungen seines Landes besucht und dabei mit den Mitarbeitern von Krankenhäusern, Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen gesprochen.

Die Menschen hätten eine innere Freude und einen Frieden ausgestrahlt, die Neugierde in ihm geweckt hätten. Im Vatikan habe ihn dann ein französischer Pater in die Bibel eingewiesen. Als Chou Seng Tous Schwager überraschend starb, kniete der Diplomat in seinem Haus zum Gebet zu Jesus Christus nieder und empfing dadurch Trost.

„Das war für mich der Wendepunkt“, sagte Chou Seng Tou, der früher auch stellvertretender Außenminister Taiwans war.