14 April 2008, 15:08
Deutscher Nuntius: Kirchensteuer ist 'heißes Thema'
 
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Am Rande des Kongresses "Treffpunkt Weltkirche" in Augsburg sprach KATH.NET mit dem Apostolischen Nuntius in Berlin, Erzbischof Jean-Claude Périsset, über die deutsche Kirche und das Kirchensteuersystem.

Augsburg (www.kath.net) Als „heißes Thema“ bezeichnete der Apostolische Nuntius in Berlin, Erzbischof Jean-Claude Périsset, die Kirchensteuerdebatte in Deutschland. Am Rande des 3. Internationalen Kongresses „Treffpunkt Weltkirche“ fragte ihn KATH.NET, wie er die Lage der Kirche in Deutschland und das gängige Kirchensteuersystem einschätze.

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„Die Kirchensteuer ist eine Art, wie die Kirche ihre weltliche Unterstützung findet“, erklärte Périsset. Der heutige System, das die Kirchenzugehörigkeit an die Bedingung knüpft, dass man Kirchensteuer bezahlt, sei „historisch gewachsen“ und eine Entscheidung der Bischöfe gewesen, „die sich auch ändern könnte“, betonte der Nuntius. „Aber momentan wäre es meiner Meinung nach ein Verlust für den Staat und für die Gesellschaft.“

Die Kirche leiste nämlich einen bedeutsamen Beitrag für die Gesellschaft. Wäre sie nicht mehr dazu imstande, müsste der Staat dies alles finanzieren, so schlage sich dies als Steuerlast auf die Bürger nieder. Périsset verwies auf eine entsprechende Abstimmung aus der Schweiz vor etwa 15 Jahren.

Der Nuntius kommentierte auch den aktuellen Fall des Kirchenrechtlers Hartmut Zapp aus dem Erzbistum Freiburg. „Ich bin auch ein Kirchenrechtler“, meinte er. „Ich verstehe, warum er das macht: Nicht, um gegen die Kirche etwas zu sagen, sondern um eine Entscheidung im Kirchenrecht zu finden.“

Dennoch gelte es abzuwägen. Er habe selbst einmal in einer Arbeit zu diesem Thema inhaltlich festgehalten: Jemand, der seine Steuer nicht bezahlen will, setzt einen Akt, der Unordnung in die Kirche bringt.

Es sei problematisch zu sagen: Ich bezahle meine Kirchensteuer nicht, aber ich bleibe Mitglied der Kirche. Périsset: „Das ist ein Widerspruch.“ Insgesamt sei die ganze Debatte „eine heikle Frage, die man nicht so einfach lösen kann“.

Zur Lage der Kirche in Deutschland meinte der Apostolische Nuntius, das Schwinden des Christentums, der Rückgang der Berufungen etcetera hängen damit zusammen, dass „wir unsere Wurzeln verlieren, die im Himmel sind“.

Périsset: „Wir leben auf der Erde und vergessen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Das ist ein Verlust für die ganze Gesellschaft. Die Kirche bleibt Kirche. Die Gnade Gottes ist immer anwesend durch jene Christen, die sich Gott hingeben und in ihrem Milieu wirklich als Sauerteig in der Gesellschaft wirken. Das ist für mich ein Motto für unsere Gesellschaft. Wir müssen unsere Mission überall verwirklichen, denn Gott ist nicht abwesend, er ist mit uns.“

Foto: (c) KATH.NET

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