06 März 2008, 08:00
Vatikan und Islam-Vertreter gründen Katholisch-Muslimisches Forum
 
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Erste Sitzung im November - Vertreter der islamischen Welt zu Besuch im Vatikan

Rom (kath.net/Zenit.org)
Auf Einladung von Papst Benedikt XVI. haben sich führende Repräsentanten des Islams am 4. und 5. März für Gespräche mit Vertretern des Päptslichen Rates für den Interreligiösen Dialog im Vatikan eingefunden. Als Antwort auf das schriftliche Dialogangebot von 138 islamischen Gelehrten vom vergangenen 13. Oktober mit dem Titel: Ein gemeinsames Wort zwischen uns und euch hatte der Vatikan eine Begegnung mit führenden Vertretern vorgeschlagen.

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„Wir sind gerne zu einem solchen Treffen bereit", schrieb Prinz Ghazi bin Muhammad bin Talal am 12. Dezember 2007 in Beantwortung eines Schreibens von Papst Benedikt, in dem dieser den 138 Gelehrten für ihre Initiative gedankt hatte (vgl. Zenit vom 29. Nov. 2007). Der Leiter des Aal al Bayt-Instituts für islamisches Denken in Amman war der Initiator des offenen Briefes an den Papst und die Christenheit gewesen.

Die Leiter der Delegationen, die in diesen Tagen im Vatikan zusammengekommen sind: Kardinal Jean-Louis Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, und Scheich Abdel Hakim Murad Winter, ein Engländer, der am Lehrstuhl für islamische Studien der „Shaykh Zayed Divinity School" an der Universität Cambridge unterrichtet, haben sich in einer veröffentlichten gemeinsamen Presseerklärung zur Fortsetzung zund Vertiefung des katholisch-muslimischen Dialogs bekannt. Man sei überein gekommen, ein „Katholisch-Muslimisches Forum" zu errichten und das erste Seminar dieses Forums vom 4. bis zum 6. November 2008 in Rom abzuhalten.

An diesem Arbeitstreffen werden 24 religiöse Führer und Hirten beziehungsweise Gelehrte von beiden Seiten teilnehmen. Unter dem Generalthema „Gottesliebe, Nächstenliebe" wird man über theologische und spirituelle Grundlagen sowie über menschliche WÜrde und gegenseitigen Respekt beraten. Zum Abschluss der Arbeiten werden die Teilnehmer von Benedikt XVI. empfangen werden.

Die islamische Delegation der jetzigen zweitägigen Begegnung im Vatikan bestand aus fünf Gelehrten aus fünf verschiedenen Ländern: Scheich Abdel Hakim Murad Winter; Aref Ali Nayed, emeritierter Professor des Päpstlichen Instituts für Arabische Studien (PISAI); Sergio Yahya Pallavicini, Vizepräsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Italien („Comunita Religiosa Islámica delle Italia", COREIS); Ibrahim Kalin, Direktor der „Seta Foundation" in Ankara (Türkei), und Sohail Nakhooda, Leiter des „Islamic Magazine", das in den USA aufgelegt wird.

Die katholische Delegation bestand aus dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Jean-Louis Tauran; dem Sekretär dieses Rates, Msgr. Pierluigi Celata; dem Verantwortlichen für Islamfragen des Rates, Msgr. Khaled Akasheh; dem Präsidenten des PISAI, P. Miguel Ángel Ayuso Guixot, und dem Gastprofessor der Päpstlichen Universität Gregoriana, P. Christian W. Troll SJ.

Der Priester Andrea Pacini, Berater der „Kommission für die Beziehungen mit dem Islam", die dem Interreligiösen Rat unterstellt ist, erklärte gegenüber Radio Vatikan: „Das Thema ‚Religionsfreiheit' ist ein heikler Punkt bei den interreligiösen Diskussionen, aber gerade deswegen ist er so bedeutend."

Generell gebe es aber kein einheitliches Bild: „Beispielsweise hat der derzeitige Emir in Katar den christlichen Gemeinschaften erlaubt, Kirchen zu bauen. Das bedeutet für diese Christen, dass sie nicht mehr im Untergrund leben müssen. Dazu kommt noch, dass der Staat ihnen das Land für die Kirchen geschenkt hat", erklärte er.

Eine allgemein verbindliche völkerrechtliche Regelung sei aber zur Beachtung der Religionsfreiheit unumgänglich, betonte der Priester. Dazu sei der beständige Dialog unerlässlich.

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