20 Februar 2008, 09:09
Wenn AIDS-Patienten nicht mehr ansteckend sind
 
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Ein Schweizer Infektiologe hat eine positive Nachricht für Ehepaare, bei denen ein Partner HIV-infiziert ist, und für Paare mit Kinderwunsch.

Wien (www.kath.net / imabe) Die Eidgenössische Kommission für Aidsfragen (EKAF) bricht ein Tabu: In einem in der Schweizerischen Ärztezeitung publizierten Artikel stellt sie fest, dass HIV-Infizierte, sofern sie drei strikte Bedingungen erfüllen, nach heutigem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis nicht mehr ansteckend seien.

Im Klartext heißt das, dass sie innerhalb einer treuen, festen Beziehung keine Kondome zum Schutz des Partners gebrauchen müssen. Unter optimalen Voraussetzungen kann ein Paar, bei dem ein Partner HIV-infiziert ist, normalen Geschlechtsverkehr haben, so der Infektiologe Professor Pietro Vernazza vom Kantonspital St. Gallen, der mit dieser Aussage weltweit für Aufsehen gesorgt hat.

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Optimale Voraussetzung bedeute: eine stabile HIV-Behandlung („antiretrovirale Therapie“ ART inklusive regelmäßiger ärztlicher Kontrolle), kein Aids-Erreger im Blut seit mindestens sechs Monaten nachweisbar, keine Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STD). Die Autoren betonen, dass diese drei Bedingungen vollumfänglich erfüllt sein müssen.

Nur wenn alle diese Voraussetzungen gegeben seien, könne laut allen verfügbaren wissenschaftlichen Daten eine HIV-infizierte Person als nicht infektiös gelten. Dies sei eine sehr positive Nachricht für Ehepaare, bei denen ein Partner HIV-infiziert ist oder bei Paaren mit Kinderwunsch, unterstreicht Susanne Kummer vom IMABE-Institut (Wien) gegenüber KATH.NET.

Aids-Experte Vernazza zeigte sich trotz aufflammender Kritik an diesem Tabubruch überzeugt, dass zumindest die europäischen Länder in ein bis zwei Jahren dem Beispiel der Schweiz folgen werden. Bei einer unehrlichen Information stehe die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel und dies gefährde die Prävention, so Vernazza.

Wie das Schweizer Bundesamt für Gesundheit in einem kurzen Kommentar betont, ändere sich damit nichts an den Regeln der HIV-Prävention für die Allgemeinbevölkerung. Für die Aussage „HIV-infizierte Menschen ohne andere STD sind unter wirksamer antiretroviraler Therapie sexuell nicht infektiös“ seien jedoch wissenschaftliche Faktenlage und Evidenz ausreichend, betonen die Autoren.

Kummer sieht in den jüngsten Ergebnissen eine Bestätigung, dass Maßnahmen zur Eindämmung von Aids letztlich nur dann greifen, wenn sie auch eine Korrektur des Sexualverhaltens mit einschließen, was kürzlich auch unter dem Titel „Die Zehn Mythen und eine Wahrheit über HIV“ im Fachjournal Lancet thematisiert wurde. Selbst ein geringfügiger Rückgang bei den mehrfachen Partnerschaften könnte die Dynamik der Epidemie – wie das Beispiel Kenia gezeigt habe – wesentlich dämpfen.







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