19 Februar 2008, 11:36
Tief enttäuscht
 
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Ein KATH.NET-Kommentar der Schriftstellerin Gabriele Kuby zu Erzbischof Robert Zollitsch: Ohne Not haben Sie eine Fahne gehißt auf der steht: GEGEN ROM MIT DEM STROM.

München (www.kath.net)
Sehr geehrter Herr Erzbischof, von der Mehrheit Ihrer Mitbrüder im Bischofsamt sind Sie vor wenigen Tagen zu deren Vorsitzenden gewählt worden. Es bestand die Hoffnung, daß eine Persönlichkeit gewählt würde, die in der bedrohten Lage der Katholischen Kirche in Deutschland einen Erneuerungskurs einschlagen würde. Erneuerung kann es, wie die gesamte Kirchengeschichte zeigt, nur aus Treue zu Jesus Christus und zu seinem Stellvertreter auf Erden, dem Heiligen Vater, geben.

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Eben darin bestand das Lebenswerk des Gründers der Schönstatt Bewegung, der Sie als Mitglied des Instituts der Schönstatt-Diözesanpriester angehören. Pater Kentenich hat durch seine Exerzitien Tausenden von Priestern geholfen, ihren Dienst auf das feste Fundament der Eucharistie, der Treue zum Petrusamt und der Liebe zur Mutter Jesu zu stellen. Ich hatte die Hoffnung, daß Sie sich von den Prinzipien Ihres großen Gründers leiten lassen würden.

Diese Hoffnung haben Sie mit Ihrem ersten Interview nach Ihrer Wahl den Boden entzogen. Ohne Not haben Sie eine Fahne gehißt auf der steht: GEGEN ROM MIT DEM STROM.

„Kirche von unten“ freut sich.

All jene, die auf Glaubenserneuerung in Einheit mit Papst Benedikt XVI. hofften, sind tief enttäuscht. Dem Papst geht es darum, jeden Einzelnen in die lebendige Liebesbeziehung zu Jesus Christus zu führen. Wie sehr wünsche ich mir, daß er von unseren Bischöfen kompromißlos unterstützt wird.

Wie wirkt sich Ihr Wort, das ehelose Leben der Priester sei „theologisch nicht notwendig“, auf die treuen Priester aus, die in der Nachfolge Jesu das große Opfer eines zölibatären Lebens bringen? Brauchen sie nicht dringend die Stärkung und Ermutigung durch ihre Hirten? Brauchen wir nicht gerade in einer, im wahrsten Sinne des Wortes, demoralisierten Gesellschaft deren leuchtendes Zeugnis?

Warum setzen Sie die Politik Ihres Vorgängers fort, sich von einem Mitbruder abzugrenzen, der einer unheilvollen Entwicklung mit einem scharfen Wort widerspricht? Wie wirkt die mangelnde Solidarität der Bischöfe auf die Öffentlichkeit?

Warum stellen Sie der Familienpolitik in Sachen Kinderkrippe einen Blankoscheck aus? Der Widerstand gegen die Krippenpolitik der CDU richtet sich nicht gegen ein Notfallprogramm, sondern gegen das staatliche Bestreben, die Fremdbetreuung für Kinder ab einem Jahr zur Regel zu machen. Sehen Sie nicht, daß auf diese Weise die Liebe als Fundament der Familie ausgetrocknet und die Familie als Fundament einer christlichen Gesellschaft weiter zerstört wird?

Sie distanzieren sich von der CDU, was verständlich ist, aber gleichzeitig äußern Sie Sympathien für SPD und Grüne. Diese Parteien haben Positionen, die mit der katholischen Lehre vollkommen unvereinbar sind, und sie bekämpfen die Katholische Kirche. Werden Sie für die katholische Position kämpfen?

Warum halten Sie es für nötig, sich in der Frage des Kirchenverständnisses vom Lehramt zu distanzieren und die Sicht der evangelischen Kirche zu übernehmen? Schöpfen nicht auch Sie Kraft aus dem Wissen, daß Sie in der apostolischen Sukzession stehen, wodurch Sie vor Gott eine sehr große Verantwortung haben?

Unsere Kirche befindet sich im freien Fall. In zehn Jahren wird es nur noch die Hälfte an Priestern und Gläubigen geben. Der Islam wächst unaufhaltsam im eigenen Land. Spricht nicht alles dafür, in dieser geschichtlichen Stunde die Kirche durch Einheit mit dem Papst zu stärken, einem deutschen Papst, der über der Welt die Wahrheit ausruft und die Hoffnung stärkt?

Es grüßt Sie mit großer Sorge um unsere Kirche und unser Land

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Gabriele Kuby

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