04 Februar 2008, 01:23
Die 'Grüne Angst' vor der 'Homosexuellenheilung'
 
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Volker Beck von den deutschen Grünen hat Angst vor einem christlichen Kongress, bei dem auch Tabufragen der Gesellschaft zur Sprache kommen, und übt Druck auf die Kongressveranstalter aus

Berlin (kath.net/idea)
Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat erneut scharfe Kritik am Jugendkongress Christival geübt, der vom 30. April bis 4. Mai in Bremen stattfindet. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer, Volker Beck, wandte sich in einem Brief an die Kuratoriumsmitglieder des Treffens, das unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) steht. Der Christival-Vorsitzende Roland Werner (Marburg) habe Bücher geschrieben und Vorträge gehalten, die eine "Homosexuellenheilung" zum Thema hätten, so Beck. Psychologen und Ärzte warnten vor den psychologischen Folgen solcher Angebote. Sie seien gesellschaftspolitisch "Teil einer minderheitenfeindlichen und antihomosexuellen Debatte".

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Beck, der nach eigenen Angaben in einer "schwulen Lebensgemeinschaft" lebt, fragt die Kuratoriumsmitglieder - darunter zahlreiche Prominente Politik, Kirche, Sport und Wirtschaft -, wie sie "entsprechende Vorgänge" beim Christival bewerteten und ob sie bereit seien, "gemeinsam mit anderen dieser homosexuellenfeindlichen Kampagne entgegenzutreten". In letzter Zeit träten immer häufiger Gruppierungen auf, die Therapien zur Überwindung der Homosexualität anböten oder anpriesen. Hier träten "besonders die OJC (unter dem Namen eines Pseudo-Instituts ,Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft'), Wüstenstrom oder Scientology hervor", so Beck. OJC ist die Abkürzung für die ökumenische Kommunität "Offensive Junger Christen" (Reichelsheim/Odenwald). Ihr Institut für Jugend und Gesellschaft setzt sich seit 25 Jahren für Frauen und Männer ein, "die ihre homosexuelle Orientierung als unerwünscht und konflikthaft mit ihren Lebenszielen und Überzeugungen erleben". Die evangelikale Organisation "Wüstenstrom" bietet Homosexuellen, die den Wunsch nach Veränderung haben, seelsorgerliche Hilfe an.

Seminar nach Beck-Protest abgesagt

Beck hatte Anfang Januar gegen ein beim Christival geplantes Seminar "Homosexualität verstehen - Chance zur Veränderung" öffentlich protestiert, das daraufhin abgesagt wurde. Die Veranstalter wollten verhindern, dass sich die Debatte um dieses Thema weiter hochschaukelt und von anderen wichtigen Themen des Treffens ablenkt. Zum Kuratorium des Christivals gehören der frühere Bremer Bürgermeister Hans Koschnick (SPD), der Golfprofi Bernhard Langer, die evangelischen Bischöfe Hans-Jürgen Abromeit (Pommern), Ulrich Fischer (Baden) und Johannes Friedrich (Bayern), die Unternehmer Heinz-Horst Deichmann (Essen) und Friedhelm Loh (Haiger) sowie der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth (Wetzlar).

Christival: Beck will das Jugendtreffen diskreditieren

Christival-Geschäftsführer Heiko Linke (Marburg) bedauert in einem Schreiben an die Mitglieder des Kuratoriums, dass diese "durch Herrn Becks Kampagne belästigt werden". Nachdem es dem Grünen-Politiker nicht gelungen sei, Bundesministerin von der Leyen zu bewegen, ihre Schirmherrschaft niederzulegen, "versucht er offensichtlich jetzt auf diese Weise, dieses große christliche Jugendtreffen zu diskreditieren". Nach der Absage des Seminars sei es "umso verwunderlicher", dass Beck jetzt nachlege. Gerade im Interesse der Minderheitenrechte müsse es möglich sein, dass homosexuell empfindende Menschen, die nach Möglichkeiten der Veränderung suchten, diesen Fragen nachgehen könnten. Linke: "Darum und um nichts anderes ging es in dem ehemals geplanten Seminar." Das Christival vertraue darauf, dass die Kuratoriumsmitglieder den Kongress mit seiner christo-zentrischen Ausrichtung weiter unterstützten.

Grüne richten Anfrage an die Bundesregierung

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet, weil zunehmend "christlich-fundamentalistische Gruppen" versuchten, "Lesben und Schwule mit pseudowissenschaftlichen ,Therapien' von ihrer Homosexualität zu ,heilen'". In den 27 Fragen will die Fraktion unter anderem wissen, welche Erkenntnisse die Regierung hat über "antihomosexuelle Veränderungsmaßnahmen" durch Gruppen wie "Campus für Christus", Wüstenstrom und das Weiße Kreuz (ein Fachverband für Sexualethik und Seelsorge innerhalb der Diakonischen Werkes). Die Grünen wollen auch Auskunft darüber, welche materielle oder ideelle Unterstützung die Gruppen von staatlicher Seite erhalten und wie die Regierung dafür Sorge tragen will, dass künftig keine Vereinigungen mehr unterstützt werden, die die Überwindung von Homosexualität anstreben. Ferner wird gefragt, was Bundesjugendministerin von der Leyen bewogen habe, die Schirmherrschaft und den Kuratoriumsvorsitz des Christivals zu übernehmen, obwohl dort ein "antihomosexuelles Seminar vorgesehen war".

"Pro-Familia"-Beraterin gegen Lebensschutz-Seminar

Kritik an einem geplanten Christival-Seminar zur Abtreibung übt die Geschäftführerin von "Pro Familia" Bremen, Annegrete Siebe. Wie die linksalternative Tageszeitung taz in ihrer Nord-Ausgabe vom 30. Januar berichtet, nimmt sie Anstoß am Seminar "Sex ist Gottes Idee - Abtreibung auch?". Dabei wirke der Heidelberger Verein "Die Birke" mit, der sich für den Schutz ungeborenen Lebens einsetze. Der Verein vertritt nach Siebes Ansicht unter anderem die Auffassung, dass eine Vergewaltigung von einer Frau besser verkraftet werde als die Abtreibung eines Kindes, das während einer Vergewaltigung gezeugt wurde. Das sei eine "gedrehte Wertung", so Sexualberaterin Siebe, denn dann wäre das "keimende Leben" mehr wert als das Leben einer Frau. Problematisch wertet Frau Siebe auch Christival-Seminare, in denen das Verbot von Sexualität vor der Ehe als Dogma verbreitet werde. Siebe tritt für das "Menschenrecht auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung" ein. Mit dieser Formel wird meist das Recht der Frau auf Abtreibung umschrieben.

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