23 August 2007, 13:38
,Und nach dem Frühstück geht mein Bruder dann an die Arbeit’
 
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Papst-Bruder Georg Ratzinger spricht im Interview mit Christoph Hurnaus über den Alltag von Benedikt XVI., seine Erinnerungen an Österreich und die Zukunft der Kirche.

Linz (www.kath.net)

Herr Prälat Ratzinger, Sie haben gemeinsam mit Ihrem Bruder Joseph und Ihrer Schwester Maria viele Urlaube in Österreich verbracht. Was waren Ihre beliebtesten Urlaubsziele?

Georg Ratzinger: Wir waren sehr oft in Brixen in Südtirol und in Bad Hofgastein, zwischendurch dann auch einmal in St. Georgen am Längsee in Kärnten. In Linz waren wir auch sehr gerne, im Petrinum, auf Einladung der beiden Kirchenmusiker Hermann und Josef Kronsteiner.

Ihre ersten Erinnerungen an Österreich stammen aus der Zeit der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts, als Sie mit Ihrer Familie in Tittmoning an der Salzach lebten, eine Stadt die durch eine Brück mit Österreich verbunden ist.

Georg Ratzinger: Von Tittmoning aus haben wir mit der Mutter öfter Spaziergänge nach Österreich gemacht. Um die Grenze zu passieren, musste man damals 10 Pfennig zahlen. Ostermiething war der Ort in der Nähe der Grenze, da sind wir öfter rübergegangen. Ich erinnere mich an das Jahr 1931. Mein Bruder war damals vier Jahre alt. In Ostermiething gab es einen Schmied.

Als wir dorthin kamen, fragte mein Bruder: „Ist das ein Schmied?“, als dieser aus dem Hause rief: „Nein, ein Lebzelter!“ In der Nähe lag St. Radegund. Da fand ich einmal ein herrenloses Taschentuch, das niemand gehörte. Ich nahm es mit, habe es lange Zeit benützt und nannte es das „St. Radegunder Taschentuch.“ Von dort kam Franz Jägerstätter, ein aufrechter Antinazi, der demnächst seliggesprochen wird.

Sie sind von der Republik Österreich mit dem Bundesverdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst Erster Klasse ausgezeichnet worden. Diese Feier fand am 21. Mai 2005 in Anwesenheit Ihres Bruders im Vatikan statt. Als Kirchenmusiker haben Sie im Laufe der Jahre viele Auszeichnungen für Ihr verdienstvolles Wirken erhalten. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung Ihres Nachbarlandes Österreich?

Georg Ratzinger: Ich bin fast beschämt. Ich glaube nicht, dass ich so viele Verdienste um Österreich habe, um eine Auszeichnung verdient zu haben. Aber ich freue mich natürlich, weil ich Österreich in vieler Hinsicht sehr liebe. Es ist ein Land der Poesie und der Musik, in welchem die Musik lebendig ist. Wir sind musikalisch groß geworden in Traunstein, im Raum Salzburg. Haydn, Mozart, Beethoven, Brahms und Bruckner, das ist die musikalische Welt Österreichs.

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Österreich ist ein Land, in dem solche Begabungen, solche Größen leben, wachsen, gedeihen, und sich zu Hause fühlen konnten. Aber dann auch die landschaftliche Schönheit Österreichs, die der bayrischen verwandt ist. Dann ist Österreich natürlich auch „klöster-reich“, die vielen Stifte mit ihren wunderbaren barocken Kirchenräumen. Die Schönheiten des Lebens sind in Österreich in besonderer Weise beheimatet.

Sie haben von „klöster-reich“ gesprochen. Welche Stifte haben Sie im Laufe der Jahre besucht?

Georg Ratzinger: Wir waren natürlich in Melk. Melk ist ganz großartig. Mit den Regensburger Domspatzen hatten wir öfter Konzerte in St. Florian bei Linz, wo ja auch Anton Bruckner als Schüler und Stiftsorganist einen wichtigen Teil seines Lebens verbracht hat. Dann waren wir auch in Kremsmünster und im Stift Heiligenkreuz. Heiligenkreuz hat mich mit seiner wunderschönen gotischen Kirche sehr beeindruckt. Mein Bruder und meine Schwester haben zusammen auch einmal das Stift Schlägl besucht.

Sie haben 2004 mit Ihrem Bruder den Wallfahrtsort Mariazell besucht. Ihr Bruder kehrt heuer im September dorthin als Papst zurück, um die 850-Jahr-Feier dieser Wallfahrt zu begehen. Welchen Eindruck hatten Sie von diesem Gnadenort?

Georg Ratzinger: Mariazell ist anders als Altötting. In Altötting bildet die Gnadenkapelle das Herz der Wallfahrt. Sie ist relativ klein und finster, und sehr gesammelt. Mariazell fand ich prächtiger. Es ist größer, fürstlicher und repräsentativer. Die Kirche hat mich deshalb sehr gefesselt, weil sie eine gute Stilistik und Einheitlichkeit hat.

Sie spiegelt eine Barockfrömmigkeit wider, die in ihrem Selbstbewusstsein doch irgendwie diesseitig und irdisch, in ihrem Glanz aber auch an die ewige Seligkeit, an die Schönheit des Himmels erinnert. Altötting ist intimer und ein bisschen mystisch. Mariazell ist sehr einprägsam und sehr mächtig. Die Mönche haben sich hier in der Einsamkeit der Natur niedergelassen, so dass sich die Wallfahrt, die Gottverbundenheit und die Natur hier treffen.

Welchen Platz hat die Muttergottes in Ihrem Leben?

Georg Ratzinger: Im Wachsen unseres Glaubenslebens hat die Muttergottes natürlich einen zentralen Platz, als Mutter unseres Erlösers und als Mutter des Herrn. Wir waren alle große Verehrer des Weihnachtsfestes. Weihnachten war für uns der Höhepunkt im Jahr. An diesem Fest steht natürlich die Muttergottes mit dem Jesuskind im Mittelpunkt. Unser Glaube hat zu Weihnachten ganz menschliche Züge angenommen. Und dann auch das Erleben von vielen Wallfahrtsorten, an denen Bilder ausgestellt sind, die zeigen, wo Maria überall geholfen hat.

Sie haben auch andere Wallfahrtsorte in Österreich besucht, etwa den Linzer Pöstlingberg oder Maria Plain, wohin Sie öfter mit Ihren Eltern und Ihren Geschwistern von Traunstein aus gepilgert sind.

Georg Ratzinger: Maria Plain ist eine prächtige Kirche mit einem wunderbaren Ausblick auf die Stadt Salzburg und die Alpen. All diese Wallfahrtskirchen sind doch in ihrer Art individuell verschieden, haben aber gemeinsam, dass sie leben und existieren ganz aus der Gottverbundenheit, dass der Glaube die Inspiration ist, und dass eine tiefe und unangefochtene Gläubigkeit dahintersteht, die zu großen Taten inspiriert. Es ist an Wallfahrtsorten sehr schön, den Grund und Beginn der Frömmigkeit, dann deren Gestaltung, und auch die Begegnung mit dem Volksstamm, der hier tätig war, zu sehen.

Sie haben eine besondere Beziehung zur Mozartstadt Salzburg. Mit ihrem Bruder besuchten Sie schon sehr früh mit dem Fahrrad von Traunstein aus die Salzburger Festspiele. Später ist dann diese Beziehung noch gewachsen und hat sich vertieft. Können Sie etwas über die Faszination Salzburgs sagen?

Georg Ratzinger: Ja, Salzburg hat mich immer fasziniert. Die Regensburger Domspatzen haben 1941 zum 150. Geburtsjahr Mozarts in Salzburg ein Konzert gegeben, das wir besuchten. Wir haben damals in der kleinen Pension „Tiger“ übernachtet. An einem Samstag der Festspiele wird in St. Peter immer die Mozart d-Moll Messe aufgeführt. Da sind wir auch mal rübergefahren und haben uns sehr billige Schülerkarten gekauft. Wir waren von den Vorstellungen immer begeistert.

Sie haben auch Wien bei gemeinsamen Besuchen kennen gelernt. Was macht den Charme dieser Stadt aus?

Georg Ratzinger: In Wien haben wir uns wirklich sehr wohl gefühlt. Österreich ist einladend, freundlich, menschlich. Ein Bekannter, der Wien besuchte, erzählte mir, dass er dort mit Herr Doktor angesprochen wurde, worauf er entgegnete: „Ich bin kein Doktor.“ Daraufhin der Gesprächspartner: „Herr Professor“, „Herr Hofrat“, „Herr Kammersänger.“

Dann liebe ich natürlich die österreichische Küche. In Wien besuchten wir ein Restaurant, in dem nur Rindfleisch serviert wird. Ich denke auch an die vielen schönen Kirchen Wiens. Ich persönlich bin ein Fan von Barockkirchen, habe aber auch den Stephansdom sehr gerne, der nicht nur einen gotischen Eindruck macht, sondern auch viele Ornamente aus späterer Zeit enthält.

Gibt es einen Ort in Österreich, den Sie noch einmal besuchen möchten?

Georg Ratzinger: Ich bin kein großer Reisender. Mit den Regensburger Domspatzen bin ich jedoch viel gereist. Alleine reise ich nicht so gerne. Aber Stift St. Florian beispielsweise ist sehr beeindruckend. Stift Kremsmünster liegt auch in einer sehr schönen Gegend. Der Mattsee ist auch ein ganz „lauschiges Fleckerl“.

Ich habe in Rom Botschafter Türk kennen gelernt. Er schwärmt immer sehr vom Attersee. Ich war zwar noch nie dort, aber er hat mir den Attersee so anschaulich geschildert, dass ich glaube, das wäre auch so ein „Fleckerl“, wo man gerne sein möchte. Am Wörthersee hatten wir einmal ein Konzert, da war es auch sehr schön.

Wolfgang Fronhöfer, ein Mitarbeiter des Bistums Passau, hat den Stammbaum der Familie Ratzinger bis etwa zum Jahr 1600 rückverfolgt. Dabei stieß er auf interessante Details. So führt der Weg Ihrer Familie nach Oberösterreich, in die Gemeinde Freinberg bei Passau. Dort soll es noch heute den „Ratzingerhof“ in Ratzing geben, der von Ihren väterlichen Vorfahren bewohnt wurde.

Georg Ratzinger: Mein Vater wusste, dass seine Vorfahren aus dem oberösterreichischen Bereich kamen. Das dürfte also stimmen. Seine Mutter stammte aus dem Böhmerwald. Die Großmutter mütterlicherseits kommt aus Mühlbach, bei Brixen in Südtirol. Mein Großvater war ein bayrischer Schwabe, aus Felden. Sie haben dann geheiratet, Tirol verlassen und sind in ein anderes Mühlbach, nach Mühlbach bei Oberaudorf gezogen, wo meine Mutter geboren wurde.

Können Sie uns etwas über Ihren Weg zum Priestertum erzählen?

Georg Ratzinger: Das Familienleben war bei uns religiös geprägt. Das Gebet zum Frühstück, das Tischgebet zu allen Mahlzeiten, und dann natürlich auch die Verbundenheit mit dem kirchlichen Leben. Wir sind jeden Tag in die Schulmesse gegangen, am Sonntag sowieso. Am Samstag sind wir regelmäßig in den Rosenkranz und auch zur Beichte gegangen.

Das Eingetauchtsein in diesen gläubigen Kontext hat doch eine Welt gebaut, die einfach bestimmend war für die Beurteilung von allem, was man erlebt hat. Die Berufung ist eigentlich von selber gewachsen. Ich war Ministrant und hatte dabei immer das Empfinden: „Da ist dein Platz.“ Ich hatte niemals große innere Kämpfe. Auch in der schwierigen Zeit des Krieges gab es für mich keinen Zweifel, dass dies für mich die richtige Berufung und die Lebensrichtung ist, zu der ich gerufen bin.

Für meinen Bruder, der ja drei Jahre jünger ist und mir bald folgte, hatte ich eine gewisse Vorbildfunktion, bin aber überzeugt, dass er auch ohne mich einen geistlichen Beruf ergriffen hätte. Ich hab immer den lieben Gott gebeten: „Gib mir eine Aufgabe, wo ich musikalisch tätig sein kann, eine Verbindung zwischen meinem geistlichen Beruf und der musikalischen Arbeit.“

Haben Sie als Kinder auch schon musiziert?

Georg Ratzinger: Unser Vater hat gerne Zither gespielt und auch im Kirchenchor gesungen. Für die Familie war es immer ein großes Erlebnis, wenn der Vater die Zither vom Küchenschrank runtergeholt, die Noten ausgepackt und dann gespielt hat. Mein Vater meinte, wir sollten als Kinder Harmonium lernen, weil es das Instrument ist, das der Orgel am nächsten ist. In Marktl am Inn hat mich neben dem Pfarrer der Chorregent am meisten fasziniert. Er war Leiter des Kirchenchors, hat Orgel gespielt und überdies noch die Blasmusik geleitet.

Er hat das größte aller Instrumente gespielt, nämlich die Tuba. Weil er sehr klein gewachsen war, nannten wir ihn den „kleinen Andreas mit der großen Musi“. Er hat mir enorm imponiert. Ich war von Anfang an von der Musik sehr fasziniert. Als Kind fragte ich meinen Vater, wie man den Mann nennt, der in der Bischofskirche die Musik macht. In Tittmoning hieß er Chorregent. Mein Vater sagte „Domkapellmeister“, und so dachte ich, ich möchte einmal Domkapellmeister werden.

Gibt es neben der klassischen Musik noch andere Musikrichtungen die Sie gerne hören?

Georg Ratzinger: Die echte alpenländische Volksmusik empfinde ich als eine gesunde, urwüchsige Musik. Die Blasmusik ist nicht die Sprache meines Herzens, aber ich mag sie. Was ich nicht mag, ist Popmusik, Schlager oder volkstümliche Musik, das ist mir zu parfümiert.

Sie waren Leiter der berühmten Regensburger Domspatzen und leben nun schon viele Jahre in Regensburg. Sie haben hier auch einige gemeinsame Jahre mit Ihrem Bruder verbracht.

Georg Ratzinger: Seit fast 44 Jahren lebe ich nun in Regensburg, mit 40 Jahren bin ich angekommen, heute bin ich 83. Mehr als die Hälfte meines Lebens lebe ich nun hier. Ich habe mich immer als Oberbayer gefühlt, jetzt bin ich Oberpfälzer geworden, obwohl Regensburg ja immer eine freie Reichsstadt war.

Später ist mir dann mein Bruder als Dogmatikprofessor nach Regensburg gefolgt. Er hat den Bau seines Hauses in Pentling in Angriff genommen, und so konnten wir einige schöne gemeinsame Jahre zusammen verbringen. Meine Geschwister haben mich oftmals am Sonntag in meiner „Domspatzenwohnung“ besucht und hier Mittag gegessen.

Hatten Sie jemals damit gerechnet, dass Ihr Bruder Papst werden könnte?

Georg Ratzinger: Dass die Kardinäle sich für meinen Bruder als Papst entschieden, war für mich im ersten Moment wegen seines Alters eigentlich unverständlich. Es benötigt schon einen intensiven geistlichen Vollzug, um zu verstehen, dass mein Bruder nun Papst geworden ist. Aber persönlich hat sich zwischen uns nichts verändert. Er ist ja nicht nur Papst, er ist auch Mensch, mein Bruder eben.

Hätte sich Ihr Bruder jemals vorstellen können, Papst zu sein?

Georg Ratzinger: Nein. Er hatte ja gehofft, seine offiziellen Ämter bald ablegen zu können. Er wollte noch ein bisschen wissenschaftlich-literarisch arbeiten. Das war so seine Perspektive.

Haben Sie manchmal daran gedacht, was Ihre Eltern sagen würden, wenn Sie die Wahl Ihres Bruders zum Papst erlebt hätten?

Georg Ratzinger: Die Eltern würden sich einerseits sicher freuen, andererseits wäre dies auch eine Sorge. Man muss die Verantwortung sehen, die hinter so einem hohen Amt steht, die Erwartungen, die in ihn gesetzt werden.

Sie besuchen im August Ihren Bruder Papst Benedikt in Castelgandolfo. Wie sieht dort ein normaler Tagesablauf für Sie aus?

Georg Ratzinger: In der Früh bereiten wir uns gemeinsam auf die Heilige Messe vor, und dann gibt es eine gemeinsame Zelebration, an der auch der Sekretär teilnimmt. Anschließend betet mir mein Bruder nach einer Meditation das Brevier vor, da ich ja nicht mehr lesen kann. Nach dem gemeinsamen Frühstück geht mein Bruder dann an die Arbeit. Am Vormittag ist jemand da, der mir vorliest, und kurz vor Mittag kommt mein Bruder, um mich zum Mittagessen abzuholen.

Wenn ich im Vatikan bin, gibt es nach dem Mittagessen einen Spaziergang auf dem Dachgarten, in Castelgandolfo durch die Säle des Hauses, und dann ist Siesta. Um 18 Uhr 45 gibt es nochmals einen gemeinsamen Spaziergang mit meinem Bruder, wo der Rosenkranz gebetet wird. Anschließend ist Abendessen, und nach dem Abendessen sehen wir uns um 20 Uhr die Nachrichten an.

Man sagt, dass Ihr Bruder als Präfekt der Glaubenskongregation ein sehr nahes Verhältnis zu Papst Johannes Paul II. hatte. War das eine kongeniale Partnerschaft?

Georg Ratzinger: Ja, so kann man es sagen. Der Papst hat sehr viel auf ihn gehalten und gewusst, dass er in ihm einen verlässlichen und jederzeit bereiten Mitarbeiter hat, der auch qualifiziert ist. Der Heilige Vater wusste, dass Kardinal Ratzinger eine sehr intensive und umfassende Kenntnis vieler Details hat. Mein Bruder hatte nie einen besonderen Ehrgeiz. Er wollte seine Aufgabe gut machen.

Früher wurde von Kardinal Joseph Ratzinger oft ein verzerrtes Bild gezeichnet. Als Papst wird er nun ganz anders wahrgenommen. Freuen Sie sich eigentlich, dass sich die Stimmung so gewandelt hat?

Georg Ratzinger: Man sieht, dass solche Vorurteile nie auf originärer Erfahrung beruhen. Jemand sagt etwas, es wird in die Welt gesetzt, und die Welt besteht halt weitgehend aus Gerüchten. Dass jetzt ein falsches Bild von meinem Bruder korrigiert wird, das halte ich schon für gut.

Ist Standfestigkeit eine besondere familiäre Tugend?

Georg Ratzinger: Ich denke schon, dass da eine natürliche Veranlagung da ist. Wir Bayern haben einen gewissen Dickschädel. Der positive Effekt ist, dass etwas, was der eigenen Überzeugung entspricht, nicht einfach leichtfertig aufgegeben wird. Mein Vater war in seiner Opposition gegen das Naziregime da sicherlich für uns ein Vorbild.

Ein großer Erfolg war der Heimatbesuch Ihres Bruders Papst Benedikt XVI. in Bayern im vergangenen Jahr. Was bleibt ein Jahr danach neben schönen Erinnerungen?

Georg Ratzinger: Viele Menschen waren emotionell sehr beeindruckt. Ich glaube, dass dies bei vielen nicht nur ein momentaner Eindruck war, sondern wirklich auch anhält. Ich war selber in Altötting und Regensburg dabei, wo es wirklich sehr eindrucksvoll war. Der Papst hat hier in diesem Zimmer Mittag gegessen und so wie eh und je seine Siesta gemacht. Dann waren wir noch am Friedhof, am Elterngrab, und im Haus meines Bruders in Pentling, wo er nochmals eine Ruhepause einlegen konnte. Das hatte natürlich für uns eher privaten Charakter und ist religiös oder heilsgeschichtlich nicht von Bedeutung.

Wie sehen Sie die Zukunft der Kirche?

Georg Ratzinger: Wir müssen uns bemühen, dass ein Kern da ist, der den Glauben an Christus wach hält, und die Botschaft des Evangeliums lebt. Die vielen neuen Gruppen und Bewegungen die entstehen, sind in sich gefestigt und wirken nach außen ungemein positiv und befruchtend. Dass die Kirche nicht in der Sakristei bleibt, sondern einen gewissen Öffentlichkeitsraum erreicht. Man soll aber auch die Tradition nicht ganz unterschätzen. Sie ist schon eine gewisse Hilfe.

Foto: (c) KATH.NET

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