14 Juni 2007, 19:56
'Nicht einfach nur der Professor Ratzinger, sondern Petrus'
 
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Am Mittwoch am Abend lud Kardinal Christoph Schönborn zum Medienempfang. Prominenter Gast war Vatikansprecher P. Federico Lombardi. Auch KATH.NET war bei dem Treffen dabei. Ein Bericht von Linda Noé.

Wien (www.kath.net/ln)
Am Mittwochabend lud der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, zum traditionellen Medienempfang ins Erzbischöfliche Palais. Mit dabei war ein Gast aus Rom: Vatikansprecher P. Federico Lombardi. Der Innenhof des Palais war gefüllt von dutzenden Journalisten, die dem Kardinal bei seiner Begrüßungsansprache aufmerksam zuhörten und sich von seiner tiefen Freude am kommenden Papstbesuch spürbar mitreißen ließen.

Nach einer Ansprache von Kardinal Christoph Schönborn – Auszüge siehe unten – erzählte P. Lombardi den Journalisten von verschiedenen Situationen aus seinem Arbeitsbereich, die ihn persönlich sehr berührt hatten. Als Beispiel nannte er die zahlreichen Anfragen von Medien aus der ganzen Welt, die nach dem Terroranschlag 2001 auf das Word Trade Center Bilder des Papstes im Gebet veröffentlichen wollten.

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Auch die immense mediale Anteilnahme am Tod von Johannes Paul II. im April 2005 habe ihn sehr beeindruckt. P. Lombardi begrüßte die anwesenden Gäste als „Freunde“ und betonte, er fühle sich hier in Wien „sehr wohl und angenommen“. Papst Benedikt XVI. sei sich sehr bewusst, dass er die Kommunikation und die Medien brauche, merkte der Vatikansprecher an. Er erzählte eine Anekdote von Johannes Paul II., der einmal seine große Freude darüber geäußert hatte, dass er via Fernsehen in Rom mit den Menschen in Krakau reden konnte.

KATH.NET dokumentiert Auszüge aus der Ansprache von Kardinal Christoph Schönborn beim Medienempfang im Wortlaut:

„… Ich konnte einmal in meiner Jugend Pater Pio erleben, das hat sich in mein ganzes Leben eingeprägt. Millionen Menschen pilgern heute jedes Jahr zum Pater Pio. Niemand hat es ihnen angeschafft, niemand nötigt sie dazu. Sie tun das- warum? Warum pilgern zigtausende, Millionen Menschen im Jahr zum ,Santo’ nach Padua? Was ist das? Was ist das Geheimnis der Anziehungskraft der - soll ich jetzt sagen ,Religion’, das ist viel zu abstrakt - des Christentums… Das ist immer noch zu abstrakt. Was ist das Geheimnis der Attraktion eines Antonius von Padua? Eines Pater Pio? Eines Johannes Paul II.? …

Das Geheimnis der Heiligkeit. Was ist das? Eine Flamme würde ich sagen, ein Feuer, das wärmt, das leuchtet, das anzieht. Die Ahnung, das Spüren, dass es Menschen gibt, die nicht von sich selber voll sind, sondern von Gott voll sind. Offensichtlich ist diese Attraktion der Heiligen, diese Anziehungskraft der Heiligen auch das tiefste Geheimnis warum diese Kirche nach 2000 Jahren lebendig ist.

Sicher nicht, weil sie so gut organisiert ist, das ist sie auch. Ich glaube, wir müssen uns durchaus nicht verstecken. Aber das eigentliche Geheimnis ist das Feuer der Heiligkeit, das anzieht und wie Hans Urs von Balthasar, der große Schweizer Theologe, gesagt hat: Es gibt eigentlich nur eine Evidenz des Christentums, das ist die Heiligkeit.

Papst Benedikt wird ‚Heiliger Vater‘ genannt. Er ist nicht heilig gesprochen, aber das ist auch das eigentliche Geheimnis der Attraktivität dieses Amtes. Er trägt in sich etwas, das größer ist als alle Organisation. Der Vatikan ist, glaube ich, ganz gut organisiert. Er ist eine mächtige, große Organisation. Der eigentliche Anziehungspunkt jedoch… Warum gehen Menschen auf den Petersplatz zum Angelus am Sonntag? 30.000 Menschen! Der Petersplatz ist jeden Sonntag voll! Was ist das? Das ist dieser Mann im weißen Gewand, der der Nachfolger des Petrus ist, und wie wir uns vielleicht eine Zeit lang zu wenig getraut haben zu sagen – er ist der Vicarius Christi! Oder wie die berühmte Caterina von Siena, die große mutige Frau im Mittelalter, gesagt hat: ‚Il dolce Christo de la terra‘ - ,der süße Christus auf Erden’.

Das ist das eigentlich Faszinierende. Sie als Journalisten werden über vieles berichten, auch über vieles, was sich am Rande abspielt. Das gehört sozusagen zur Staffage eines großen Ereignisses. Das Spannende jedoch ist, dass dieser Mann, den ich seit 34 Jahren kenne, dessen Schüler ich war, mit dem ich viel zu tun hatte, eben jetzt nicht einfach nur der Professor Ratzinger ist, sondern Petrus. Das ist ein faszinierendes Geheimnis. Ich denke, wir stehen alle bewusst oder unbewusst in dieser Faszination. Das macht diesen kommenden Besuch auch wirklich spannend und ich glaube auch schön.“

Foto: (c) kath.net; P. Lombardi mit zwei kath.net-Journalistinnen beim Medienempfang in Wien







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