21 Mai 2007, 10:02
Als Karl Barth demonstrativ eine Zigarre in einer Kirche rauchte
 
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Evangelische Kirchenvertreterin Käßmann gesteht kirchliche Fehler ein: Im Konfirmations-Unterricht wurde mehr über Drogen als über die Bibel gesprochen.

Hamburg (www.kath.net / idea)
Margot Käßmann, Spitzenrepräsentantin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers, hat Fehler und Einseitigkeiten der evangelischen Kirche in den vergangenen Jahrzehnten eingeräumt.

Es habe eine Zeit gegeben, „in der wir uns so stark gesellschaftspolitisch engagiert haben, dass nicht mehr erkennbar war, warum wir dies tun, wie dies mit unserem Glauben zusammenhängt“, sagte die Vertreterin der größten Landeskirche in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (Hamburg).

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Im Konfirmandenunterricht habe man mehr über Sekten und Drogen gesprochen als über die Bibel. Käßmann plädierte für ein klares geistliches Profil kirchlicher Einrichtungen: „Wir können in evangelischen Kindertagesstätten nicht nur fröhliche Herbstlieder singen, sondern wir müssen die biblischen Geschichten wieder erzählen.“

Viele Kinder wüssten nicht mehr, was Gebet sei und Eltern fragten: „Wie kann ich überhaupt mit meinem Kind beten?“ Es sei auch ein Fehler gewesen, Kirchen zu bauen, die nicht mehr wie Kirchen ausgesehen hätten. Käßmann: „Wir nannten sie Gemeindezentren.“

Karl Barth paffte in der Kirche – „falsches Zeichen“

Der evangelische Theologe Karl Barth (1886-1968) habe demonstrativ eine Zigarre in einer Kirche geraucht, um zu zeigen, dass es keine heiligen Räume gebe. Das sei ein „falsches Zeichen“ gewesen, so die Bischöfin.

Nach ihren Worten gibt es heute ein Bedürfnis nach Einkehr, Spiritualität und Besinnung. „Fromm“ sei kein negativer Begriff mehr. „Ich finde, du musst schon anständig fromm sein, um als Christ und Christin in der Welt zu stehen.“

Käßmann wurde auch zu ihrer Scheidung befragt, die sie nach 26-jähriger Ehe eingereicht hat. Zur Frage, ob dies zur neuen Normalität gehöre sagte sie: „Normalität kann das nicht sein, weil wir als evangelische Kirche die Ehe zwar nicht für ein Sakrament, aber für eine wichtige Institution, ja ein Leitbild halten.“ Aber Menschen könnten scheitern: „Das habe ich nun sehr bitter selbst erfahren müssen.“

Foto: (c) Evangelische Landeskirche

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