Zustimmung bei Evangelikalen und Juden
Washington (kath.net/idea)
Die Hinrichtung des 33jährigen Massenmörders Timothy McVeigh findet die Zustimmung von einigen religiöser Repräsentanten in den USA. Der Attentäter von Oklahoma City – sein Bombenanschlag 1995 kostete 168 Menschen das Leben – war am 11. Juni mit einer Giftspritze hingerichtet worden. Nach Ansicht des Leiters des Missionswerks ”Prison Fellowship”, Chuck Colson (Washington), erfordern extreme Verbrechen extreme Strafen. ”Wenn es jemals einen Fall gegeben hat, in dem die Todesstrafe verdient war, dann ist es der Fall von Timothy McVeigh.” Colson bekennt, die meiste Zeit seines Lebens ein Gegner der Todesstrafe gewesen zu sein, weil es in jedem Rechtssystem zu falschen Urteilen kommen könne und weil diese Strafe verschiedenen Studien zufolge keine abschreckende Wirkung auf andere Verbrecher habe.
Andererseits gehöre es zur Würde des Menschen, daß er für seine Taten verantwortlich sei und im Falle eines schweren Verbrechens die Konsequenz – bis hin zur Todesstrafe – tragen müsse. Das sei durchaus im Sinne der Bibel. Für das Verbrechen McVeighs gebe es ”absolut keine Entschuldigung”. Auch der Leiter der Billy-Graham-Gesellschaft, Franklin Graham (Boone/North Carolina), sieht die Hinrichtung McVeighs im Einklang mit dem christlichen Glauben. ”Ich glaube, die Bibel sagt in Fällen wie diesem sehr deutlich, wie wir die zu behandeln haben, die andere ermorden.” McVeigh habe nicht einmal Anzeichen von Reue gezeigt.
Katholischer Bischof: Hinrichtungen heute nicht mehr zu rechtfertigen
Der katholische Erzbischof von Indianapolis, Daniel M. Buechlein, hält dagegen, daß eine vernünftige Analyse der Todesstrafe sehr schwer sei angesichts der Emotionen, die das Verbrechen des Attentäters auslöse. Katholiken stellten das Recht des Staates, Schwerverbrecher hinzurichten, nicht in Frage. Dennoch lehne man die Todesstrafe ab, weil sie unter den Gegebenheiten einer modernen Welt nicht mehr zu rechtfertigen sei. Auch die US-Bischofskonferenz hat sich wiederholt gegen die Todesstrafe ausgesprochen.
Der prominente jüdische Radioprediger Dennis Prager (Los Angeles) fragt, worauf die wachsende Opposition unter religiösen Amerikanern gegen die Todesstrafe zurückzuführen sei. ”Ein Hauptgrund ist, daß dank des Einflusses von Universitäten und Massenmedien säkulare Werte religiöse Werte beeinflussen – und nicht umgekehrt.” Eine Rolle spiele aber auch die falsche Übersetzung des Fünften Gebotes. Im hebräischen Original heiße es nicht ”Du sollst nicht töten”, sondern ”Du sollst nicht morden”. Das Recht einer Gesellschaft, Mördern das Leben zu nehmen, sei von der Masse der Juden immer akzeptiert gewesen. ”Mörder zu töten ist das einzige Gesetz, das in allen fünf Büchern Mose wiederholt wird”, so Prager. Der jüngsten Meinungsumfrage des Gallup-Instituts zufolge befürworten 67 Prozent aller Amerikaner die Todesstrafe für Mörder. Im Mai 1995, wenige Tage nach dem Blutbad von Oklahoma, waren es sogar 77 Prozent.
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