21 November 2006, 09:28
,Bibel in gerechter Sprache’ ist ,weder richtig noch gerecht’
 
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Konfus und unbrauchbar sei die "Bibel in gerechter Sprache", meint der Schweizer Theologe Ingolf U. Dalferth.

Zürich (www.kath.net) Der Zürcher Theologe Ingolf U. Dalferth hat in einem Beitrag für die „Neue Zürcher Zeitung“ die „Bibel in gerechter Sprache“ heftig kritisiert. Zum ursprünglich geplanten Veröffentlichungsdatum am Reformationsfest, 31. Oktober, meinte Dalferth, die Übersetzergruppe habe versucht, „an das Renommee reformatorischer Übersetzungen wie der Lutherbibel oder der Zürcher Bibel anzuknüpfen. Doch von deren Niveau ist diese Neuübersetzung Lichtjahre entfernt.“

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Luther sei es um „dies Buch“ gegangen, „und nicht seine Übersetzung in ein bestimmtes Idiom“, betonte der Theologe, der systematische Theologie, Symbolik und Religionsphilosophie an der Universität Zürich lehrt.

Hermeneutische Triebkraft dieser Übersetzung seien „nicht die exegetischen, historischen und theologischen Fragen nach dem Eigensinn der biblischen Texte und dem Gehalt ihrer Botschaft, sondern die Bemühung, den Impulsen der Befreiungstheologie, der feministischen Theologie und des jüdisch-christlichen Dialogs gerecht zu werden“.

Keine brauchbaren Übersetzungsprinzipien

Dies seien jedoch „keine philologisch brauchbaren Übersetzungsprinzipien“, kommentierte der Theologe. „Kein Text der Bibel wurde in der Absicht verfasst, geschlechtergerecht, antidiskriminatorisch und frei von Antijudaismus zu sein.“ Sein Hauptkritikpunkt: Der Bibel werde in dieser Übersetzung „ein einheitliches Thema unterstellt, aus dem man Kriterien für eine Übersetzung in ,gerechter Sprache’ ableitet“.

Als Beispiele nannte der Theologe die geschlechtergerechte Erweiterung der Texte. „Ohne Rücksicht auf historische Realitäten gibt es jetzt ,Hirten und Hirtinnen’, ,Verwalter und Verwalterinnen’, ,Pharisäerinnen und Pharisäer’, ,Zöllnerinnen und Zöllner’.“ Das Liebesgebot laute nicht mehr, „seinen Nächsten zu lieben, sondern seine Nächste und seinen Nächsten“. Hier werde „der geschlechtergerechte Antidiskriminierungswunsch der Vater der Übersetzung - und diese entsprechend historisch irreführend und philologisch unzuverlässig“.

Sachliche Differenzen verharmlosen

Der Tiefpunkt dieser Übersetzung sei „ihre durchgehende Tendenz, sachliche Differenzen innerhalb der Bibel zu verharmlosen und theologische Entwicklungen aus ideologischen Gründen zu verdunkeln“. Insgesamt beurteilte Dalferth die Übersetzung als „nicht textgerecht und richtig, sondern schlicht schlecht, falsch und nichtig“.

Der Umgang mit den Texten habe „alle Züge einer schwärmerischen Ideologie“. Die Übersetzung sei nicht nur „hermeneutisch einseitig, sondern an vielen Stellen philologisch unzuverlässig, historisch irreführend und theologisch konfus. Philologisch, historisch und theologisch ist diese Übersetzung unbrauchbar.“

Dalferth: „Dass weite Kreise der evangelischen Kirche und akademischen Theologie diese Neuübersetzung unterstützt und begleitet haben, ohne sich daran erkennbar zu stoßen, wirft ein trauriges Licht auf den Zustand der protestantischen Theologie.“

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