20 November 2006, 11:50
Grazer Bischof warnt vor ,Fundamentalismus-Keule’
 
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Dieses Wort werde heute oft sehr leichtfertig "als eine Keule gegen religiöse Menschen verwendet, die ihren Glauben ernst nehmen", sagte der Grazer Diözesanbischof.

Klagenfurt (www.kath.net) Vor einem leichtfertigen Umgang mit dem Begriff „Fundamentalismus“ hat der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari gewarnt. Dieses Wort werde heute oft sehr leichtfertig „als eine Keule gegen religiöse Menschen verwendet, die ihren Glauben ernst nehmen“, stellte Kapellari in einem Vortrag im katholischen Bildungshaus „Sodalitas“ in Tainach/Tinje in Kärnten fest.

Es gebe aber einen Qualitätsunterschied zwischen „fundamental“ und „fundamentalistisch“, der nicht nivelliert werden dürfe. „Fundamentalismus“ dürfe kein Wort für alles ernsthaft Geglaubte und Getane sein, das jemandem aus verschiedensten Gründen nicht sympathisch ist.

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Entscheidend sei, ob Fundamentalismen „zu Hass und physischer Gewaltanwendung gegen Andersgläubige aufrufen“ oder ob in ihrem Verständnis von Gesellschaft und Staat ein demokratischer Pluralismus und die Freiheit kritischer Vernunft inkludiert sind, so Kapellari.

Papst Benedikt XVI. habe in seiner Regensburger Universitätsrede das Problem der Gewalt umfassend und deutlich angesprochen. Adressat dieser Rede sei nicht nur die islamische Welt gewesen, wo das Problem der religiös begründeten Gewalt noch weitgehend tabuisiert sei, sondern „auch das Christentum“, erklärte Kapellari.

Wenn man die Rede des Papstes und auch seine anschließenden Klarstellungen liest, so werde man Udo Steinbach, dem Leiter des Hamburger Orient-Instituts zustimmen, der die Regensburger Rede eine „Steilvorlage an islamische Theologen“ nannte, „ihrerseits zum Verhältnis von Gewalt und Religion Stellung zu nehmen und die behauptete Friedfertigkeit des Islam zu untermauern“.

Wie Bischof Kapellari in seinem Vortrag sagte, seien Fundamentalismen ein negatives „Nebenprodukt“ der westlichen Zivilisation. Sie wurzelten darin, dass der moderne Pluralismus weitgehend auch Orientierung erschwere. Der einzelne Mensch sei verunsichert, und traditionelle familiäre, berufliche und religiöse Bindungen würden aufgelöst.

Damit, dass sich die westliche Zivilisation mit ihren technischen Strukturen und menschlichen Verhaltensweisen universell durchgesetzt habe, sei auch die Fundamentalismusproblematik „global“ geworden. Durchgängiges Motiv für Fundamentalismen sei der Wunsch nach „Sicherheit und Geborgenheit, welche die Moderne nicht vermitteln kann“.

In seinem Vortrag warnte Bischof Kapellari vor einer Leugnung der christlichen Wurzeln Europas. Wer die humane und kulturelle Prägung Europas durch das Christentum verschweigen wolle, der übersehe den „wesentlichen Beitrag, den das Christentum für den Wertehaushalt europäischer Gesellschaften nach wie vor im großen Maße leistet“.

Europa sei nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern auch eine kulturell-spirituelle Wertegemeinschaft und solle dies auch „bleiben, ja noch mehr werden“. Kapellari wandte sich gegen Befürchtungen mancher Verantwortlichen in Politik und Kultur, dass ein wachsender Einfluss der Kirchen, zumal der katholischen und der orthodoxen Kirche, eine demokratische und pluralistische Gesellschaft in Europa beeinträchtigen könnte.

Die christlichen Kirchen und Gemeinschaften in Europa hätten trotz mancher Erosionen des so genannten katholischen und christlichen Milieus „nach wie vor große Ressourcen an Spiritualität, Solidarität und Barmherzigkeit, die der ganzen Zivilgesellschaft hilfreich sind“. Europa habe daher allen Grund, „sein christliches Erbe nicht zu verschweigen und es nicht zu verdrängen“, erklärte der Grazer Diözesanbischof.

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