04 September 2006, 13:13
Evolution, Schöpfung und Vernunft
 
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Kardinal Schönborn berichtet vom Treffen von Papst Benedikt XVI. mit seinen früheren Schülern in Castelgandolfo.

Vatikan (www.kath.net / PEW) „Es war eine wichtige Begegnung auf höchstem akademischem Niveau“: So beschrieb Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag im Gespräch mit „Kathpress“ das jüngste Treffen von Papst Benedikt XVI. mit seinen früheren Schülern in Castelgandolfo.

Inhaltlich stand das Verhältnis von Evolutionstheorie, Schöpfungstheologie und Vernunft im Mittelpunkt der Gespräche. Wie es bei den Begegnungen des „Schülerkreises“ Tradition ist, berichtete der einstige Lehrer seinen rund 40 Schülern auch über seine Aktivitäten, wobei Benedikt XVI. den Schwerpunkt auf die Frage des Friedens im Nahen Osten legte.

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Der „Schülerkreis“ trifft alljährlich seit 1979 zusammen, wobei jeweils ein theologisch-philosophisches Thema behandelt wird; dabei werden auch Referenten von außerhalb des „Schülerkreises“ eingeladen. Wie Kardinal Schönborn mitteilte, werden die Referate und die Diskussionen der Begegnung in Castelgandolfo in einem Dokumentationsband veröffentlicht, der im November zunächst auf Deutsch erscheinen wird.

Das Gesprächsklima in Castelgandolfo war „sehr gut und offen“, betonte der Wiener Erzbischof. Der Papst und die anderen Theologen hätten „dankbar und interessiert“ die Berichte über neueste Entwicklungen im Bereich der biologischen Forschung gehört.

Das Hauptreferat hielt der Wiener Chemiker und designierte Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Professor Peter Schuster. Die beiden Koreferate lieferten der Stuttgarter Philosoph Robert Spaemann und der Münchner Jesuit P. Paul Erbrich. Kardinal Schönborn leitete mit seinem Referat über „Glaube, Vernunft und Wissenschaft“ zur theologischen Auseinandersetzung über die Evolutionsdebatte weiter.

Der Wiener Erzbischof hatte erst vor wenigen Tagen bei zwei großen Vorträgen in Rimini und in Alpbach Grundgedanken zu diesem Thema dargelegt. Dabei machte der Kardinal deutlich (wie in seinem Artikel in der „New York Times“ im Juli des Vorjahrs), dass es nicht um einen Konflikt zwischen Glaube und Wissenschaft geht, sondern um die Verteidigung der Vernunft gegen Ansprüche des „Evolutionismus“, der die Theorie Darwins ideologisch überhöht.

Ebenso klar betonte der Wiener Erzbischof, dass die katholische Kirche den „Kreationismus“ ablehnt, der von einer wörtlichen Interpretation des biblischen Schöpfungsberichts ausgeht. Kardinal Schönborn führte in Rimini und Alpbach Impulse des heutigen Papstes weiter, die dieser als Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation im November 1999 bei seinem Aufsehen erregenden Vortrag an der Sorbonne formuliert hatte.

Kardinal Ratzinger hatte damals darauf hingewiesen, dass die Evolutionstheorie immer mehr zu einer „allumfassenden Erklärung der Wirklichkeit“ geworden sei, eine Art „erste Philosophie“, die sozusagen die Basis für ein „aufgeklärtes“ Verständnis der Welt darstelle. Die zentrale Frage sei aber, ob Vernunft und Rationalität am Beginn aller Dinge stehen oder „Zufall und Notwendigkeit“, also Irrationalität. Das Christentum und seine Philosophie seien überzeugt, dass am Beginn aller Dinge „die schöpferische Kraft der Vernunft steht“.

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