12 August 2006, 10:50
Algerien: 10. Jahrestag von Mord an Bischof Claverie
 
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Ein Pionier des Dialoges mit dem Islam ist vor zehn Jahren umgebracht worden.

Oran (www.kath.net/RV)
Vor 10 Jahren - am 1. August 1996 - ist Bischof Pierre Claverie in Algerien ermordet worden. Der Anschlag hatte weltweit Betroffenheit, Trauer und Empörung ausgelöst. Claverie gilt als einer der großen Pioniere des Dialogs mit dem Islam. Claverie war 58 Jahre alt, als er gegen 22 Uhr Ortszeit auf dem Weg zum Bischofshaus durch ein Bombenattentat ums Leben kam.

Der Bischof von Oran hatte zuvor mit dem damaligen französischen Außenminister Herve de Charette im Trappistenkloster Tibehirine bei Medea an einer Gedenkveranstaltung für die sieben Mönche teilgenommen, die im Mai 1996 von der islamistischen Organisation GIA ermordet worden waren.

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Die algerische Presse wertete das Attentat damals als Versuch der radikalen Islamisten, die beginnende Entspannung in den französisch-algerischen Beziehungen zu torpedieren. Claverie - mit seiner Absage an allen Fanatismus und mit seinem Kampf für Menschenrechte und Freiheiten - sei das ideale Ziel für eine blutige Botschaft an Frankreich gewesen.

Claverie wurde im März 1938 in der algerischen Hauptstadt Algier geboren und verbrachte dort seine Kindheit und Jugend. Nach der Entscheidung, den Dominikanern beizutreten, ging er zu theologischen Studien nach Frankreich. 1969 wurde er zum Priester geweiht und kehrte in seine nordafrikanische Heimat zurück. 1981 schließlich wurde er zum Bischof von Oran ernannt.

Mit der zunehmenden Gewalt in Algerien wurden auch die Rufe des Bischofs zu Umkehr und Gewaltfreiheit immer eindringlicher. Das brachte ihn auch in Gefahr, meint sein Weggefährte und Freund, der in Kairo lebende Dominikanerpater Jean-Jacques Perennès:
„Pierre wusste, wie schwierig es ist, dem anderen zu begegnen, denn er hatte das in seinem eigenen Leben erfahren. In seiner Kindheit hatte er als Bewohner einer französischen Kolonie das arabische und muslimische Umfeld erlebt. Ihm war klar, dass es ein langer Weg ist, den wirklich kennen zu lernen. Als er dann als Priester und Ordensmann nach Algerien zurückkehrt, versucht er jede Anbiederung zu vermeiden - wenn man beispielsweise sagt, ‚wir seien alle Söhne Abrahams’. Er lehnte diese hohlen Phrasen ab. Er sagte, letztlich trennt uns ein Abgrund. Wir müssen einen weiten Weg zurücklegen, um uns aufrichtig wahrzunehmen.“

Claverie war sich also der Grenzen des Dialogs bewusst, sagte Perennès: „Er hatte ziemliche Vorbehalte gegenüber großen Tagungen, wo es leicht ist, einer Meinung zu sein. Er zog es vor, konkrete Projekte mit seinen muslimischen Partnern zu initiieren. Er sagte immer gerne. ‚Wir haben noch nicht die Worte für den Dialog, man muss Räume schaffen, damit dieser Dialog möglich wird.' Und für ihn waren das Orte des Dienstes für das Land, für die Menschen, Orte der Begegnung - und dadurch nähert man sich an und versteht sich besser.“

Wenige Wochen vor seinem Tod hatte Claverie sein Buch „Briefe und Botschaften aus Algerien“ veröffentlicht. Claverie kritisierte darin sowohl die Regierung als auch die Islamisten: „Man kann keine gerechte Sache mit schmutzigen Mitteln verteidigen“, schrieb er den Islamisten ins Stammbuch. Und der Regierung: „Es gibt keinen Frieden ohne Freiheit.“

Perennes sieht als bleibende Botschaft Claveries:
„Es ist der „Geschmack am Unterschied. Und ein Weiteres, was heute eine große Bedeutung für Algerien hat und vielleicht auch für andere Länder, ist die Heilung der Erinnerung! Algerien hat viele Verletzungen erlebt. Und wenn man eine Zukunft haben will, muss man den Mut haben, sich diese Vergangenheit anzuschauen und gemeinsam diese verletzte Erinnerung zu heilen. Das ist die große Botschaft, die Pierre auch an uns heute richtet. Und ich denke sehr an den Libanon, wo er oft war. Er hat bei Libanesen arabisch gelernt: Er wäre sehr unglücklich, wenn er sehen würde, was zur Zeit im Libanon passiert!“

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