08 August 2006, 14:46
Seit 35 Jahren Priesterausbildung in der Türkei untersagt
 
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Es bleibt weiterhin unklar, ob nach 35 Jahren die Schliessung des griechisch-orthodoxen Priesterseminars aufgehoben wird.

Frankfurt am Main (www.kath.net)
Als „heuchlerisch“ bezeichnen Menschenrechtler die ständigen Beteuerungen der türkischen Regierung, Christen in der Türkei gleich zu behandeln. Seit 35 Jahren sei das griechisch-orthodoxe Priesterseminar geschlossen und werde dem orthodoxen Patriarchat die Ausbildung von Priestern verwehrt, kritiserte die Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).

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Während hohe Vertreter der türkischen Regierung im Zuge der EU-Beitrittsverhandlungen jährlich die Gleichbehandlung der Christen beteuerten, sammelten Vertreter der rechtsgerichteten Organisation „Graue Wölfe“ nach eigenen Angaben 2,5 Millionen Unterschriften, um das Patriarchat aus Istanbul zu vertreiben.

Trotz der seit Jahren nachdrücklich vorgetragenen Forderung des EU-Ministerrates, die Priesterausbildung wiederzuzulassen, wurde keine Entscheidung gefällt. Angesichts des fortschreitenden Exodus der Christen in der Türkei fordert die IGFM von der türkischen Regierung, als Zeichen des guten Willens zur Achtung der Religionsfreiheit aller türkischen Bürger die Öffnung des Priesterseminars bis zum 3. Oktober 2006 – das wäre ein Jahr nach Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen - zuzustimmen.

Im Sommer 1971 – vor 35 Jahren – mußte das griechisch-orthodoxe Priesterseminar auf dem als „Prinzeninsel“ bekannten Eiland im Marmara-Meer aufgrund einer Entscheidung des türkischen Verfassungsgerichtshofs geschlossen und der Lehrbetrieb der 1844 gegründeten theologischen Fakultät eingestellt werden.

Die EU, deren Mitgliedschaft die Türkei anstrebt, verlangte mehrfach die Wiederöffnung des Priesterseminars und machte dies unter anderem in den Kopenhagener Kriterien zur Vorbedingung für die Aufnahme von Beitrittsgesprächen. Noch am 23. Januar 2006 forderte der EU-Ministerrat in einem Türkei-Dokument das Recht auf Ausbildung christlicher Geistlicher und bezog neben der Forderung nach Öffnung der griechisch-orthodoxen Priesterseminars auch die Öffnung des seit 1970 geschlossenen Seminars der armenischen Christen in Üskudar am Bosporus mit ein.

Angesichts der öffentlichen Äußerung des türkischen Unterrichtsminister Heseyin Cem im Jahre 2003, wonach es keinen Grund gebe, „sich einer theologischen Hochschule zu widersetzen, da es 24 theologische Fakultäten für Muslime in unserem Land gibt“, und der wiederholten Vertagung einer Entscheidung über die Wiedereröffnung, wirft die IGFM der türkischen Regierung Heuchelei und Täuschungsversuch vor.

Vor dem Hintergrund jüngster Angriffe auf christliche Pfarrer und der Unterschriftensammlung der „Grauen Wölfe“ mit dem eindeutigen Ziel der Vertreibung des griechisch-orthodoxen Patriarchats stellt die IGFM eine wachsende antichristliche Grundstimmung in der Türkei fest, der die Regierung sofort entgegentreten müsse. Dazu gehöre die Zulassung der Priesterausbildung, also die Öffnung der geschlossenen theologischen Anstalten. Ihre Forderungen will die IGFM durch eine Unterschriftensammlung unterstreichen.

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