01 Juli 2006, 09:23
Aus Todesangst: Massenhochzeiten in Osttimor
 
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Krise in Osttimor: Katholiken begrüßen den Rücktritt des Ministerpräsidenten.

Osttimor (www.kath.net/KIN)
Von Massenhochzeiten im krisengeschüttelten Osttimor berichtet Pater Ruedi Hofmann dem deutschen Zweig des internationalen katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" in München. "Die Leute haben aber immer noch große Angst", sagt Hofmann nach Angaben von "Kirche in Not". "Letzte Nacht hatten wir eine Rekordzahl von Flüchtlingen in unserem Haus. In etwa zehn Minuten wird in unserem Garten eine Kreuzwegprozession mit anschließender Messe stattfinden", teilte Hofmann am Freitagmittag mit. "Es haben sich bereits sehr viele Leute versammelt. Es wird immer noch jeden Tag viel gebetet. In unserer Pfarrkirche finden Massen-Hochzeiten statt, bis zu achtzig Paare zusammen!"

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Für die Massenhochzeiten gibt der aus der Schweiz stammende Jesuit zwei Gründe an: "Erstens ist jetzt eine Gelegenheit, bei der man, ohne sich schämen zu müssen, auf ein kostspieliges Fest verzichten kann, und zweitens haben viele Paare, die schon lange zusammenleben, Angst, sie könnten in einem Bürgerkrieg umkommen, ohne vorher die Sakramente zu empfangen."

"Seit dem 24. Mai wurden unsere kirchlichen Fernsehsendungen nicht mehr gezeigt", berichtet Pater Hofmann nach Angaben von "Kirche in Not" weiter, "und jetzt steht die Station ganz still. Wir hoffen jedoch, dass wir am 12. Juli wieder beginnen können." Die Kirche in Osttimor habe acht Programme zum Menschenrechtsbericht für die Jahre 1974 bis 1999 in Vorbereitung. "Wir glauben, dass es sehr wichtig ist, dass viele Leute diese Programme sehen, denn darin wird viel erklärt, was für die Einschätzung der gegenwärtigen Lage wichtig ist."

Der Bischof von Dili, Alberto Ricardo da Silva, habe den Rücktritt von Ministerpräsident Mari Alkatiri begrüßt. So denken nach Meinung Hofmanns auch die meisten Katholiken. Doch seien die Demonstranten, die den Rücktritt gefordert hatten, nicht nach Hause gegangen, sondern forderten jetzt auch die Auflösung des Parlaments. Noch schlimmer sei, dass weiterhin Häuser verbrannt würden. "Die Situation wird immer mehr zu einem Chaos", sagt Hofmann.

Für die Zeit nach den Unruhen hätten Osttimors Katholiken ein Projekt zur "Re-Evangelisation". "Wir müssen Wege finden, um mit der Botschaft des Evangeliums von der Nächstenliebe Opfer von Gewalttätigkeit, die jetzt von Rachegedanken geplagt werden, anzusprechen." "Zum Glück", sagt Hofmann, "haben unsere Mitarbeiter ihren Mut und ihren Arbeitseifer noch nicht verloren. Sie machen alle sehr gut mit. So bin auch ich zuversichtlich."

In Osttimor, dem nach den Philippinen zweiten katholischen Land Asiens, leben 930.000 Einwohner, davon 95 Prozent Katholiken. Der größte Teil von ihnen ist erst während der indonesischen Besatzung, 1976-1999, zur katholischen Kirche konvertiert.

"Kirche in Not" ruft zu Spenden für Osttimor auf Konto: 2152002, Ligabank München, BLZ 75090300

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