20 Juni 2006, 10:21
US-Anglikaner wählen erstmals eine Frau an die Spitze
 
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Die Wahl von Katharine Jefferts Schori trägt weiter zur Spaltung der anglikanischen Gemeinschaft bei: Sie unterstützt die Segnung schwuler und lesbischer Partnerschaften.

Columbus (www.kath.net / idea) Erstmals hat die anglikanische Episkopalkirche in den USA eine Frau an die Spitze gewählt. Die 52jährige Bischöfin von Nevada, Katharine Jefferts Schori, löst den Vorsitzenden Bischof Frank T. Griswold (New York) als obersten Repräsentanten der 2,2 Millionen Mitglieder zählenden Kirche ab.

Die knappe Wahl der liberalen Theologin, die der Homosexuellenbewegung nahesteht, hat nach Ansicht theologisch konservativer Anglikaner die 77 Millionen Mitglieder zählende Weltgemeinschaft noch einen Schritt weiter an den Abgrund einer Kirchenspaltung gebracht. Auf der Generalversammlung in Columbus (Bundesstaat Ohio) setzte sich Frau Schori am 18. Juni im fünften Wahlgang gegen sechs Kandidaten durch.

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Die verheiratete Meeresbiologin und Pilotin wurde erst 1994 ordiniert. Künftig ist sie die erste Frau an der Spitze einer anglikanischen Nationalkirche. Von den 38 „Provinzen“ haben nur drei das Bischofsamt für Frauen geöffnet: die USA, Kanada und Neuseeland. Frau Schori, die einer kleinen Diözese mit 6.000 Mitgliedern vorsteht, unterstützt die Segnung schwuler und lesbischer Partnerschaften.

Sie votierte vor drei Jahren für die Wahl des praktizierenden Homosexuellen Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire. Diese Wahl ist besonders bei den wachsenden anglikanischen Kirchen in der Dritten Welt auf scharfe Kritik gestoßen und hat eine Kirchenspaltung heraufbeschworen.

Dankgebet für Homo-, Bi- und Transsexuelle

Frau Schori bezeichnete die vor ihr liegende Aufgabe als ein „großes Abenteuer“. Sie werde alles tun, um auch auf ihre Kritiker zu hören. Sie begrüße, dass die Generalversammlung „Gerechtigkeit und Frieden“ zur Hauptaufgabe erklärt habe.

Die kirchliche Homosexuellen-Gruppe Integrity erklärte, man werde eng mit der Bischöfin zusammenarbeiten, um Schwule und Lesben völlig in die Kirche zu integrieren. Vor ihrer Wahl nahm Schori an einem von Integrity veranstalteten Abendmahlsgottesdienst teil, in dem Bischof Robinson vor etwa 1.000 Zuhörern predigte.

Im Gottesdienst wurde folgendes Gebet gesprochen: „Wir danken für alle Segnungen dieses Lebens, besonders für die lesbischen, schwulen, bisexuellen und transsexuellen Personen, die Du berufen hast, offen Zeugnis von der Fülle der Schöpfung nach Deinem Angesicht abzulegen.“

Zwei Religionen in einer Kirche

An einem Gottesdienst des konservativen Amerikanischen Anglikanischen Rats mit dem englischen Bischof von Rochester, Michael Mazir-Ali, nahmen rund 100 Personen teil. Für den gebürtigen Pakistani ist die Spaltung der anglikanischen Weltgemeinschaft unausweichlich. In der Kirche existierten „zwei Religionen“, sagte er der Londoner Tageszeitung Daily Telegraph.

Es stünden sich zwei nicht miteinander vereinbare Positionen gegenüber. „Die richtige Wahl ist die, die im Einklang mit der Bibel und den Lehren der Kirche über Jahrhunderte hinweg steht, aber nicht eine neumodische Religion, die wir erfunden haben, um dem 21. Jahrhundert gerechtzuwerden.“ Er sehe mit Sorge daß sich die anglikanische Kirche in Richtung des liberalen Protestantismus bewege, in der die Bibel immer unwichtiger werde.

Zusammenhalt wird schwieriger

Die Aufgabe des geistlichen Oberhaupts der Weltgemeinschaft, des Erzbischofs von Canterbury Rowan Williams, die Kirche zusammenzuhalten, wird aus Sicht konservativer Anglikaner immer schwieriger. Im Kreis der 38 Leiter der Kirchenprovinzen ist die neue Vorsitzende US-Bischöfin die einzige Frau. „Die Mehrheit von ihnen erkennt Bischöfinnen noch nicht einmal an“, bemerkte der Bischof von Fort Worth (Bundesstaat Texas), Jack Iker.

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