03 Oktober 2005, 11:43
Dietmar Fischer: ‚Man kann viel von den Linken lernen’
 
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Der österreichische HLI-Chef (Human Life International) zum "Wegweiserecht" gegen Pro-Life-Aktivisten in Wien: "Derzeit laufen vier bis fünf Verfahren gegen Polizeibeamte wegen unrechtmäßiger Amtshandlungen."

Wien (www.kath.net)
KATH.NET: Wie geht „Human Life International“ (HLI) mit dem „Wegweiserecht“ vor Abtreibungsanstalten um?

Dietmar Fischer: Zunächst muss ich gleich klarstellen, dass bereits die Formulierung „Wegweiserecht“ ein Schlagwort der Abtreibungspropagandisten ist, denn es gibt weder ein Recht auf Abtreibung noch ein Recht auf Wegweisung vor den Tötungskliniken. Die Hauptsponsorin des Abtreibungs-Kongresses im Herbst 2004 in Wien, SPÖ Stadträtin Wehsely, hat auf Wunsch des Chefs der europäischen Abtreiber dem Besitzer der Abtreibungsanstalt am Westbahnhof mit der Hausmacht der SPÖ in Wien am 29.April 2005 das Wiener Sicherheitsgesetz so verändert, dass Personen von der Polizei weg gewiesen werden können, die vor Abtreibungskliniken Frauen „nachdrücklich“ ansprechen oder ihnen nachdrücklich Embryonen-Modelle überreichen.

Da unsere freiwilligen Mitarbeiter auf der Straße den Frauen in Not nur höflich konkrete Hilfe anbieten und andere von ihnen beten, betrifft dieses sinnlose Gesetz eigentlich uns kaum. Alle unsere Mitarbeiter sind so geschult, dass sie auf keinen Fall irgendwelche Frauen in Not bedrängen. Das wäre ja auch ganz kontraproduktiv, denn dann würde man sie ja nur noch schneller in die Tötungsanstalt treiben. Es ist bis jetzt in keinem einzigen Fall zu einer rechtmäßigen Wegweisung gekommen, auch wenn die Abtreibungs-Propagandistin Wehsely mit solchen Falschmeldungen in die Medien gegangen ist. Es gab zwar Versuche vereinzelter Polizisten, unsere Beter aufgrund des Tragens von „Sandwichs“ weg zu weisen.

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Dagegen haben wir sofort Beschwerde bei der Kontrollinstanz der Polizei wegen „unrechtmäßigen Amtshandelns“ eingelegt. Derzeit laufen also vier bis fünf Verfahren gegen Polizeibeamte wegen unrechtmäßiger Amtshandlungen. Da das Ganze sowieso in erster Linie ein spiritueller Kampf ist, sind die Abtreiber und ihre politischen Mitarbeiter gegen unsere Vorgangsweise mit Gebet und Fasten im Grunde machtlos.

KATH.NET: Was sagt die Lebensschutzorganisation dazu, dass dieses Gesetz auch von vielen ÖVP-Abgeordneten im Wiener Gemeinderat mitbeschlossen wurde?

Dietmar Fischer: Leider fehlte vielen Abgeordneten der tiefere Einblick in die Zusammenhänge, sodass sie sich nur aufgrund von negativen und manipulierten Medienberichten über angebliche Bedrängungen von Frauen, die zu den Kliniken kommen, beeinflussen ließen. Hätten diese entsprechend ihres Parteiprogramms gehandelt, wäre das sicher nicht geschehen. Um so etwas in Zukunft zu verhindern, haben wir versucht, von innen her die Informationsbasis zu verbessern.

Gott sein Dank ist es gelungen, eine echte Pro-Life-Kandidatin bei der kommenden Wiener Landtagswahl auf die ÖVP-Liste zu bringen: Gudrun Kugler-Lang kandidiert jetzt am 18. Listenplatz der Landesliste der ÖVP. Wir werden sie mit einem Vorzugsstimmen-Wahlkampf unterstützen, sodass in Zukunft in der ÖVP und somit im ganzen Wiener Landtag das Thema Lebensschutz und christliche Familienpolitik einen besonderen Stellenwert einnehmen wird. Ich bin sehr hoffnungsvoll und vertraue natürlich besonders im Rosenkranzmonat Oktober auch auf die Macht des Gebetes.

Die Verheißung der Muttergottes von Fatima stimmt, dass man mit dem Rosenkranz jedes Problem lösen und sogar Kriege stoppen kann. Das haben wir mehrfach in unserem 15-jährigen Kampf für das Leben an vorderster Front erlebt. Schauen wir auf den weltweiten Gebetstag für das Leben, an dem durch die Fatima-Bewegung „die blaue Armee Mariens“ 100 Millionen Rosenkränze für das Leben gebetet wurden.

KATH.NET: Gibt es noch weitere politische Aktivitäten von HLI?

Dietmar Fischer: Wir haben derzeit auch in der Steiermark mobil gemacht und dort in den letzten Tagen all unsere Möglichkeiten ausgeschöpft und an über 13.000 Mitbürger in der Steiermark einen Gebetsaufruf und eine Wahlempfehlung für Waltraud Klasnic ausgesprochen. Klasnic ist für uns eine Lebensschützerin von Anfang an. Sie hätte selber im 5. Monat abgetrieben werden sollen. Der Arzt konnte ihre Mutter überzeugen, dass sie lieber das Kind zur Adoption freigeben soll. Im Rundbrief in der Steiermark haben wir ein Schreiben von Kardinal Ratzinger über das Verhalten der Katholiken in der Politik und den Hirtenbrief von Bischof Michael J. Sheridan vom 1. Mai 2004 veröffentlicht, wo steht, dass Christen, besonders Katholiken, in keinem Fall Politiker oder Parteien wählen dürfen, die in grundlegenden Dingen wie etwa Abtreibung gegen die christliche Lehre verstoßen.

Bereits bei den Vorarlberger Landtagswahlen im Herbst 2004 konnten wir durch unsere Mobilmachung zehn Tage vor den Wahlen eine Bewegung von ca. zehn Prozent der Wählerstimmen zugunsten von Landeshauptmann Sausgruber auslösen. Damals waren die Prognosen bei 44 Prozent für Sausgruber. Er gewann mit 54 Prozent, nachdem wir ca. 8000 Rundbriefe an Vorarlberger ausgeschickt haben. Das entsprach ca. zehn Prozent der Stimmen.

KATH.NET: In katholischen Kreisen wird seit vielen Monaten überlegt, eine eigene christliche Partei zu gründen. Wird HLI diese Partei unterstützen?

Dietmar Fischer: Das bringt nur Spaltung und schwächt das bürgerlich-konservative bzw. christliche Lager. Wir haben das in den Jahren 1990, 1994 und 1995 mit der Christlichen Wählergemeinschaft (CWG) in Vorarlberg selbst versucht, wo ich drei Mal Spitzenkandidat war. Wir sind durch unsere langjährige Erfahrung zum Schluss gekommen, dass man in der Politik Realist sein und einen Schritt nach dem anderen setzen muss. Man kann auch viel von den Linken lernen, wie sie ihr „Gift“ in den Organismus von großen Gruppen spritzen und so diese gewaltig beeinflussen oder lähmen, sodass sie eigentlich im Sinne der linken Ideologie tätig werden oder eben gelähmt sind.

Wenn die aktiven und gläubigen Christen nicht nur alles schlecht jammern würden, sondern eintreten statt austreten würden und entsprechend der Aufforderung im Lehrschreiben von Kardinal Ratzinger vom November 2002 sich in die Politik in den Grundfragen des Lebens und der Moral und Ethik einmischen würden, dann würde heute vieles besser sein.
Ja, wir brauchen in diesen Parteien betende und gläubige Christen, die sich von Werten leiten lassen und sich nicht von Meinungsumfragen und dem Mainstream irritieren lassen. Bei den kommenden Landtagswahlen wird sich zeigen, wie gut es uns möglich war, das christliche Lager zu mobilisieren.

KATH.NET: Was macht HLI sonst noch in Österreich und welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Dietmar Fischer: HLI ist vor allem in Wien, Graz, Salzburg und Hohenems mit Hilfsstellen aktiv. Kraftwerk für all unsere Arbeit sind fünf Anbetungskapellen, wo viele Beter unsere Arbeit durch ihr Opfer und ihre Hingabe großartig unterstützen. In den nächsten drei Wochen sind wir neben unserer alltäglichen Rettungsarbeit in den Lebenszentren und vor den Tötungsstätten vor allem im Wiener Wahlkampf zugunsten der christlichen Pro-Life-Kandidatin Gudrun Kugler-Lang engagiert.

Neben dem konkreten Hilfseinsatz für die bedrohten Kinder und Mütter in Not, wo auf diese Weise in nur acht Jahren inzwischen weit über 6000 Kinder gerettet werden konnten und über 1000 Frauen bei unserem Verein angestellt waren, ist für uns die Verbreitung der Wahrheit über den Wert und die Würde jedes einzelnen Menschen von Anfang an und über die verheerenden Folgen der Abtreibung (Post Abortion Syndrome) und Heilungsmöglichkeiten wichtig.

So haben wir im Jahre 2004 50.000 Myriam-Bücher verbreitet und heuer haben wir weiter 100.000 nachgedruckt, die bereits wieder zur Hälfte unters Volk gebracht wurden. Das sind bereits Dimensionen, die in Österreich nicht ohne Folgen bleiben. „Ora et labora“. Die Formel ist nicht nur das Leitwort von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, sondern hat auch für uns große Bedeutung, sodass wir beten, als ob alles von Gott abhinge und arbeiten, als ob alles von unserem Einsatz abhinge. Aber eben in der richtigen Reihenfolge: Zuerst Gebet und damit Gott und dann die Arbeit und der Einsatz für sein Reich.

Foto: (c) HLI

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