16 August 2005, 23:05
Taizé-Gründer Frére Roger bei Attentat getötet
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Ökumene'
Der Gründer der Gemeinschaft von Taizé ist von einer psychisch gestörten Frau getötet worden, teilte die Gemeinschaft mit.

Dijon (www.kath.net) Frère Roger, der 90-jährige Gründer der internationalen ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, wurde von einer psychisch gestörten Frau getötet, meldete AFP. Bei der Frau dürfte es sich um eine 36-jährige Rumänin handeln, gab die Polizei bekannt. Während des Abendgebets sei er gegen 20.30 Uhr mit einer Stichwaffe angegriffen und schwer verletzt worden, sagte ein Mitglied der Gemeinschaft am Dienstagabend. Trotz sofortiger Hilfeleistung sei Frère Roger seinen Verletzungen erlegen. "Wir sind schockiert. Hier waren alle sehr aufgeregt. Keiner hat verstanden, was passiert ist", sagte eine Schwester, die an dem Gebet in der Kirche teilgenommen hatte.

Werbung
benefizkonzert

Frère Roger wurde am 12. Mai 1915 als Roger Schutz-Marsauche in Provence in der Schweiz geboren. Sein Vater war ein reformierter Schweizer Pfarrer. Von 1937 bis 1940 studierte Schutz Theologie in Lausanne und Strassburg, im Jahr 1940 zog er nach Frankreich.

Im Jahr 1949 gründete er zusammen mit einigen Brüdern die Communauté von Taizé. Die ersten Brüder hatten evangelische Wurzeln, später kamen auch Katholiken dazu. Der Gemeinschaft gehören heute rund 100 Brüder aus 25 Nationen an, über ein Drittel von ihnen ist katholisch.

Papst Johannes Paul II. hatte Frère Roger und der von ihm gegründeten ökumenischen Gemeinschaft mehrfach seine Wertschätzung ausgedrückt. Der Papst besuchte im Oktober 1986 Taizé und bezeichnete es als „kleinen Frühling“. „Man kommt nach Taizé wie an den Rand einer Quelle. Der Reisende hält ein, löscht seinen Durst und setzt den Weg fort“, sagte er.

Johannes Paul II. empfing den Taizé-Gründer, der am 12. Mai seinen 90. Geburtstag feierte, jedes Jahr zur Privataudienz. Die Freundschaft zwischen den beiden begann bereits im Jahr 1962 beim Zweiten Vatikanischen Konzil. Karol Wojtyla, damals Erzbischof von Krakau, und Frère Roger beteten vor den Sitzungen morgens in einer Kapelle des Petersdoms und lernten sich dabei kennen. Die Brüder luden Wojtyla zum Essen in ihrer Wohnung in Rom ein.

Als Krakauer Erzbischof kam er 1964 und 1968 nach Taizé. Später war Frère Roger, ein gebürtiger Schweizer, mehrmals eingeladen, bei der jährlichen Wallfahrt der oberschlesischen Bergarbeiter zu sprechen. Kardinal Wojtyla, der die Wallfahrt leitete, lud die Brüder ein, in seinem Krakauer Bischofssitz zu übernachten. Nachdem er 1978 Papst geworden war, empfing er Frère Roger jährlich bis zum letzten Jahr in Privataudienz und im Jahr des Attentats 1981 zusätzlich auch im Krankenhaus.

In seinen Erinnerungen an den verstorbenen Papst Johannes Paul II. hält Frère Roger fest: „Der Papst empfing mich jedes Jahr in Privataudienz, und ich musste dann bisweilen an die leidvollen Prüfungen in seinem Leben denken: In seiner Kindheit hatte er die Mutter verloren, in seiner Jugend den Vater und den einzigen Bruder. Ich sagte mir: Suche nach einem Wort, das sein Herz erfreuen, ja trösten kann, erzähle ihm von den Hoffnungen, die wir bei vielen Jugendlichen vorfinden, versichere ihn des Vertrauens, das unsere Communauté ihm entgegenbringt.“

Weltjugendtag bestürzt über die Ermordung von Frere Roger

Der Generalsekretär des XX. Weltjugendtags, Prälat Heiner Koch, hat zur Ermordung von Frere Roger folgende Stellungnahme abgegeben: "Mit großer Bestürzung haben wir die Ermordung von Frere Roger, dem Gründer von Taize, vernommen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Weltjugendtags beten für diese große Persönlichkeit. Insbesondere drücken wir der Gemeinschaft von Taizé, im besonderen den Brüdern, die im Bonner Münster und in der Kölner Kirche St. Agnes das Geistliche Zentrum des Weltjugendtags gestalten, unser tiefes Beileid aus. Frere Roger ist der katholischen Kirche immer tief verbunden gewesen. Zuletzt waren wir alle froh und dankbar, dass er am Begräbnis von Papst Johannes Paul II. teilgenommen hat. Nun ist er beim Vater im Himmel angekommen. Die Trauer ist groß. Die Hoffnung auf die Auferstehung überwiegt."







kath.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.


Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben


 

meist kommentierte Artikel

DBK zu Eucharistieempfang in konfessionsverschiedenen Ehen (81)

Das Ärgernis der Vergeschichtlichung der Wahrheit (63)

Marx: „Von Segnung homosexueller Paare habe ich nicht gesprochen“ (62)

Kardinal Kasper: Franziskus ist ein prophetischer Papst (55)

Spadaro: Kirchenstrafe für katholischen Sender EWTN (54)

AFD kritisiert Ausgrenzung durch ZdK-Präsident (42)

Burger, Fürst widersprechen Marx: Keine Segnung für Homopaare! UPDATE! (34)

Humanae vitae aufweichen? (34)

Papst empfiehlt Priestern in Midlife-Crisis Buch von Anselm Grün (22)

"Die Zulassung zur Kommunion wird zur Regel werden" (22)

Viktor Orbán: "Das Christentum ist Europas letzte Hoffnung" (21)

„CDU braucht dringend inhaltliche und personelle Neuausrichtung“ (20)

Kirche – das sind die Freundinnen und Freunde Jesu (19)

Papst veranlasste Großspende an umstrittenes Krankenhaus (18)

Wegen Grippewelle: Kein Weihwasser, keinen Friedensgruß (17)