09 Juli 2005, 08:39
Ein typisch deutsches Trauerstück
 
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"Johannes Paul II. hatte eine großartige und erfolgreiche Idee. Die wollte man jetzt 'verdeutschen'. Und das ging natürlich gehörig daneben" - Ein Kommentar von Guido Horst / Die Tagespost zum Weltjugendtag in Köln.

Die Enttäuschung sei groß, heißt es in den deutschen Diözesen. Und selbst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" widmete gestern einen fast halbseitigen Artikel dem angeblich so traurigen Befund, dass weitaus weniger Jugendliche aus aller Welt zu den "Tagen der Begegnung" kommen werden, die in den einzelnen Bistümern vor dem eigentlichen Weltjugendtag mit Papst Benedikt in Köln stattfinden sollen. Frust in den Ordinariaten, Pfarrbüros und Gastfamilien. Betten bleiben leer, Veranstaltungen werden abgesagt oder kleingeschrumpft. Statt wie geplant 250 000 junge Leute kommen jetzt allenfalls 110 000, heißt es bei den Planern. Ein Debakel? Nein, ein typisch deutsches Trauerstück. Denn eines ist absolut sicher. Der Weltjugendtag mit dem Papst in Köln wird ein großartiges Ereignis. In Massen werden die Jugendlichen kommen, um mit Benedikt XVI. zusammenzutreffen. Vielleicht übersteigt die Besucherzahl die Millionengrenze. Es wird ein wunderbares Fest des Glaubens werden. Und die Medien werden wieder staunen, wieso die Kirche so jung und lebendig ist. In gewisser Weise wird auch Johannes Paul II. anwesend sein, zusammen mit seinem Nachfolger, dem deutschen Papst Benedikt XVI. Deswegen strömen die Jugendlichen zusammen. Deswegen so viel Begeisterung und Erlebniskraft. Aber wer hat denn geglaubt, dass es junge Brasilianer, Koreaner oder Franzosen sonderlich interessieren könnte, vor dem großen Ereignis des Weltjugendtags in Köln einen "Tag des sozialen Engagements" in Osnabrück, Freiburg oder Limburg zu verbringen? Ein paar werden sicherlich kommen - aber hat irgend jemand im Ernst gedacht, das sei ein "Brüller", mit dem man Massen anlockt? Die Jugend will den Papst sehen, mit dem Nachfolger Petri zusammenkommen. Ein Ziel, das seit Jahrhunderten Pilger motiviert, größte Anstrengungen auf sich zu nehmen. Eine klare katholische Sache. Aber auf etwas aufgesetzte Art und Weise belegte Brötchen in ein Asylantenheim zu tragen oder tauben Rentnern fremdländische Folklore vorzuklampfen - so ein Kunstprodukt soll Hunderttausenden eine Stange Geld wert sein? Oder hatten einige Planer vielleicht vermutet, die Gäste aus aller Welt kämen nicht nur, um den Papst zu sehen und mit ihm den Glauben zu feiern, sondern auch, um die Kirche in den deutschen Diözesen kennenzulernen? Ja aber wieso denn? Was gibt es denn da, was es woanders nicht schöner, intensiver und besser gibt? Johannes Paul II. hatte eine großartige und erfolgreiche Idee. Die wollte man jetzt "verdeutschen". Und das ging natürlich gehörig daneben.

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Guido Horst

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Foto: (c) kath.net

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