13 Juni 2005, 19:39
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"Der evangelische Gründer der Gemeinschaft von Taizé glaubt an die Eucharistie, wie das die Katholiken tun" - Ein Kommentar von Guido Horst / Die Tagespost

Wer nur auf Kirchentage schaut und dort das gemeinsame Abendmahl vermisst, wem "Dominus Iesus" noch in den Ohren klingt und wer endlich erleben möchte, dass konfessionsverschiedene Ehepaare zusammen die Kommunion empfangen - für den scheint es einen Stillstand, ja vielleicht sogar eine Eiszeit der Ökumene zu geben. In Wirklichkeit aber erlebt man derzeit eine ökumenisch "heiße Zeit". Denn es gibt nicht nur eine Ökumene der Schlagworte. Wenn "Kirche von unten" zur eucharistischen Gastfreundschaft aufruft, Katholiken und Protestanten bei Gottesdiensten der anderen Konfession den Empfang des Abendmahls oder der Eucharistie einfordern, dann hat das nichts mit Ökumene zu tun. Es sind Symptome einer Glaubenskrise, deren Auswirkungen von der Gedankenlosigkeit der einen bis zum offenen Ungehorsam der anderen reichen. Aber es gibt auch eine "Ökumene der Frommen".

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Und diese ist zu unterscheiden von der oft falsch verstandenen "Ökumene der Masse". Als Frère Roger Schütz beim Trauergottesdienst für Johannes Paul II. aus der Hand von Kardinal Ratzinger die Kommunion empfing, wussten beide, was sie tun. Der evangelische Gründer der Gemeinschaft von Taizé glaubt an die Eucharistie, wie das die Katholiken tun. Und Ratzinger wusste, dass der verstorbene Papst Frère Roger immer wieder zur Kommunion eingeladen hatte. Jemand hatte sich und seinen Glauben geprüft, ein anderer hatte gesagt: Komm, sei unser Gast. In dieser Selbstprüfung und Ausdrücklichkeit ist das etwas ganz anderes als das unüberlegte Strömen zum gemeinsamen Abendmahl, wo es vielen mehr um das Gefühl oder den triumphierenden Gestus kirchlichen Ungehorsams geht.

Papst Benedikt XVI. hätte nicht die Ökumene zu einer der vordringlichen Aufgaben seines Pontifikats erklärt, wenn er nicht entschlossen wäre, die "Ökumene der Frommen" entschieden voranzutreiben. Die spannende Frage ist: wie? Zu oft hat er als Kardinal erklärt, dass für die lateinische Kirche unverzichtbar ist, was für sie im ersten christlichen Jahrtausend bereits unverzichtbar war. Und als Papst sitzt er genau auf dem Stuhl, an dessen historischer Ausformung Protestanten wie Orthodoxe Anstoß nehmen - auch die frommen. Man darf also mit Spannung erwarten, wie das von Johannes Paul II. angestoßene Nachdenken über Natur und Ausgestaltung des Petrusdienstes unter Benedikt XVI. seinen Fortgang nimmt. Darüber wird dieser mit den "Frommen" der anderen Konfessionen sprechen, mit denen, die wissen, worum es geht. Das sind ökumenisch ganz spannende Zeiten.

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