
Linz (www.kath.net) Wer auf der offiziellen Website der Diözese Linz surft, um sich über katholische Liturgie zu informieren, für den stehen die Zeichen auf Sturm. Angeboten wird dort unter anderem eine „Liturgiebörse“ mit fraglichen Inhalten, die jetzt für große Aufregung bei Katholiken sorgt.
Die Börse wird von Pfarrer Arno Jungreithmair, Erwin Haslinger, Maria Haslinger und Johann Stockhammer betreut und will „den Austausch von liturgischen Impulsen“ fördern. „Damit sollen die vielen Liturgieengagierten landauf-landab in ihrer Arbeit unterstützt, ermutigt und in unterschiedlichster Weise angeregt werden. Die Impulse sollen einen gewissen Neuwert haben, d. h. sie sind nicht aus publizierten Unterlagen übernommen.“
Besonderen Anstoß erregt die Kategorie „Frauenpredigtunterlagen“. In einem „Predigthilfenbeitrag 33/04“ meinte die Linzer Pastoralassistentin Alexandra Freinthaler: „Gott ist die gute Hirtin aller Menschen, ihre Weisheit ist größer als die Weisheit aller Welt, niemand kann ihr die, die ihr in Liebe anvertraut sind, entreißen. Gott und ich, wir sind eins, in der Liebe, in unserer Hingabe, Leben für jeden Menschen dieser Welt zu spenden. Wir sind Feuer und Flamme für die Menschen, begleiten und beschützen sie, auf all ihren (Um-, Irr-, Krumm-,)Wegen. Im „Schlussgebet“ meint sie dann: „Möge die heilige Geistin, die dich am Morgen mit einen Kuss aufweckt und dir zur Seite steht, durch alle Höhen und Tiefen deines Lebens hindurch, dich segnen.“
Die göttliche Ruach …
Die Seelsorgerin Claudia Zethofer eröffnete den 1. Fastensonntag 2002 mit folgendem „Eröffnungsgebet“: „Wir beginnen diesen Gottesdienst. Im Namen der göttlichen Kraft, die all die Schönheit unserer Welt geschaffen hat. Im Namen Jesu Christi, der uns die Augen geöffnet hat, für die Liebe, die in uns und um uns ist. Im Namen des Heiligen Geistes – der göttlichen Ruach. Die uns verbindet und beieinander hält.“
Ein weiteres Projekt irritiert so manchen katholischen Gläubigen. Am 4. Februar 2005 soll der
überarbeitete Alternativleseplan „Frauenperikopen“ nach einer Testphase von drei
Jahren in 20 Pilotpfarren im Rahmen eines Studientages in der Diözese Linz präsentiert werden.
Werbung
Geschlechtergerechte Sprache und liturgisches Gewand
Die Seite „Frauenpredigtunterlagen“ wird von der Arbeitgruppe „Liturgiereform aus Frauensicht“ betreut. Diese setzt sich unter anderem aus Mitgliedern der diözesanen Frauenkommission zusammen. Sie bietet Workshops an wie „Von Schwestern, Jüngerinnen & Co.“. Ziel ist eine „geschlechtergerechte Sprache in der Liturgie“ und einen „sinnvollen Ort von Frauen im Gottesdienst (der Rolle entsprechend, liturgisches Gewand)“ zu finden.
Eigentliches Ziel: Gleichstellung der Frau
Hinter diesen liturgischen Phänomenen steht die Bestrebung der offiziellen diözesanen Frauenkommission, Frauen in der Kirche wieder „sichtbar“ zu machen. Projekte wie diese sollen die Frauenkommission offenbar näher an ihr eigentliches Ziel bringen, nämlich eine „tatsächliche Gleichstellung von Frauen“. Auf der Website heißt es dazu: „Diese institutionelle Verankerung ist eine besondere Herausforderung für die Kirchenleitung und für die Frauenkommission, weil sie mit dem Anspruch struktureller Veränderung und letztlich mit dem Ziel tatsächlicher Gleichstellung von Frauen verbunden ist.“
Man dürfe „nicht der falschen Annahme erliegen, dass positive Einzelerfahrungen, wie die Einrichtung einer Frauenkommission und die Bestellung einer Frauenbeauftragten, bereits strukturelles Unrecht im Zusammenhang mit der Geschlechterfrage beseitigen“. Als Unrecht wird unter anderem bezeichnet, dass Frauen in der römisch-katholischen Kirche nach wie vor ausgeschlossen vom Diakonat und Priesteramt sind und Erkenntnisse der Feministischen Theologie als nicht relevant abgetan würden.
Vatikan: Homilie ist Priester und Diakon vorbehalten
Klare Worte für derartige liturgische Phänomene fand die im Frühjahr 2004 veröffentlichte vatikanische Instruktion
„Redemptionis sacramentum“. Eine Laienpredigt kommt nicht in Frage, wird klargestellt. „Wie schon gesagt, ist die Homilie innerhalb der Messe wegen ihrer Bedeutung und Eigenart dem Priester oder Diakon vorbehalten“, heißt es in Kapitel 161.
Die neue Instruktion lasse sich als „Gewissens-Spiegel“ lesen, erläuterte der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn im April 2004. Sie sei eine „kritische Anfrage an alle Getauften in der Kirche, insbesondere aber an die Priester und Bischöfe. Ja, auch die Bischöfe sollen sich dieser Anfrage stellen, ob sie nicht da und dort ihre ‚Hausaufgaben’ vernachlässigt und ‚weg geschaut’ haben.“
Gläubige haben Recht darauf, dass Liturgie der Kirche gefeiert wird
Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofkonferenz unterstrich, dass die Gläubigen ein „Anrecht“ darauf hätten, „dass die Liturgie der Kirche gefeiert wird und nicht subjektives Empfinden die Oberhand gewinnt“. Die Instruktion habe „rechtlichen Charakter“; das spiegle sich auch in ihrer Sprache. „Notwendigerweise ist oft von ‚Missbräuchen’ die Rede, die es abzustellen gilt.“
Wie KATH.NET aus zuverlässiger Quelle erfahren hat, könnte sich demnächst auch die vatikanische Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung mit den liturgischen Auswüchsen in der Diözese Linz befassen. Die ersten Protestbriefe und Anfragen in dieser Causa sind bereits nach Rom abgeschickt worden. Das Thema dürfte auch in der nächsten Vollversammlung der Bischofskonferenz eine Rolle spielen. KATH.NET hat inzwischen Anfragen an mehrere österreichische Bischöfe gestellt und wird weiter berichten.
Heiße Diskussion: Systematischer Liturgieaufstand der Diözese Linz gegen Rom
Diözese Linz - Bischof Maximilian Aichern |