
Berlin (kath.net/idea)
Die Scientology-Organisation ist in Deutschland weitgehend erfolglos. Ihre Werbeaktionen hätten in den letzten Jahren nicht zu größerem Mitgliederzuwachs geführt, heißt es im Bericht des Bundesverfassungsschutz, den Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) am 17. Mai in Berlin vorlegte. Der größte Teil der zum Beispiel durch Flugblattaktionen gewonnenen Mitglieder habe Scientology bereits nach kurzer Zeit wieder verlassen. Nicht geändert hätten sich allerdings die anti-demokratischen Lehren: Scientology wirke weiter in verfassungsfeindlicher Art und Weise auf die politische Willensbildung ihrer Mitglieder ein, heißt es in dem Bericht. In Schulungen und Kursen, die nach Art eines gewinnorientierten Unternehmens gegen Entgelt angeboten würden, werde die Abschaffung der Demokratie zugunsten eines scientologischen Staatssystems propagiert. Darin hingen die Existenz des Einzelnen und dessen Grundrechte von der Willkür der Scientology-Organisation ab. In den vergangenen Jahren hatte Scientology mehrfach erfolglos gegen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz geklagt. Die Gruppe bezeichnet sich selbst als Religionsgemeinschaft. Die Zahl ihrer Mitglieder in Deutschland wird laut Verfassungsschutzbericht auf 5.000 bis 6.000 geschätzt; Scientology selbst gibt 30.000 an.
Unter anderem unterhält die Organisation hierzulande zehn „Kirchen“ und zehn „Missionen“
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Sektenexperten: Erfolglosigkeit ist Ergebnis gründlicher Information
Der Beauftragte für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Pfarrer Thomas Gandow (Berlin), führt die Erfolglosigkeit von Scientology zumeist auf die Informationsarbeit staatlicher wie kirchlicher Stellen zurück. „Die Deutschen wissen über Scientology mittlerweile recht gut Bescheid“, so Gandow gegenüber idea. Allerdings zeige die Erwähnung als verfassungsfeindliche Organisation auch das weiterbestehende Gefahrenpotential. Der Referent für Psychogruppen in der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Michael Utsch, bestätigte, daß die Zahl der Scientologen in Deutschland stagniere. Aber immer wieder seien Versuche zu beobachten, sich neue Zielgruppen zu erschließen. So habe die Organisation im vorigen Jahr das „Free Mind Magazin“, eine Lebenshilfe-Zeitschrift für junge Leute, auf den Markt gebracht. Darin werde unterschwellig Reklame für die Angebote der Organisation gemacht. |