
Zu den unbesiegbaren Legenden des vergangenen Jahrhunderts gehört die
Behauptung, das Zweite Vatikanische Konzil habe die überlieferte römische
Liturgie abgeschafft. Dabei kann sich der in der Geschichte einzigartige
liturgische Traditionsbruch der nachkonziliaren Ära auf das Konzil eben
gerade nicht berufen. Dort war nur eine "behutsame Durchsicht" der
liturgischen Bücher gefordert worden, keineswegs aber der tatsächlich
praktizierte Übergang von "einer gewachsenen zu einer gemachten Liturgie"
(Kardinal Ratzinger). Martin Mosebach hat der untergegangen römischen
Liturgie und der von Papst Paul VI. in einem autokratischen Akt gegen den
Rat vieler Bischöfe geschaffenen neuen Liturgie eine Reihe von Betrachtungen
gewidmet, die er zum Teil auch als Reden gehalten hat. Seine Verteidigung
der römischen Liturgie nach der "Reform" lebt aus der Einsicht der
Irreversibilität historischer Prozesse, aber auch aus der unvernünftigen
Hoffnung, das letzte Wort über den alten Ritus sei noch nicht gesprochen.
Stimmen zum Buch:
"Ein liturgiewissenschaftlich bedeutsame Buch" (www.stjosef.at)
Nun wäre es falsch, Mosebach als Traditionalisten abzutun oder ihn mit
dem Etikett des elitären Ästheten zu versehen. Zu viele Beobachtungen finden
sich in seinem Buch, an denen auch die Liturgiewissenschaft nur zu ihrem
eigenen Schaden vorbeigehen kann. So deckt Mosebach etwa bei der Änderung
der Zelebrationsrichtung einen Bruch zwischen Form und Gehalt auf: Das
Modell der neuen Liturgie sei «der Vorstandstisch bei einer Partei- oder
Vereinssammlung mit Mikrophon und Papieren». Wenn der Priester beim Gebet
die versammelte Gemeinde anschaue, werde verdunkelt, dass Gott der
eigentliche Adressat des Gebets sei. ...
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Weiter konstatiert Mosebach, dass heute bei herausgehobenen Augenblicken der
Liturgie, speziell der eucharistischen Wandlung, immer weniger gekniet
werde. Der historische Hinweis, das Knien sei eine mittelalterliche
Andachtsform, auch in der Kirche des ersten Jahrtausends habe man gestanden,
wird von ihm als taktischer Archäologismus enttarnt. Wer heute, nachdem man
jahrhundertelang gekniet habe, für die Rehabilitierung des Stehens eintrete,
wolle damit der Verehrung des eucharistischen Christus ein Ende bereiten.
...
Auch die vom Konzil nachdrücklich betonte «tätige Teilnehme aller Gläubigen»
bei der Liturgie wird von Mosebach kritisch beleuchtet. Wo dieser Grundsatz
als Freibrief für eine konsequente «Demokratisierung der Liturgie» genommen
wird, verdrängt nicht selten Umtriebigkeit das Gebet. Manche Liturgen machen
die Abweichung vom offiziellen Ritus zur Methode und verkennen dabei, dass
eine selbst fabrizierte Liturgie immer von der begrenzten Kreativität des
Liturgen abhängig ist. Durch die Verteilung möglichst vieler Rollen bei der
«Gestaltung» des Gottesdienstes kann es geradezu passieren, dass der, der
einen Gottesdienst besucht, um dem Heiligen zu begegnen, als Theaterkritiker
wieder herauskommt. Nicht ohne maliziösen Unterton fragt Mosebach, worin die
aktive Teilnahme der Jünger im Abendmahlssaal bestand, als diese sich die
Füsse waschen liessen. (Neue Zürcher Zeitung)
Mit Ausnahme des Philosophen Robert Spaemann hat bisher kein deutscher
Laie die innerkirchliche Schweigespirale in puncto römische Liturgie
eloquenter durchbrochen. ...
Der Charme des Buches beruht auf der differenzierten Sicht des Verfassers.
Sie hebt sich wohltuend vom traditionalistischen Mainstream ab. Dem Autor
liegen kirchenpolitische Ambitionen ebenso fern wie Sentimentalitäten. Die
in Traditionalis-tenkreisen heftig diskutierten Streitpunkte - etwa der
Akzeptanzgrad des Missale von 1970 - klammert er aus. Anders als nicht
wenige Anhänger der alten Liturgie vermeidet Mosebach es, angesichts der
innerkirchlichen Widerstände in törichte Larmoyanz zu verfallen. Im
Gegenteil: "Der Zusammenbruch der Liturgie in der offiziellen Kirche hat
auch etwas Gutes: Der Ritus ist jetzt wieder ein wirkliches Mysterium, in
dem Sinne, dass er, wie eigentlich auch vorgesehen, im Verborgenen gefeiert
wird." ...
Doch unter besonnenen Zeitgenossen und in der jungen Generation, die auf der
Suche nach den Schätzen der Kirche ist, wird das Buch ein Publikum finden.
Tot ist die römische Liturgie ja nie gewesen. (Die Tagespost)
Interview von der "Welt" mit Martin Mosebach
Martin Mosebach
Häresie der Formlosigkeit
Die römische Liturgie und ihr Feind
Broschiert, 157 Seiten
15,00 EUR
Karolinger Verlag
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