| 31. Juli 2010, 17:16 | Duisburg ist ein Ort der Trauer
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| Ökumenische Gedenkfeier für die 21 Toten der Loveparade. Von Johannes Schönwälder (KNA)

Duisburg (kath.net/KNA) Ein Schatten liegt über der Stadt Duisburg an diesem Samstagmorgen. Das liegt nicht am bewölkten Himmel allein. Betroffenheit steht geschrieben auf den Gesichtern der Bürger und derjenigen, die von überall her gekommen sind, um zusammen ihrer Trauer in der Stadt des Loveparade-Unglücks Ausdruck zu geben. Vor genau einer Woche kamen hier 21 Menschen ums Leben.
Sicherheits- und Rettungskräfte aus ganz Nordrhein-Westfalen haben sich an allen Plätzen und Kreuzungen in der Innenstadt platziert. Mehrere hundert Menschen strömen ins Stadion, wohin die zentrale ökumenische Trauerfeier aus der Salvatorkirche auf Großleinwand übertragen wird. Ein großes schwarzes Kreuz ist am Mittelkreis ausgelegt. Andere versammeln sich in Kirchen und auf öffentlichen Plätzen. Sie weinen und liegen sich in den Armen. Es scheint, als ob ganz Duisburg an diesem Tag ein Ort der Trauer ist.
In der Innenstadtkirche haben derweil die Angehörigen und Freunde der Opfer, Mitarbeiter der Rettungsdienste, der Polizei und Notfallseelsorger Platz genommen. Gekommen sind auch Bundespräsident Christian Wulff, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und weitere Bundes- und Landtagsmitglieder. Das Kirchenlied «Aus der Tiefe rufe ich zu Dir: Herr, höre meine Klagen» soll am Beginn gesungen werden. Vielen bricht schon jetzt die Stimme. Sie heften stumm ihre Blicke auf die kleine Gruppe, die das Licht der unzähligen Kerzen aus dem Unglückstunnel am Loveparade-Gelände und das Kondolenzbuch an den Altar tragen.
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«Wir alle ringen um Fassung und suchen nach Trost, nach Verstehen und Verständnis», sagt der Präses der rheinischen Landeskirche, Nikolaus Schneider. Das Vertrauen in Gottes Gerechtigkeit und Liebe habe Risse bekommen. In überbordende Lebensfreude hinein habe der Tod am vergangenen Samstag «sein schreckliches Gesicht gezeigt». Ihr Gottvertrauen sollten die Trauernden dennoch nicht aufgeben. «Stärker als der Tod ist die Liebe.» Und das Leben, das Gott den Menschen geschenkt habe, sei stärker als der Tod.
Er glaube, dass auch das Leid dieser Stunde heilen könne, ist sich auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sicher. Gott habe uns nicht bewahrt vor diesem Leid. Er gebe auch keine Antworten auf viele unserer Fragen. «Und doch heilt er und ist da - für die Toten, für die Verletzten, für die Trauernden, für die Fragenden und auch für diejenigen, die sich der Verantwortung stellen müssen.»
Ein intensiver Moment des Innehaltens folgt. Nacheinander wird für jedes der 21 Opfer eine Kerze entzündet und auf den Tisch am Altar zu der großen Kerze und dem Buch mit den Trauerbotschaften gestellt. Danach treten Menschen, die am vergangenen Samstag am Loveparade-Gelände geholfen haben, Tote zu bergen und Verletzte zu retten, für die Fürbitten ans Mikrofon. Gebetet wird für die Angehörigen und Opfer, für die Retter und Seelsorger, aber auch für diejenigen, «die nicht so helfen konnten, wie sie es gerne getan hätten». Die letzte Fürbitte gilt jenen, die Verantwortung tragen. «Lass diejenigen, die an Schuld zu zerbrechen drohen, deine Barmherzigkeit erfahren.»
Nach dem Schlusssegen tritt die Ministerpräsidentin nach vorn. Als einzige Vertreterin der Politik spricht sie an diesem Ort. Ihr kurzes Statement wird überraschenderweise zum emotionalsten Moment der Feier. Für Trost sei es vielleicht für einige der Hinterbliebenen zu früh. «Wir stehen in dieser Stunde an Ihrer Seite», sagte sie mit stockender Stimme und Tränen in den Augen an die Familien gewandt. Sie könne nachempfinden, was Eltern, Geschwister und Freunde durchlitten hätten. In dem Moment ist die Politikerin ganz Mutter.
Draußen drängen derweil Tausende zum Hauptbahnhof. Hier startet ein Trauermarsch zum Unglücksort im Tunnel. Der aber soll nach Angaben der Polizei gesperrt bleiben. Sie müssen umdrehen angesichts der unzähligen Kerzen und Transparente. Auf einem steht «Hier werdet Ihr immer bei uns sein». Trauer braucht einen Ort.
(C) 2010 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten. |
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Lesermeinung
| | GvdBasis am 2.8.2010 | 
 | Zur Bestätigung ... dessen, was Claudia Cäcilie verdeutlichte:
zum Beispiel der Trauergottesdienst in Spanien: weiter » | | |
| | Claudia Caecilia am 2.8.2010 | 
 | Irrtum @Dismas und studiosus
Haben Sie nicht gelesen was Antonius10 geschrieben hat?
Der ökumenische Gottesdienst ersetzt natürlich nicht das Requiem. Sie, studiosus, müssen also nicht befürchten "unchristlich verscharrt" zu werden, falls Sie das Opfer eines Unfalls würden.
Auch Ihre Sorge, daß Sie bei einem solchen Gottesdienst dabei sein müssten, kann ich Ihnen nehmen - die Leichen sind normalerweise dort nicht aufgebahrt und anwesend.
Wo liegt Ihr Problem? Glauben Sie, daß Sie so nicht in den Himmel aufgenommen werden?
Wie klein denken Sie von unserem Gott!
Noch einmal: Der ökumenische Gottesdienst ist zusätzlich und nicht statt des für uns Katholiken nicht zu ersetzenden Requiems. | | |
 | Dismas am 2.8.2010 | 
 | Ausdrücklich: @ studiosus herzlichen Dank für Ihre Statements!! Ich stimme Ihnen voll zu!! | | |
 | Dismas am 2.8.2010 | 
 | Wem dient die "Ökumenische Traurefeier"?? Es ist einfach ungerecht den ums Leben gekommenen die Gnaden eines Requiems vorzuenthalten. Sicher man kann immer zusammen beten. Aber eine Hl.Messe ist durch NICHTS zu ersetzen.Iich würde nicht zu so einer Feier eines anscheind neuen "Staatskultes" teilnehmen!! Es stimmt, diese "ökumneischen" Feier nehmen bei Katastrophen überhand, ich lehne sie aud o.a. Gründen ab! | | |
| | Apfelkuchen am 2.8.2010 | 
 | scheint man ausnahmsweise einen Moment innezuhalten Die Tragödie bietet immer auch eine Chance zu Besinnung und Umkehr, eine Art Katharsis.
Wer dem Tod gerade mal so noch einmal von der Schippe gesprungen ist,wer seinen kalten Hauch im Genick gespürt,der weiss jetzt ganz bestimmt,was er an seinem Leben hat. | | |
| | Regina1964 am 2.8.2010 | 
 | @"studiosus": Kath. wird durch Ökumene verdrängt Ich muss mir immer das Gejammere anhören, dass nach wie vor Geschiedene nicht zur Kommunion zugelassen werden. Und dass sich in der Ökumene generell nichts getan hat. Wenn die kath. Kirche sich "so" verhalten würde in Bezug auf ökumenischen Gottesdienst bei Katastrophen der Hauptverantwortliche sein zu wollen, würde sie sich meiner Meinung nach selbstredend ins Abseits drängen. Man kann nicht so tun, als gebe es in Deutschland nicht die beiden großen christlichen Konfessionen. | | |
| | Regina1964 am 2.8.2010 | 
 | @"studiosus": "Ich bin immerhin noch so viel Katholik", als dass ich mich für mein Engagement (11.07.2010)/weitere werden folgen) für Papst Benedikt XVI. von meiner Familie und von Arbeitskollegen/kolleginnen anfeinden lasse und mich davon nicht abschrecken lassen werde, obwohl es an den Grenzen des Erträglichen geht. Aber etwas in mir sagt mir, dass ich da nicht weg gucken kann, wie man das Lebenswerk von Papst Benedikt XVI. und ihn selbst als Menschen auf eine unerträgliche Weise demütigt, wie es noch nie da gewesen ist. | | |
 | studiosus am 1.8.2010 | 
 | in cumulo also zunaechst einmal geht es nicht darum was Kritik hervorruft und was nicht, sondern darum was wahr und theologisch korrekt ist und was nicht. Nichts ist gut oder schlecht weil es die Mehrheit will oder weil es Kritik hervorruft.
wegen dem Weichenmuessen:
Faellt euch denn nicht auf, dass das Zentrum des Katholischen ins Abseits und ins Private gedraengt wird, waehrend die oekumenische Trauerfeier ins Zentrum gerueckt wird?
Das geschieht freilich mit scheinfrommen Argumenten - man will ja keinen Widerstand...aber genauso war das doch mit dem Tabernakel den man nicht mehr im Zentrum wollte sondern in der Seitennische oder einer "Stele" - freilich sagt niemand "Das Allerheiligste wollen wir nicht mehr im Zentrum"; sondern es wird mit fromm anmutenden Argumenten begruendet!
Dasselbe auch hier: scheinfromme Argumente wollen das Zentrum dezentralisieren.
Wenn ich bedenke, dass ich bei einer Katastrophe umkaeme und dann ein oekumenischer Trauergottesdienst abgehalten wuerde, dann kaeme ich mir in meinem Glauben (ok, ich waere ja schon tot, aber es ist klar was ich meine) wirklich verhohnt vor: man tut in derr Oeffentlichkeit irgendwas damit das Gemuet der Menschen beruhigt wird, aber nicht das was meiner Seele hilft. Das ist anscheinend nebensaechlich, es geht den Lebenden nur um sich selbst.
Um mein eigenes Beispiel zu nehmen: in meinem Falle wuerde kein einziger meiner verwandten eine Messe lesen lassen. Und der Bischof haelt auch einen oekumenischen Trauergottesdienst anstatt ein Requeim. Na toll - danke!!! weil "alle" das Offizielle oekumensich wollen kaeme ich um mein Requiem.
Ich finde es wirklich erschreckend wie bereit sogar viele praktizierene Katholiken sind, sich das Wertvollste einfach so aus der Hand nehmen zu lassen! Man befuerwortet dass das offizielle requeim, wie es frueher war, das Herrenopfer selbst, durch ein oekumenisches Irgendwas ersetzt wird das sich irgendwie auf dem kleinsten gemeinsamen nenner trifft, theologisch vollkommen entleert ist und niemandem was hilft ausser dass alle das gefuehl haben: wir haben eh "gedacht". Vom Gedenken hat niemand was, und auch so ist es rein auf einem platten Subjektivismus aufbauend!
Man laesst sich dasoffizielle Requiem nehmen und durch eine oekumenische Veranstaltung ersetzen: sind wir noch bei Trost???
und auch wenn 10 katholische Geistliche "dabei" sind: darum geht es nicht, es gaht darum was die dort machen: und das ist nicht das Opfer darbringen!
und vielleicht will gar nicht jeder in einer oekumenischen veranstaltung mitgezogen werden?
Ich z.B. werde in mein Testament (das ich noch nicht gemacht habe) einmal dezidiert aufnehmen: im ungluecksfall will ich dezidiert aus einer oekumenischen Veranstaltung ausgenommen werden! | | |
| | Claudia Caecilia am 1.8.2010 | 
 | Bedenklich @studiosus
Bedenklich finde ich Ihren Kommentar.
Warum sollte bei Kathastrophen kein ökumenischer Gottesdienst abgehalten werden? Zumindest beten wir doch zu dem gleichen Dreifaltigen Gott:
Mit einer katholischen Messe würden doch die frommen Katholiken auch ihre Probleme haben, denn schließlich muß man dann ja wieder sortieren zwischen Würdigen und Unwürdigen.
Wie erbärmlich! | | |
| | Regina1964 am 1.8.2010 | 
 | Bedenklich finde ich eher ... dass die kath. Kirche besonders in Deutschland bereits seit Monaten einer Art Lynchjustiz ausgesetzt ist und im Angesicht einer solchen Katastrophe gehen die Menschen, herausgerissen aus ihrem bequemen und langweiligen Alltag, in Scharen zur Kirche. Dann ist es förmlich egal, wer vorne am Altar steht und die Messe hält bzw. scheint man ausnahmsweise einen Moment innezuhalten im Zuge der Hetze gegen die kath. Kirche und lauscht auf das Wort eines kath. Bischofs. | | |
| | Regina1964 am 1.8.2010 | 
 | @"ich": kath. Messe muss der Ökumene weichen ... Bei ökumenischen Gottesdiensten sind doch immer geistliche Autoritäten "beider" christl. Konfessionen anwesend. Daher sehe ich dieses anders. Und würde bei solch größeren Katastrophen "nur" ein kath. Geistlicher anwesend sein, würde dieses erst recht Kritik hervor rufen. | | |
 | Antonius10 am 1.8.2010 | 
 | Der zentrale Gottesdienst ersetzt nicht die direkten Exequien @ studiosus: Der Zentrale Gottesdienst, der heute in Duisburg gefeiert wurde, ersetzt nicht die Exequien, so wie sie in jeder kirchlichen Familie üblich sind. Das bedeutet: Sollten sich unter den Opfern tatsächlich auch katholische Jugendliche befunden haben (wovon zumindest zu 50 % auszugehen ist), werden für diese Verstorbenen die Beisetzungsriten in ihren Gemeinden gefeiert. Wie zu sehen war, waren ja bei diesem Gottesdienst ja auch keine Särge mit den Verstorbenen aufgestellt. Bei solchen die Öffentlichkeit betreffenden Ereignissen, hat es sich in Deutschland für die gemeinsame Pastoral hilfreich erwiesen, vor den Exequien einen Gemeinsamen Wortgottesdienst zu feiern, bei dem der Diözesanbischof und der zuständige evangelische Landesbischof den Verkündigungsdienst übernehmen und die Vertreter den Öffentlichen Lebens der Bundesebene und der Länderebene anwesend sind. In den nächsten Tagen werden für die einzelnen Verstorbenen die Beisetzungsfeiern nach den Ordnungen der Religionsgemeinschaften, denen sie bis zu ihrem Heimgang angehörten gehalten. | | |
| | fraterflo am 31.7.2010 | 
 | DANKE für den Gottesdienst! Das ist unsere Sicht der Dinge, auch meine. Unter den Opfern waren aber auch Nichtkatholiken. Auch Ihnen und Ihrem Glauben muss man in einer Feier des weltanschaulich neutralen Staates entsprechen. Ich finde es gut, dass überhaupt an Gott gedacht und offiziell gebetet wird. Jedem von uns steht es frei, den Verstorbenen der Loveparade Messintentionen in den eigenen Gemeinden zu widmen. | | |
 | studiosus am 31.7.2010 | 
 | ich Ich finde es doch recht bedenklich dass bei allen groesseren katastrophen ein "oekumenischer Gottesdienst" gehalten wird anstatt eine katholische Messe.
Das ist eine bedenkliche Signalwirkung!!!!
Erloest hat nur das Kalvarienopfer das allein in der hl. Messe fortgefuehrt wird - aber ein oekumenischer Gottesdienst ist letztlich doch glaubensleer und bringt nichts - das Mesopfer hingegen alles!
die katholische Messe muss der Oekumene weichen - sehr bedenklich finde ich das, wirklich sehr bedenklich :(( | | |
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