| 29. Juli 2010, 13:12 | Unsere Ehrfurcht vor dem Heiligen ist geschwächt
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| „Jeder Gottesdienst muss auf die Anbetung Gottes und die Vereinigung mit Ihm, und durch Ihn auch untereinander, ausgerichtet sein.“ Der Brief des Bischofs von Haarlem-Amsterdam an seine Gläubigen nach der Beurlaubung des „Oranje-Pfarrers“ im Wortlaut.
Haarlem (kath.net) Nach der Beurlaubung des Pfarrers, der eine „Oranje-Messe“ gefeiert hatte - kath.net hat berichtet -, schrieb der zuständige Bischof, Jozef M. Punt von Haarlem – Amsterdam, einen Brief an die Gläubigen seiner Diözese, um seine Gründe für die vorübergehende Beurlaubung des Priesters darzulegen.
„Ich denke, dass wir es hier mit einem größeren Phänomen zu tun haben, das die Vorkommnisse in Obdam übersteigt. Es hört sich vielleicht hart an, aber für mich ist es ein Zeichen, wie sehr das Bewusstsein für Gottes Gegenwart im Gottesdienst, die Ehrfurcht vor dem Heiligen, in unserer niederländischen katholischen Kirche geschwächt ist.“
Kath.net veröffentlicht den Wortlaut des Briefes vom 20. Juli in einer (inoffiziellen) Arbeitsübersetzung:
Brüder und Schwestern,
Die Angelegenheit Obdam hat in der letzten Woche viel Unruhe verursacht. Zu meiner Überraschung ist daraus ein Medienrummel (mediahype) geworden. Sie haben ein Recht darauf, von mir ein persönliches Wort darüber zu hören.
Die Pfarrei hatte der internationalen Presseagentur „Associated Press“ die Erlaubnis gegeben, am Sonntag, dem 11. Juli 2010, Video-Aufnahmen von der so genannten ‘Oranjemis’ (Oranjemesse) in der Pfarrkirche von Obdam zu machen.
Die Bilder darüber haben im Inland, aber auch im Ausland viel Aufmerksamkeit bekommen. Meine disziplinarische Reaktion hat heftige Proteste, aber auch Zustimmung verursacht. Durch alle diese Emotionen begreifen viele nicht mehr, was los ist, darum dieser Brief.
Die auferlegte Beurlaubung, die ich über Pastor Vlaar verfügt habe (er ist nicht suspendiert worden, wie hier und da behauptet wird) hat natürlich zu Solidaritätsaktionen der Pfarrangehörigen geführt. Ich habe hierfür großes Verständnis. Menschen machen das spontan für ihren Pastor, den sie als einen fleißigen Priester kennen mit einem Herzen für die Menschen.
So kenne ich ihn auch. In dem Beurlaubungsbericht habe ich dann auch geschrieben, dass die Bewertung seines pastoralen Eifers und Einsatzes nicht zur Diskussion steht. Aber darum geht es hier auch gar nicht. Hier ist die Heiligkeit der Eucharistie in Gefahr. Früher schon habe ich den Pastor gewarnt, die Eucharistiefeier nicht mit profanen Dingen zu vermischen, und er hatte versprochen, sich auch daran zu halten.
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Natürlich kann ich mir auch vorstellen, dass eine Pfarrei das „Oranjegevoel“ („Oranjegefühl“) benutzt, um auch in der eigenen Gemeinschaft Zusammenhörigkeit zu erleben. Eine Veranstaltung auf dem Kirchenplatz oder im Pfarrsaal ist kein Problem. Eine orange Fahne in der Kirche ist es auch nicht. Das Eingehen auf das Aktuelle in der Predigt oder den Fürbitten ebenso wenig. Selber habe ich auch mehrere Male Veranstaltungen (ein Fahrradrennen, Autorennen, Segelfahrt) als Plattform benutzt, um die Frohe Botschaft zu verkünden.
Aber eine Eucharistiefeier dem Fußball unterzuordnen geht zu weit und ist eine Profanierung dessen, was der Kirche heilig ist. Denn es geht nicht nur um ein oranges Messgewand. In Obdam stand auch ein Tor auf dem Altar. Die Heilige Messe begann mit einem Pfeifsignal und einem Anstoß, das Schuldbekenntnis ging über einen Schiedsrichter und das Evangelium wurde durch eine Ode auf das „Oranjegefühl“ ersetzt. Eine Anzahl zentraler Texte waren in Fußballausdrücke umgeschrieben und bei der Kommunionspendung wurden profane Lieder gesungen.
Dann wird Gott anstelle der Hauptsache zur Nebensache, und dies kann nicht die Absicht sein. Der Pastor sieht auch selber ein, dass er sich möglicherweise zu viel durch menschliche Ansichten hat leiten lassen. Ehrlich gesagt hat es mich sehr verwundert und enttäuscht, dass die Gläubigen nicht spontan fühlten, dass so etwas zu weit geht.
Ich denke, dass wir es hier mit einem größeren Phänomen zu tun haben, das die Vorkommnisse in Obdam übersteigt. Es hört sich vielleicht hart an, aber für mich ist es ein Zeichen, wie sehr das Bewusstsein für Gottes Gegenwart im Gottesdienst, die Ehrfurcht vor dem Heiligen, in unserer niederländischen katholischen Kirche geschwächt ist. Wir scheinen nicht viel weiter zu kommen als zu Gefühlen von ‘angenehm und gesellig‘.
Unsere Kirche ist in einer doppelten Krise. Eine moralische Krise, wovon der Kindesmissbrauch in der Vergangenheit am schlimmsten war und wovon wir uns aufrichtig zu reinigen versuchen. Hier sind mittlerweile schon energische Maßnahmen unternommen worden.
Aber es ist auch die Rede von einer Glaubenskrise, die die Sicht auf die wesentlichen Glaubenswahrheiten trübt: Die wirkliche Gegenwart des auferstandenen Herrn in seiner ganzen Göttlichen Majestät, in der Heiligen Eucharistie und Kommunion ist hier eine davon. Jeder Gottesdienst muss auf die Anbetung von Ihm und die Vereinigung mit Ihm und durch Ihn auch untereinander ausgerichtet sein. Daraus schöpfen wir Kraft und Leben.
Ich denke, dass wir uns hierbei andere zum Vorbild nehmen können. In allen Orthodoxen und Orientalischen christlichen Kirchen ist die Ehrfurcht vor diesem erhabenen Mysterium absolut unantastbar und jede Profanierung ausgeschlossen.
Aber auch bei den nichtchristlichen Religionen sehen wir das gleiche. Im Judentum, Islam, Buddhismus und anderen östliche Religionen wäre jede Vermischung von Gottesdienst und profanen Ritualen, Texten und Musik unmöglich. Alle kehren sich dem Platz zu, der für sie heilig ist oder beugen sich zur Erde, wenn sie sich Gott zuwenden.
Und wir, die wir die größte tiefgehende Einsicht von Gottes Gegenwart unter uns haben, einen Gott, der Mensch wird, der uns in Brot und Wein seinen Leib und sein Blut hinterlässt, wir vergessen so oft, Ihm die Ehre zu geben, die Ihm zukommt.
Als Bischof habe ich auch die Verantwortung, darauf zu achten, dass der Gottesdienst nach den Normen und Texten der Weltkirche gefeiert wird, und die Aufgabe, Maßnahmen zu ergreifen, wo dies nicht geschieht. Man kann das als überholt ansehen, aber diese sind wohl die „Spielregeln“, die wir als Weltkirche handhaben und in denen genügend Raum ist, um Kirche und Gesellschaft miteinander in Verbindung zu bringen. Die Ehre an Gott in der Höhe und der Friede unter den Menschen auf Erden gehören zusammen, genauso wie die Liebe zu Gott und den Nächsten. Möge es uns gegeben sein, hierin gemeinsam weiter zu wachsen.
+ Jozef M. Punt
Bisschop van Haarlem – Amsterdam
Austausch im FORUM
Übersetzung durch Forumsuser Paul - Herzlichen Dank
Foto: © www.bisdomhaarlem-amsterdam.nl |
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| | SCHLEGL am 31.7.2010 | 
 | Zu PAMIR "Jesus war kein Softy" Ich weiß nicht, wer Herr oder Frau "Pamir" ist. Aber eines muss klar sein, physische Gewaltanwendung gegenüber im Glauben Irrenden ist abzulehnen. Schon der hl. Basilius (gest. 379) lehrt eindeutig, dass gegen Irrlehrer oder Schismatiker allein geistliche Strafen anzuwenden sind ( z.B. Suspendierung, Predigtverbot, Versetzung im schlimmsten Fall Exkommunikation). " Fidem imperare non possumus"-"in Sachen des Glaubens können wir nichts befehlen", dieser Spruch stammt von Kaiser Karl V, als er resignierend die Folgen der Reformation in Deutschland zur Kenntnis nehmen musste. Wenn kirchliche Autoritäten die staatliche Gewalt und physische Strafen zur Bekämpfung der Irrenden in Anspruch nahmen, erreichten sie bestenfalls einen äußerlichen Gehorsam zum Schein. Die innere Einstellung des betreffenden hatte sich jedoch nicht geändert! Jesus selbst hat nie zu physischer Gewalt aufgerufen, im Gegenteil, er tadelte Petrus, nachdem dieser mit dem Fischermesser bei der Verhaftung Jesu den Knecht des Hohenpriesters verletzt hatte.Msgr. Franz Schlegl | | |
| | wolfgangstuttgart am 30.7.2010 | 
 | Es gibt die Möglichkeit gegenzusteuern Dank des außerordentlichen Römischen Ritus von 1962 gibt es durchaus die Chance für Gemeindegruppen zum Feiern eines würdigen Messopfers - und zwar unabhängig davon, ob ansonsten die ordentliche, möglicherweise sogar verunstaltete, Form des Messritus gefeiert wird. Alles was es braucht sind Gläubige einer Gemeinde, die den ausserordentlichen Ritus wünschen und sein Feiern beantragen.
Auszug aus dem Motu Proprio SUMMORUM PONTIFICUM (inoffizielle Übersetzung auf kathpedia.com):
"Art. 5 § 1. In Pfarreien, wo eine Gruppe von Gläubigen, die der früheren Liturgie anhängen, dauerhaft existiert, hat der Pfarrer deren Bitten, die heilige Messe nach dem im Jahr 1962 herausgegebenen Römischen Messbuch zu feiern, bereitwillig aufzunehmen."
Der Punkt ist, dass es sehr schwer sein dürfte, die alte Form des Messritus so zu verunstalten, wie es heute anscheinend beim neuen immer wieder passiert.
In dem Maß, wie die Messe von 1962 in den Gemeinden ihre Freunde findet, und diese Messen entsprechend gut besucht sind, könnten die Pfarrer, die die neue Form in fast leeren Kirchen feiern, ins Nachdenken kommen. weiter » | | |
 | supernussbi am 29.7.2010 | 
 | Danke, lieber Bischof Jozef, für Ihre kurze Stellungnahme. Sie ist wie eine kurze Katechese, auch für viele in anderen europäischen Landen, menschlich zuvorkommend, verständlich, zur Förderung bzw. Rettung unseres kostbarsten Geheimnisses, der eucharistischen Gegenwart und Freundschaft Jesu! | | |
| | Bernardo am 29.7.2010 | 
 | eindeutige Position ... ... und glasklare Worte ohne moralischem Zeigefinger, einfühlsam ohne zu provozieren und zu brüskieren! Ein Vorbild für brüderliche Zurechtweisung! Vielen Dank, Herr Bischof! | | |
| | Pamir am 29.7.2010 | 
 | Jesus war kein Softy Schlegl
Warum soll man so nicht mit Bischöfen umgehen? Geht es überhaupt friedlicher, wenn man endlich mit einer Kosequenz vor-gehen muss, weil den Bischof jede andere Maßnahme nicht interessiert. Wie ging er mit Gott um? | | |
| | Pamir am 29.7.2010 | 
 | Umgang Schlegl
Warum soll man so nicht mit Bischöfen umgehen. Gehrt es überhaupt friedlicher, wenn man endlich mit einer Kosequenz vor gehen muss, weil den Bischof jede andere Maßnahme nicht interessiert. Wie ging er mit Gott um? | | |
| | M.Schn-Fl am 29.7.2010 | 
 | Dank an Bischof Punt Habe heute dem Bischof gedankt und ihm geschrieben, welche Bedeutung sein Brief auch für uns hat. | | |
| | Waldi am 29.7.2010 | 
 | Dieser sorgenvolle Mahnruf gilt auch für Deutschland. Die immer stärkere Vermischung der Heiligen Eucharistie mit profaner Würze ist auch bei uns auf dem Vormarsch. Leider habe ich hierzulande noch keinen so tapferen Bischof wie Josef M. Punt von Haarlem entdeckt, der manch ähnlichen Auswüchsen einen Riegel vorgeschoben hätte. Katholische Messen, wie ich sie schon zu meinem Leidwesen erlebt habe, stehen in ihrer exzessiven Entartung der holländischen Oranje-Messe in nichts nach. | | |
 | papale am 29.7.2010 | 
 | Würden nur alle Bischöfe so denken/handeln !!! Es ist überaus erfreulich, daß endlich ein kath. Bischof klar sagt, was unsere hl. Liturgie ist und was nicht - vielen Dank ! Traurig stimmt mich aber auch, daß er das überhaupt tun muß, daß das in unserer Kirche nicht mehr selbstvertständlich ist und daß er so viel Widerspruch erfährt. | | |
 | diaconus am 29.7.2010 | 
 | Endlich ein Hirte, der die Wahrheit schreibt und auf diese aufmerksam macht. Einer, der nicht das spricht, was die Menschen hören wollen sondern ihnen einen Spiegel vor das Gesicht hält. | | |
 | Antonius10 am 29.7.2010 | 
 | Das wäre in einigen deutsch Diözesan auch mal notwendig. Auch in Deutsch Diözesen wäre im einen oder anderen Fall eine solche Maßnahme angezeigt.
Da gibt es Pfarrer, die lassen gern am Sonntag eine Lesung aus. Oder verzichten auf den Antwortpsalm. Oder sie lassen in der Osternach die Erneuerung des Taufversprechens der Gemeinde aus. | | |
| | Poldi am 29.7.2010 | 
 | Lob an Bischof Punt! Ja, es ist bemerkenswert, dass der Bischof reagiert hat. Traurig aber ist, wenn man bedenkt, welche Vorgeschichten und Ereignisse es gibt, die einem solchen Vorfall schon vorausgegangen sind und die schließlich in einer solchen Verirrung gipfeln. Da wundert es ja nicht, dass viele Gläubigen die bischöfliche Reaktion nicht einsehen und entsprechend heftig reagieren.
Befinden sich die Bischöfe nicht schon längst in einem Dilemma? Lange Zeit wurden liturgische Missbräuche hingenommen. Am Anfang waren es vielleicht Kleinigkeiten, liturgische "Unschärfen" - bei denen man ein Auge zudrückte. Dann wurden sie zur Regel und die das rechte Maß ging vielfach verloren. Die Gläubigen aber waren jetzt an diesen neuen Stil gewöhnt. Von vielerlei Seiten hat man ihnen beigebracht, dass gerade die Grenzüberschreitungen Ausdruck der modernen, weltoffenen Kirche seien. Die "Hermeneutik des Bruches" (B. XVI.) machte sich im liturgischen Verständnis der Gemeinden breit. Kein Familien- oder Kindergottesdienst mehr ohne ein kleines Theater, Anspiel oder einen Eröffnungsgag. Unkonventionell, modern sollte es sein, nicht so wie früher (ohne dass man das genau beschreiben könnte). Priester, die sich gegen solche Entgleisungen der Liturgie wehrten, wurden sofort in die entsprechende Schublade eingeordnet.
Wenn jetzt ein Bischof versucht, Missbräuche anzusprechen und evtl. sogar disziplinarisch zu ahnden, der findet sich sofort auf der anderen Seite der Mehrheitsmeinung (und das nicht nur bei den Laien, sondern oft auch bei seinem Klerus - schließlich sind auch Priester nicht vor der Eitelkeit bewahrt, sich nach falscher Beliebtheit bei ihren Schäfchen zu sehnen).
Einzelne Aktionen, wie die von Bischof Punt, sind zwar lobenswert, sind aber als einzelne Maßnahmen höchtswahrscheinlich fruchtlos, wenn nicht sogar kontraproduktiv. Was fehlt, ist die Einordnung solcher Maßnahmen in eine grundsätzliche katechetische Neubesinnung, die klare Inhalte und Formen in Erinnerung ruft und diese kompromisslos einfordert. Das ist vielleicht ein langer Weg, aber wenn man bednekt, wie lange man zugeschaut hat, bis es zur heutigen Situation gekommen ist, dann kann man sich keine schnellen Veränderungen erwarten (schon gar nicht durch einen einmaligen Hirtenbrief). Das macht vielleicht manchen Bischöfen Angst und sie schrecken vor so einem Projekt zurück, aber ohne den ersten Schritt für ein Weg, egal wie lang er ist, niemals zum Ziel. Das Jahr der Eucharistie von Erzbischof Ranjith in Colombo (mit den entsprechenden praktischen Regelungen und Mahnungen) geht in diese Richtung.
Bei uns wäre allerdings zu solch einer Erneuerung die Geschlossenheit und die Entschlossenheit der Bischöfe erforderlich ... *traumzuende* | | |
 | Dismas am 29.7.2010 | 
 | Deo Gratias möge Gott diesen guten Hirten segnen und der Hl.Geist immer in ihm wirken!! | | |
 | Chrysanthus am 29.7.2010 | 
 | Sehr gut, Deo gratias! Der Mann weiß einfach, worum es geht. Dabei ist er durchaus verständnisvoll und einfühlsam, aber er weiß, wo Grenzen zu setzen sind. Ein richtiger Hirte, nach diesem Brief zu urteilen | | |
| | Einsiedlerin am 29.7.2010 | 
 | klärende Worte Bravo! Dem ist nichts hinzuzufügen!
Solch klärende Worte würde ich mir von so manchem österreichischen Bischof auch wünschen. | | |
| | ortsnah am 29.7.2010 | 
 | Fußballmesse Sehr gut. Endlich mal einer der Manns genug ist,die Wahrheit zu sagen. Von solchen Bischöfen brauchen wir mehr- Der letzte war wohl Bischof Dyba. Zu wenig für eine ganze Kirche in Deutschland. | | |
| | SCHLEGL am 29.7.2010 | 
 | Verschwundenes Gespür für das Heilge! Ein ganz besonderes Lob dem Bischof von Haarlem-Amsterdam für diese großartigen Hirtenbrief! Fast möchte ich boshaft sagen, wann kommt ein solcher Hirtenbrief von einem österreichischen Bischof?! Ich denke etwa an das Fronleichnamsfest mit einem aufgespießten "Fladenbrot" in Linz, oder die Messe beim Donauinselfest mit Essenden , Trinkenden und Rauchenden Teilnehmern zumindest im Hintergrund. Bei jeder Gelegenheit soll "Messe" gefeiert werden, sozusagen auch bei der Neueröffnung eines neuen "Postkastens", oder bei der Jahreszusammenkunft des "Kaninchenzüchtervereins". Das ist sicherlich überzeichnet, aber die Feier des eucharistischen Opfers oder der "Göttlichen Liturgie", wie die Ostkirche die Eucharistie nennt, bedarf des wohl vorbereiteten Rahmens und der Disposition der Gläubigen. Das lesen wir schon in der syrischen Kirchenordnung ( Didache) circa aus dem Jahre 120 n. Chr.! Die Aufforderung Christi, die Perlen nicht vor die....... zu werfen und das Heilige nicht den ....... preiszugeben, ist zeitlos. Papst Benedikt XVI hat zu Recht mehrmals darauf hingewiesen (vor allem in seinen Büchern!), dass die heilige Liturgie verfällt, wenn Menschen sich durch sie SELBST darstellen wollen. Das geschieht in Westeuropa gar nicht so selten. Wie oft wird aus der Messe zur Erstkommunion ein "Ringelreispiel", mit Collagen und Geschichterln und einer Predigt ;der dazu nicht berufenen und befugten Pastoralassistentin oder Religionslehrerin! Hätte ich 1958 eine solche Messe zur Erstkommunion erlebt, wäre ich wahrscheinlich heute nicht Priester. Auch wenn es damals schwierig war einer fast ganz lateinischen Liturgie zu folgen und manche Predigt zu lang und außerdem einschläfernd war, eines ist bei uns allen rüber gekommen, dass wir mit dem Geheimnis Gottes ehrfürchtig umgehen müssen. Der berühmte Religionswissenschaftler Rudolf Otto hat zu Recht darauf hingewiesen, dass Gott in allen Kulturen das "Mysterium tremendum et fascinosum"- das Geheimnis, das uns erzittern lässt und dennoch gleichzeitig fasziniert,ist. Darum freut mich auch, dass der holländische Bischof ausdrücklich die Ehrfurcht der Liturgie in den Ostkirchen erwähnt hat, wo solche Entstellungen liturgischer Handlungen völlig undenkbar sind. (In Russland hat nach der Oktoberrevolution von 1917 ein zur modernen-damals nannte man sie-"lebende orthodoxe Kirche", gehörender Bischof einen Tisch als Altar vor die byzantinische Ikonostase (Bilderwand, hinter der sich der Altar befindet), gestellt. Die Gläubigen in der Kirche ergriffen den Bischof schon während des Wortgottesdienstes, trugen ihn zur Kirche hinaus, nahmen ihm die liturgischen Gewänder ab und setzten ihn in den weichen Schnee. Sonst ist ihm nichts passiert !(sicherlich kein Beispiel, wie mit Geistlichen umgegangen werden soll, die so schwer gegen liturgischerRegeln verstoßen). Die Wiedergewinnung, der in Westeuropa im Bereich der Liturgie weitgehend verloren gegangenen Ehrfurcht, die Einhaltung der liturgischen Normen und die Schaffung einer geistlichen Atmosphäre ist für die Zukunft der Kirche von lebenswichtiger Bedeutung. Sonst werden wir mitschuldig, dass Menschen zu esoterischen oder fernöstlichen Sekten abdriften. Zuweilen stelle ich mir auch die bange Frage, ob so mancher Selbstmord nicht dadurch hätte verhindert werden können, dass wir als Kirche verzweifelten Menschen "bergende Räume der Gegenwart Gottes" angeboten hätten. Beten wir in Dankbarkeit für diesen holländischen Bischof und bitten wir den Herrn, dass dieser Bischof bald Nachahmer in anderen Bischofskonferenzen finden möge! Msgr. Franz Schlegl rit.lat./rit.byz. ukr. | | |
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