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29. Juli 2010, 11:35
Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch














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  THEMA 'Evangelium'

Was nützen Reichtum und Wissen, wenn der Tod doch alles auslöscht? Betrachtungen zum Sonntagsevangelium von P. Dr. Bernhard Sirch

Innsbruck (kath.net)
C - 18. Sonntag im Jahreskreis. 1. Lesung: Koh 1, 2; 2, 21-23. 2. Lesung: Kol 3, 1-5.9-11. Ev.: Luk. 12,13-21:

"Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt" (Lk 12,15). Man muß hier klar sehen, die Kritik Jesu richtet sich nicht auf das große Vermögen, sondern auf das "im Überfluss" leben "aufgrund des großen Vermögens".

Diese Kritik Jesu trifft die reichen Industrienationen im Kern. Damit dieser Überfluss erhalten bleibt, nützt man die ärmeren Länder aus und kauft Bananen zu niedrigsten Preisen, während das Obst auf Grund der hohen Löhne im eigenen Land an den Bäumen verfault. Anstatt diesen ärmeren Ländern zu helfen, nützt man sie aus und schottet sich - was ihre eigentlichen Probleme angeht - ab.
Die Selbstsucht der Industrienationen wird auch deutlich an den Menschen, die zum Aufbau des Wohlstandes notwendig waren und die man deswegen ins Land geholt hat, diese Menschen würde man jetzt am liebsten wieder abschieben.

Welchen Sturm der Entrüstung würde es auslösen, würde man die MWST um ein Prozent erhöhen, um den Entwicklungsländern tatsächlich zu helfen? Mir ist bewusst, dass dieser Vorschlag nie durchgehen wird, es sei denn auf folgendem Modus, wo beiden Seiten geholfen ist: Man gibt nicht das Geld, sondern die Menschen in der Dritten Welt können Waren bestellen, die gratis oder mit 50 % Nachlass geliefert werden; dadurch wird bei uns einerseits die Wirtschaft angekurbelt und andererseits wird den Menschen der Dritten Welt geholfen.

Dieser "Zuschuß" wird vor allem jenen Gruppen gewährt, die sich bereits jetzt nachweislich - zum Teil um des Himmelreiches willen - für die armen Menschen eingesetzt haben und wo man weiß, dass das Geld nicht in irgendwelchen dunklen Kanälen verschwindet und dann wieder "gewaschen" in der ersten Welt auftaucht, sondern tatsächlich den armen Menschen zugute kommt. Man hätte auf diese Weise ein einfaches Kontrollsystem.

Es gibt auch heute viele Menschen, die helfen wollen und dann sehen müssen, dass denen, denen ihre Hilfe gilt, nicht geholfen ist und leer ausgehen und folglich auch nicht mehr spenden wollen.

Die Schere des Wohlstandes geht weltweit, aber auch in den "wohlhabenden Ländern" immer noch mehr auseinander und ruft auf Grund der überall zugäng-lichen Medien Unzufriedenheit, Neid und Kriminalität, ja "Krieg" hervor, der nicht immer so friedlich endet wie wir es jüngster Vergangen gesehen haben: Die Menschen in der DDR haben lange genug im Fernsehen gesehen, wie gut es den Menschen im Westen geht, bis sich dann eine so große Menschenmenge auf den Weg gemacht hat und die Grenzen überschritten hat, so dass man nicht mehr schießen konnte.

Es glich der Völkerwanderung in früheren Zeiten, die sich in absehbarer Zeit noch viel gewaltiger wiederholen kann!

Wir können uns fragen, wie ist die Lage in den Industrienationen? Ihnen fehlt es nicht an materiellen Gütern, wohl aber am "Sinn des Lebens". Die Aussage Jesu: "Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, daß ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluß lebt" (Lk 12,15) ist heute aktueller denn je. Die Jammerei in den Industrienationen ist auf hohem Niveau. Während das eine Drittel der privilegierten Menschheit zwei Drittel des Welteinkommens in Anspruch nehmen, müssen die zwei Drittel der Menschheit mit nur einem Drittel - manche sagen sogar mit nur 15 % - des Welteinkommens auskommen!

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Eines kann man wohl sagen: das Sicht-Wohl-Fühlen, das Glücklich-Sein, ist nicht an das Im-Überfluß-Leben gekoppelt. In der 1. Lesung wird trefflich die Lage des Menschen in der ersten Welt geschildert: "Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger, und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe" (Koh. 2,23). Wie viele schlaflose Nächte verbringen Menschen in den Industrienationen! Kohelet greift die unbequeme Frage auf: Was nützen Reichtum und Wissen, wenn der Tod doch alles auslöscht? "Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Denn es kommt vor, daß ein Mensch, dessen Besitz durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde, ihn einem andern, der sich nicht dafür angestrengt hat, als dessen Anteil überlassen muß" (Koh 1,2; 2, 21). Ich musste einmal einen steinreichen Mann im Sterbeprozess begleiten, der mit einer "Zugabe" von 1000 und mehr € immer erreichte, was er wollte und sehen mußte, dass der Tod nicht bestochen werden kann und die verzweifelte Frage stellte: "Pater Bernhard gibt es nichts, was mein Leben retten kann?"

Damit sind wir wieder im heutigen Evangelium. Auf die Frage: "Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen" sagte Jesus zu den Leuten: "Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier" (Lk 12,13-15). Dann erzählt uns Jesus das folgende Beispiel: "Auf den Felder eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll.

Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iß und trink, und freu dich des Lebens!" (Lk 12, 16-19).

Man muß leider feststellen: Was bei manchen Menschen alleinig zählt, ist wirtschaftlicher Erfolg. Die Partei, die den besten wirtschaftlichen Erfolg verspricht und auch erbringen kann, wird gewinnen. Dies ist die Aufgabe der Politiker!? Man kann hier ein Ausrufezeichen und gleichzeitig ein Fragezeichen setzen!

Jesus bringt hier eine deutliche Kritik an und sagt: "Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du aufgehäuft hast? So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist" (Lk 12, 20.21). Die Kirche hätte eine eminent wichtige Aufgabe "Sinn des Lebens" in ihrer Verkündigung in den Vordergrund zu stellen. Wir gebrauchen zwar den Ausdruck "todsicher", weil wir wissen, dass jeder Mensch stirbt. In unser Denken und Handeln ist diese Tatsache aber noch nicht vorgedrungen.

So weist Paulus in der zweiten Lesung den Menschen seiner Zeit, die ebenfalls in Luxus gelebt haben, auf ein neues Ziel hin. "Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.

Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit." (Kol 3, 1-4).
Diese Lesung, die wir auch am Ostersonntag hören, soll unseren Blick, unser Denken, auf den auferstandenen Herrn lenken. Unser christliches Leben soll sich ja gerade im Alltag zeigen. Wir sollen Gott dienen und keinen Götzendienst im Alltag praktizieren: "Darum tötet, was irdisch an euch ist: die Unzucht, die Schamlosigkeit, die Leidenschaft, die bösen Begierden und die Habsucht, die ein Götzendienst ist. Belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt und seid zu einem neuen Menschen geworden, der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, um ihn zu erkennen. Wo das geschieht, gibt es nicht mehr" (Kol 3, 5.9-11) - um in unserer Sprache zu reden - die verschiedenen Klassen: Industrienationen und Menschen in der Dritten Welt, Privilegierte und Nicht-Privilegierte, Ausländer, Menschen die unter der Brücke leben und aus den Tonnen leben, Besitzende und Nicht-Besitzende, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, "sondern Christus ist alles und in allen" (Kol 3,11). Wenn wir das befolgen würden, was Paulus hier sagt, wäre auch der Konflikt mit dem Islam lösbar, die im Grunde genommen vor allem eine Verwilderung der Moral bekämpfen und Anschläge vor allem dort machen, wo die Moral mit Füßen getreten wird.

Das Problem in den Industrienationen ist der Überfluss, wobei gesehen werden muß, dass die Kluft von arm und reich immer mehr auseinander geht! Luxus allein reicht gar nicht mehr aus, sondern es muß in manchen "Sportarten" noch ein besonderer "Kick" oben drauf, auch wenn Menschenleben gefährdet wird.

Eva Herman (51), die langjährige Tagesschausprecherin in der BDR, urteilte schon im Vorfeld über die Love-Parade in Duisburg, diese „geilste Party der Welt“ mit ihren Auswüchsen, wo 19 Menschen zu Tode getrampelt wurden, stehe „symbolisch doch nur für den kulturellen und geistigen Absturz einer ganzen Gesellschaft“.

Wenn man die großen Kulturen anschaut: Babylonier, Griechen, Römer, dann muß man sehen, dass diese großen Kulturen am Überfluß zugrunde gingen und zu einem Leben übergingen, das den inneren Verfall zur Folge hatte.

Die Germanen, die bei den Römern als Barbaren galten, hatten eine innere Kraft. Wir sollen uns fragen: wo stehen wir heute?
Wie in der Zeit des beginnenden Christentums das Evangelium von Rom aus zu den besiegten nördlichen Völkern getragen wurde, so wird heute das Christentum auch von Rom an die jungen "armen" Völker weitergegeben und lebt dort neu auf.

Jesus, und damit die Kirche, hätte heute sehr wohl einen wesentlichen Beitrag für die Menschen der Industrienationen: "Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, daß ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluß lebt" (Lk 12,15).


   

Lesermeinung

 Erkennen am 1.8.2010
Ein volles Gefäß
Ein volles Gefäß lässt sich nicht weiter füllen - mit Liebe, Glaube, Zuversicht und Vertrauen in sich.
 
 Erkennen am 1.8.2010
Gefäss
Ein volles Gefäss kann man nicht füllen - Nicht mit Liebe, Glauben, Zuversicht und Friede.
 
Airam am 1.8.2010
keine Kapitalismus: Relativismus und Überfluss-Kritik
Dass P. Sirch keine "billige" Kapitalismuskritik vorbringt, wird doch bereits im ersten Abschnitt deutlich: ZITAT: "Man muß hier klar sehen, die Kritik Jesu richtet sich nicht auf das große Vermögen, sondern auf das "im Überfluss" leben "aufgrund des großen Vermögens". "

Was er -völlig zu Recht- anspricht, ist die Tendenz des "Mehr haben wollen als man braucht". Und dies war wohl zu allen Zeiten (daher Jesu Beispielerzählung) eine menschliche Schwäche - und ebenso gab/gibt es zu allen Zeiten Menschen, die dem widerstehen und glücklich sind!
 
templer am 31.7.2010
Billige Kapitalismuskritik
Was soll denn diese billige Kapitalismuskritik?

Der Westen beutet weder den gesamten Rest der Welt aus, noch ist Geld haben etwas böses. Gott vergessen wegen Geldbesitzt DAS ist die Sünde. Oder sich völlig dem Konsum hingeben und sich selbst verlassen dadurch.

Man muss die KPD und SED Parolen nicht mit sich tragen, Afrika ist wegen den Afrikanern, den Hexentum, der mangelnden Diszipiln und wegen dem herumwütenden Islam so arm. Auch wegen Korrupten und Machtgieriegen. Aber Europa ist hauptsächlich deswegen reich weil hier hart und fleissig gearbeitet wird.

Ora et Labora ist der Schlüssel zum Reichtum Europas, alles andere ist NEID!
 
 Troppau am 29.7.2010
Den Nagel auf den Kopf getroffen!
Pater Sirch bringt es auf den Punkt: die westliche Welt lebt im Überfluss und will nichts davon abgeben. Dekadenz nimmt zu. Ein Blick in die geschichte zeigt uns, wie das endet.

Aber wer will das hören? Wer in der Christusnachfolge auf die Mißstände aufmerksam macht, wird entweder belächelt oder bekämpft. Das war leider schon immer so und wird sich auch nicht ändern. Ob unser schicksal dem der geschichte von ähnlichen Kulturen folgt bleibt abzuwarten.

Inzwischen dürfen wir auch weiterhin froph bleiben und nach dem Glück streben, dass uns Christus in seiner Nachfolge versprochen hat.
 

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