
Pöllau (kath.net)
Kath.Net dokumentiert die Predigt von Bischof Egon Kapellari beim Jugendtreffen in Pöllau vom gestrigen 18. Juli 2010:
Liebe junge Christen, Brüder und Schwestern und in Eurer Mitte liebe Priester und Ordensfrauen und liebe Gastgeber aus der Pfarre Pöllau!
Das alljährliche sommerliche Jugendtreffen in Pöllau ist – so glaube ich –in manchem doch vergleichbar mit einem Basislager von Bergsteigern, die höher hinauf wollen und sich in einem solchen Basislager zum Beispiel im Himalajagebiet darauf vorbereiten. Ihr hier in Pöllau versammelte junge Christen seid sicher auch Menschen, die sich nicht mit einem Leben als Dahintrotten im Flachland begnügen wollen. Ihr wollt höher hinauf, indem Ihr die in Euch angelegten und von Gott gegebenen Fähigkeiten entwickelt – aber nicht in einer egoistischen Karriere auf Kosten anderer Menschen, sondern mit einem Einsatz von Hirn, Herz und Hand, der nicht bequem ist, der aber auf das Ganze des Lebens hin gesehen nicht einen billigen, oberflächlichen Spaß, sondern wirkliche Freude macht.
Das Jugendtreffen in Pöllau soll Euch eine Quelle von Lebensfreude zeigen und erschließen, indem es Euch Jesus Christus zeigt; indem es Euch hilft, noch mehr seine Freunde zu werden.
Die Diözese Graz-Seckau hat als Leitwort für das heurige Jahr und darüber hinaus den Spruch „Auf Christus schauen“ gewählt. Das ist eigentlich ein Dauerauftrag an jeden Christen und so auch an Euch, liebe junge Christen, Brüder und Schwestern.

Auf Christus sollen wir schauen. Wo aber sehen wir ihn? Wir sehen ihn vordergründig in den vielen Christus-Bildern, die von bekannten und unbekannten Künstlern im Lauf von Jahrhunderten geschaffen worden sind. Ich rate Euch, liebe Freunde, aus diesem riesigen Schatz ein solches Christusbild auszuwählen und einem Foto davon in Eurem Zimmer, Eurer Wohnung einen besonderen Platz zu geben, damit Ihr im oftmaligen Hinschauen Eure Beziehung zu Christus, Eure Freundschaft mit ihm festigen und vertiefen könnt. Wenn Ihr sein Bild nicht oft vor Augen habt, dann wird er leicht ein Fremder in Eurem Leben.
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Ich selbst kenne, was für einen Bischof ja selbstverständlich ist, sehr viele Christusbilder – alte und neue. Eines von ihnen bleibt mir aber besonders wichtig. Es befindet sich in einer alten Kirche in Oberkärnten. Durch ein Feuer wurde deren Inneneinrichtung kurz nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Auch ein Bild des gekreuzigten Christus war davon betroffen und wurde mit Absicht so renoviert, dass die Schäden erkennbar geblieben sind. Der Leib Christi ist durch den Brand verstümmelt, es fehlen ihm die Arme und die Beine. Aber dieses verstümmelte Christus-Bild ist gerade deshalb besonders ergreifend. Der Christus ohne Arme und Beine scheint dem Betrachter zu sagen: „Leihe Du mir Deine Hände, damit ich durch Dich Menschen helfend berühren kann; leihe Du mir Deine Füße, damit ich zu den Menschen kommen kann, die mich und mein Evangelium suchen und brauchen.“ Und darüber hinaus sagt dieser Christus auch: „Leihe mir und meinem Evangelium deine Augen, deine Ohren, deine Stimme; Leihe mir – alles zusammengefasst – Leihe mir dein Herz.

Liebe junge Leute! Viele großartige Menschen, junge und ältere haben sich in bisher fast 2000 Jahren von diesem Ruf Christi bewegen lassen und haben Christus ihre Hände, ihre Füße, ihre Augen und Ohren und ihre Stimme geliehen und haben so auch die Kirche gebaut als Haus aus lebendigen Steinen. Ich nenne stellvertretend nur einige Namen: die Apostel Petrus und Paulus, dann Franziskus und Klara, Ignatius von Loyola, Teresa von Avila, Don Bosco, die kleine heilige Therese von Lisieux und Papst Johannes Paul II.
Jesus Christus braucht Menschen, damit sie andere Menschen zu ihm führen und damit sie Menschen auch miteinander zu einer Gemeinschaft verbinden als Jugendgruppe, als Pfarre, als Kloster, als apostolische Bewegung und anderes mehr. Jesus Christus braucht Menschen als Eltern, die für ihre Kinder so etwas wie Ikonen Gottes sind. Er braucht Menschen, die sich helfend und heilend armen und kranken Mitmenschen zuwenden. Er braucht Menschen, die als Priester in und gegenüber einer Gemeinde stehen, die Eucharistie feiern und das Bußsakrament spenden. Er braucht Ordensfrauen und Ordensmänner, die inmitten der Kirche die Evangelischen Räte mit besonderer Intensität leben.
All das zusammenfassend sage ich zu Euch, Ihr jungen Christen: Jesus Christus braucht auch jeden und jede von Euch, in welchem Beruf oder Stand Ihr auch leben werdet. Ich hoffe auch, dass hier in Eurer Mitte einige sind, die er rufen will zum Weihepriestertum und andere, die er rufen will zu einem Leben als Ordensfrau, als Ordensmann. Wenn Ihr seine rufende Stimme hört, dann sagt ein vertrauensvolles, fröhliches Ja.
Das diesjährige Jugendcamp in Pöllau geht heute wieder zu Ende. Ich danke allen, die mitgetan haben und es vorbereitet und begleitet haben und tue dies auch im Namen der Bischöfe Eurer Heimatdiözesen. Seid muntere, wetterfeste und missionarische Christen inmitten unserer großen katholischen Kirche, die jetzt – bildhaft geredet – durch Feuer und Wasser gehen muss, um reiner, dynamischer und heiliger zu werden. Haltet zum Papst, dem Petrus von heute, der in manchen Ländern Europas und auch in Österreich von vielen angefeindet wird. Das wird Euch Segen bringen. Und Maria, die Mutter Christi und Mutter der Kirche, der die schöne Wallfahrtskirche von Pöllauberg besonders geweiht ist, möge Euch mit ihrer Fürbitte begleiten auf Eurem Lebens- und Glaubensweg.
Amen.
KathTube: Der Vortrag von P. Bennet LC in Pöllau

Foto: (c) Peter Goda |