
Salzburg (kath.net)
Es ist ein nicht zu leugnendes Faktum, daß die Kirche in Mitteleuropa auseinanderzudriften droht. Genauer gesagt: viele Kirchenglieder und ganze Ortskirchen entfernen sich immer mehr von ihrem eigentlichen Zentrum, von Christus ebenso wie vom Apostolischen Stuhl als Wahrer und Garant der Einheit mit Christus. Diese innere Entfernung vom Zentrum wird zunehmend auch äußerlich sichtbar, beispielsweise in der Art und Weise, wie man auf manche Personalentscheidungen auf verschiedensten Ebenen reagiert, ganz speziell auch auf päpstliche Bischofsernennungen. Diese innere Loslösung vom Zentrum des Katholischen ist gewiß kein neues Phänomen: schon mehrmals nahmen Kirchenspaltungen in Mitteleuropa ihren Beginn, und auch die derzeitige Bewegung ist nicht erst neulich entstanden, sondern zeichnete sich bereits seit gut fünf Jahrzehnten ab und konnte sich dennoch beinahe ungehindert entwickeln, da sie systematisch ignoriert wurde.
Unter einem falschen Begriff von Liebe, Toleranz und Freiheit wurde vieles geduldet, was eigentlich unter die Aufsichtspflicht der Pfarrer und Bischöfe fallen würde. Die Früchte dieser vielleicht gutgemeinten, aber dennoch falschen Unterlassungen werden nun reif und zeigen sich in einer aggressiv-anarchischen Mentalität, deren im Grunde gottlose Fratze nun, da sie einen gewissen Stand gewonnen hat, viele einzuschüchtern versucht, Amtsträger genauso wie einfache Gläubige.
Vielfach wird der Ruf nach einer Dezentralisierung laut, wobei im Grunde nicht eine äußere Dezentralisierung gemeint ist, sondern eine innere Loslösung vom Glauben der katholischen Kirche. In der inneren Distanz zum Apostolischen Stuhl macht sich eine tiefgreifende Glaubenskrise deutlich bemerkbar. Denn wo der Glaube derselbe ist, ergibt sich ganz von selbst und auf eine sehr natürliche Weise eine innige und tiefe Verbundenheit mit dem Heiligen Stuhl. Ist diese Einheit nicht mehr gegeben, so ist dies ein allarmierendes Zeichen daß auch im Glauben etwas unterschiedlich geworden ist.
Dezentralisierung ist in manchen Bereichen möglich, aber an Bedingungen geknüpft
Eine Dezentralisierung als solche ist an sich in gewissen Bereichen gewiß möglich, und kann unter Umständen sogar sinnvoll sein. „Unter Umständen“ ist deshalb anzufügen, weil gewisse Bedingungen erfüllt sein müssen, damit diese einen Nutzen und keinen Schaden bringt. Dezentralisierung ist von daher weder in sich gut noch in sich schlecht, sondern deren Qualität bemißt sich sehr stark nach den jeweiligen Begleitumständen. Deshalb sollte man weder eine große Zentralisierung noch eine großzügige Dezentralisierung als einen Dauerzustand betrachten, sondern mehr als eine Art Pulsieren: je nach Umständen kann ein größerer oder ein geringerer Zentralismus sinnvoller sein, und was einmal sinnvoller Weise mehr an die Ortskirchen übertragen wurde, kann in späteren Zeiten aus einer Notwendigkeit heraus wieder mehr an den Heiligen Stuhl gezogen werden.
Ob ein starker Zentralismus oder eine weitgehende Dezentralisierung angezeigt ist, ist also nicht absolut, sondern hängt sehr stark von der jeweiligen Situation ab.
Dabei ist auch klar daß es Bereiche gibt, welche aus ekklesiologischen, oder aber mitunter auch aus rein praktischen Gründen nicht dezentralisiert werden können, da der Primat Petri eine dogmatische Grundgröße ist welche von Christus eingesetzt wurde und deshalb nicht aufgegeben werden kann, und manche praktische Angelegenheiten selbst zentral an einer Stelle geregelt werden müssen um effektiv zu sein. Ein gewisses Mindestmaß an Zentralismus ist also niemals unterschreitbar. Manch andere Belange hingegen können je nachdem entweder besser vor Ort geregelt werden, oder aber besser direkt vom Apostolischen Stuhl selbst.
Grundsätzlich sind zwei Begriffe von Zentralismus zu unterscheiden, ein innerer und ein äußerer. Der innere Zentralismus meint die innige und aufrichtige, konkurrenzlose und ergebene Einheit mit dem Apostolischen Stuhl im Allgemeinen und dem Heiligen Vater im Speziellen. „Rom“ bzw. „der Vatikan“, wie man oftmals etwas unpräzise sagt, muß das innige Herzzentrum, die eigentliche Heimat eines jeden Katholiken sein, und um so mehr aller geweihten Amtsträger, ganz speziell wenn sie wie auch immer geartete Leitungsaufgaben innehaben.
Das Papstamt ist der Garant der Einheit, und zwar nicht nur untereinander damit die Kirche nicht auseinanderfällt, sondern zuvor noch ist es der Garant der Einheit mit Christus weil es Garant der Einheit im Glauben ist. Indem Christus einen konkretisierbaren Stellvertreter auf Erden eingesetzt und seine Kirche auf diesen gebaut hat, hat er dieses Amt zum eigentlichen einheitsstiftenden Element gemacht: man kann nicht Christus lieben und seine Kirche die er selbst wollte ablehnen, und man kann auch nicht die Kirche annehmen wollen und den Papst ablehnen.
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Wer innerlich mit Christus vereint und im Glauben stark ist, der ist auch mit dem einheitsstiftenden petrinischen Amt und seinen ausführenden Organen zuinnerst vereint, welches Christus selbst für uns zur Auslotung seiner Kirche eingesetzt und mit deren Führung betraut hat.
Eine aufrichtige, innere Einheit mit Christus und dem Heiligen Stuhl im Allgemeinen wie im Konkreten (Kurie und Papst) ist daher indispensabel, es kann in diesem inneren Bereich keine legitime Dezentralisierung geben, da dies einer innerlichen Loslösung von der Kirche gleichkäme. Kirche bedeutet aber auch immer Christusgemeinschaft (oder anders ausgedrückt: Heiligkeit).
Nur wenn aus innerer Überzeugung gesagt werden kann, daß die römische Kurie nicht „die anderen“ sind, sondern man sich zumindest geistlich als cooperator in orbe, oder noch besser: als ein executor in orbe der Kurie versteht, mit welcher man sich durch ein großes Wir verbunden sieht und nicht durch ein Wir-Ihr-Verhältnis getrennt, nur dann ist der notwendige innere Zentralismus als Grundvoraussetzung gegeben, daß man an eine äußere Dezentralisierung denken kann.
Die Dezentralisierung setzt ein Handeln im Sinne des Zentrums voraus
Diese äußere Dezentralisierung kann unterschiedliche Bereiche umfassen, so etwa verschiedene exekutive Aufgaben, die Aufsichtspflicht, besondere Kompetenzen in der Partikulargesetzgebung und Durchführung der Universalgesetzgebung, usw. Dies ist sinnvoll, weil die Normen, welche der Heilige Stuhl für die Weltkirche erläßt so eine lokale Verfeinerung erfahren und auf die besondere Situation in einem bestimmten Gebiet effektiver angewandt werden können.
Auch ist es prinzipiell Sinnvoll, gewisse Kompetenzen etwa in der Aufsicht über die Lehre in Schule und Universität sowie im Bedarfsfalle deren Regulierung, an die jeweilige Ortskirche zu delegieren, da mit einer räumlichen Nähe auch eine detailliertere Kenntnis der Sachlage und der betreffenden Personen gegeben ist und das Korrektursystem feinmaschiger arbeiten kann. Ebenso kann vor Ort besser analysiert werden, wo die meisten Schwachstellen beispielsweise in der Auffassung in Fragen der Glaubens- oder Sittenlehre vorliegen, und man kann dann auf lokaler Ebene gezielter auf die vorrangigen Mängel eingehen, welche lokal sehr verschieden sein können. Eine rechte Dezentralisierung kann aber niemals eine inhaltliche Veränderung bedeuten, sondern allein eine lokale Verlagerung dessen, was ansonsten am Heiligen Stuhl geschähe.
All dies setzt aber die genannte Bedingung voraus, daß nämlich die Ortskirche innig in dem einen, selben Glauben an Christus mit dem Apostolischen Stuhl verbunden ist, und ganz in dessen Sinne, quasi an seiner statt, handelt. Dezentralisierung bedeutet deshalb, einer Ortskirche Kompetenzen zu übertragen, damit diese die universalen Normen noch weiter auf die Gegebenheit hin präzisiert und ganz im Sinne des Heiligen Stuhles agiert. Die Einheit mit dem Heiligen Stuhl ist das Merkmal der Einheit im Glauben als unabdingbare Kondition.
Doch wenn diese Voraussetzung nicht mehr gegeben und diese innere Einheit des sich Einsfühlens mit der römischen Kurie nicht mehr vorhanden ist, und sich in Folge dessen einzelne Ortskirchen immer weiter vom Apostolischen Stuhl wegbewegen und sich in eine Kontraposition zu diesem begeben, und die ihnen zugestandene Freiheiten und Privilegien sogar dazu ausnutzen, um gegen den Apostolischen Stuhl und dessen Intention zu agieren, dann muß neu überlegt werden, ob es nicht zum Schutz des Glaubens und des Seelenheiles der Gläubigen besser ist, die Strukturen wieder mehr zu zentralisieren wo sie früher vielleicht einmal zu Recht dezentralisiert wurden.
So hat es, um nur ein Beispiel zu benennen, seinen guten Grund, daß seit 2001 durch die Instruktion Liturgiam authenticam neuerdings auch die offiziellen diözesanen Gesangsbücher von den kompetente römischen Dikasterien rekognosziert werden müssen: man hatte nämlich die Erfahrung machen müssen, daß die zuständigen Hirten vieler Ortskirchen ihrer Aufsichtspflicht zur Reinerhaltung des katholischen Glaubensgutes nicht nachgekommen sind. Ebenso sind schwerste Mängel zu konstatieren was die Aufsichtspflicht über die Lehr- und Studienplänepläne anbelangt, sowie die Aufsicht über die effektive Lehre in Schule und Universität, oder auch die Predigt.
Wenn die Verantwortlichen der Ortskirche diese ihre Aufgabe und Pflicht nicht oder nur sehr ungenügsam wahrnehmen, dann ist es wünschenswert und erforderlich, daß der Heilige Stuhl diese Aufgabe wieder vermehrt selbst übernimmt.
Es wäre eigentlich ganz in dessen Sinne, nicht selbst aktiv werden zu müssen, sondern wenn derartige Angelegenheiten auf lokaler Ebene abklären zu können. Doch wenn dies nicht oder nur unzulänglich auf lokaler Ebene geschieht, dann muß es eben auf höherer Ebene geschehen.
Auch ist in diesem Sinne die Praxis mancher Bischofswahlen neu zu überdenken: manchen Bistümern wurde in der Vergangenheit zugestanden, ihre Bischöfe auf die eine oder andere Art und Weise selbst zu wählen. Dabei handelt es sich allerdings um ein zugestandenes Privileg, nicht aber um ein eigentliches Recht, wie es oftmals jedoch fälschlich dargestellt wird.
Nun hat sich aber in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, daß dieses Privileg der Bischofswahl, welche auch eine Form der Dezentralisierung darstellt, sich nicht mehr bewährt, weil man vielfach nicht mehr bestrebt ist im Sinne des Heiligen Stuhls zu agieren, sondern ganz im Gegenteil, man will neuerdings vermehrt, gerade auch durch die Ausnutzung derartiger Wahlprivilegien, die Wahl auf Kandidaten lenken, welche klar einen Gegenpart zum Apostolischen Stuhl darstellen.
Man will also nicht mehr im Sinne des Heiligen Stuhles handeln, sondern klar gegen diesen und sich von ihm soweit als möglich loslösen. Auch nationalkirchliche Tendenzen sind leider keine Seltenheit mehr. Ein generelles antirömisches Klima ist deutlich spürbar. Dies macht sich in zahlreichen Entscheidungen und schriftlichen Dokumenten auf lokalkirchlicher Ebene bemerkbar, ebenso wie in Handlungen und Aussagen nicht weniger kirchlicher Vertreter, bis hin zu Bischöfen und Kardinälen, welche teils recht subtil, teils aber auch deutlich und offen Positionen beziehen, welche eindeutig nicht im Sinne des Apostolischen Stuhles sind und de facto eine zumindest teilweise Loslösung von diesem propagieren.
Hier ist klar Spaltung und Trennung zu orten, die notwendige Einheit ist nicht mehr gegeben, welche doch Vorbedingung für dezentralisierte Strukturen ist.
In solch einer Situation wäre es höchst gefährlich, solche Strukturen beizubehalten oder gar noch weiter zu fördern. Es geht um nichts anderes, als um die Einheit der Kirche und die Wahrung des wahren Glaubens selbst. Wo antirömische Tendenzen gepflegt werden, will ein neuer, anderer Glaube etabliert werden, der nicht mehr der Glaube der katholischen Kirche ist.
Deshalb ist es auf Grund der gegenwärtigen romkritischen Lage das Gebot der Stunde, um der Einheit der Kirche und des Glaubens an Christus willen die äußeren Strukturen und Kompetenzen wieder mehr zu zentralisieren und weniger vor Ort entscheiden zu lassen, sondern mehr durch die kompetenten Stellen der römischen Kurie, ansonsten wird sich das spaltende Klima noch mehr ausweiten. Deshalb sind besonders gute, romtreue Personalentscheidungen so unsagbar wichtig!
Nicht weil eine starke Zentralisierung generell und immer so sein müßte, aber doch weil es die gegenwärtigen Umstände so verlangen sollte man diese unbedingt wieder mehr fördern.
Zahlreiche Gläubige haben auf Grund des Verhaltens und der Entscheidungen, aber auch der Unterlassungen ihrer Hirten jegliches Vertrauen in die Ortskirche verloren weil sie merken, daß durch die Hirten selbst ein Keil zwischen die Gläubigen und den Heiligen Stuhl getrieben werden soll. Das beginnt bei der Mariatroster/Königsteiner Erklärung, welche bis heute nicht eindeutig zurückgenommen wurde und hört auf bei Initiativen, Veröffentlichungen und Interviews von Geistlichen bis hin zu Bischöfen. Es mangelt weitgehend an der notwendigen inneren Einheit mit dem Apostolischen Stuhl, und deshalb können auch dezentralisierte Strukturen keine guten Früchte tragen, im Gegenteil, sie werden dadurch sogar zur Gefahr.
Deshalb wäre eine stärkere Zentralisierung auf den Apostolischen Stuhl hin eine notwendige Komponente jener Medizin, welche die Glaubenskrise unserer Zeit zu heilen imstande ist.
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