
Wiesbaden/Bonn (kath.net / idea) Die Zahl der gemeldeten Abtreibungen in Deutschland ist im vergangenen Jahr gesunken. Wie das Statistische Bundesamt am 11. März in Wiesbaden mitteilte, wurden 110.700 Abtreibungen verzeichnet. Das sind rund drei Prozent weniger als im Vorjahr.
Damit erblickte mehr als jedes sechste Kind nicht das Licht der Welt. Die meisten Abtreibungen gab es anteilsmäßig in Berlin. Dort kamen auf 1.000 Geborene 294,4 Abtreibungen. Auch in Bremen (292,7), Mecklenburg-Vorpommern (239,3) und Sachsen-Anhalt (238,3) wurden viele Kinder im Mutterleib getötet.
Am niedrigsten ist die Quote in Bayern (113,4) und Baden-Württemberg (125,5). Knapp drei Viertel (73 Prozent) der Frauen waren zum Zeitpunkt der Abtreibung zwischen 18 und 34 Jahre alt, 15 Prozent zwischen 35 und 39 Jahren, acht Prozent 40 Jahre und älter.
Die Zahl der Abtreibungen bei Minderjährigen ging um 8,2 Prozent auf 4.909 zurück. Davon war knapp jede zehnte Schwangere (8,1 Prozent) unter 15 Jahre alt.
Die meisten Abtreibungen (97 Prozent) im vergangenen Jahr wurden nach der Beratungsregelung vorgenommen. Eine medizinische oder kriminologische Indikation – wenn das Leben der Mutter bedroht ist bzw. eine Vergewaltigung vorliegt – war in drei Prozent der Fälle die Begründung für eine Abtreibung.
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Mehr Spätabtreibungen
Die Zahl der Spätabtreibungen stieg an. Nach der 12. Schwangerschaftswoche bleiben sie straflos, wenn bei einer vorgeburtlichen Untersuchung festgestellt wird, dass das Kind voraussichtlich schwer körperlich oder geistig geschädigt ist. Dem Statistischem Bundesamt zufolge wurden zwischen der 13. und 23. Schwangerschaftswoche 2.219 Abbrüche (+5,7 Prozent) vorgenommen und nach der 23. Woche 237 (+2,6 Prozent).
Im vergangenen Mai hatte der Bundestag eine Neuregelung bei den Spätabtreibungen beschlossen. Diese trat jedoch erst zu Beginn dieses Jahres in Kraft. Der Arzt muss die Schwangere ausführlicher und ergebnisoffen beraten und ihr den Kontakt zu einer Beratungsstelle vermitteln. Damit Frauen ihre Entscheidung nicht überstürzt treffen, müssen zwischen Diagnose und möglicher Abtreibung mindestens drei Tage liegen.
Hohe Dunkelziffer
Der Bundesverband Lebensrecht sieht trotz des Rückgangs der gemeldeten Abtreibungen keinen Grund zur Entwarnung. Man müsse die Zahl der Abtreibungen und die der Frauen im gebärfähigen Alter in Beziehung setzen, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Martin Lohmann (Bonn), gegenüber idea. Dann ergebe sich ein anderes Bild.
Jede Abtreibung sei eine zuviel. Es gebe nur ein Recht zum Leben, aber kein Recht zum Töten. Gleichzeitig warf Lohmann die Frage auf, wie viel Schuld die Männer an der hohen Zahl der vorgeburtlichen Kindestötungen tragen. Abtreibung sei nicht nur ein Frauen-, sondern auch ein Männerthema. Lebensrechtsgruppen gehen ferner von einer Dunkelziffer bei der Abtreibung aus. Da Ärzte nicht alle Schwangerschaftsabbrüche melden müssten, wird geschätzt, dass die tatsächliche Zahl zwischen 200.000 und 250.000 pro Jahr liegt.
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