| 10. März 2010, 13:06 | ‚Über die klare Meinung des Papstes besteht kein Zweifel’
|

| „Ich habe den Eindruck, die Deutschen Bischöfe tun in dieser Situation das, was möglich ist. Sie verhalten sich sehr klug.“ Kardinal Kasper im Interview mit Radio Vatikan über die aktuellen Missbrauchsfälle.

Vatikan (kath.net/RV) Die Missbrauchsfälle seien von der Kirche entschieden angegangen worden, sagte Kardinal Walter Kasper im Interview mit Radio Vatikan. Die Fälle würden nicht allein die katholische Kirche betreffen. Kardinal Kasper will auch ein kürzlich wiedergegebenes Interview richtig stellen: Er hat im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in Deutschland nie von Entschädigungen gesprochen.
RV: Herr Kardinal, in den vergangenen Tagen sorgte in Deutschland die Debatte zum Thema „Missbrauch“ für Schlagzeilen. Die katholische Kirche war natürlich sehr davon betroffen. Ihre Einschätzungen dazu?
„Es ist ein trauriges Thema und erfüllt uns mit Scham, dass solche Dinge in katholischen Einrichtungen vorgekommen sind und dass Kinder missbraucht wurden. Dass dies verwerflich ist, darüber kann überhaupt keine Frage bestehen. Dass dies auch aufgeklärt werden muss, ist völlig klar.
Ich habe den Eindruck, die Deutschen Bischöfe tun in dieser Situation das, was möglich ist. Sie verhalten sich sehr klug. Ich habe dazu kürzlich Stellung genommen und zwar in einer italienischen Zeitung [„La Repubblica“, Anmerkung der Redaktion].
Die Wiedergabe war allerdings sehr frei. Vor allem habe ich kein Wort gesagt zu möglichen oder erforderlichen Entschädigungen. Das ist eine juristische Frage, die völlig außerhalb meines Gesichtskreises und meiner Zuständigkeit ist. Dazu habe ich kein Wort gesagt.“
Sie kennen die katholische Kirche in Deutschland sehr gut. Sie wissen auch, dass in der Vergangenheit bereits Anti-Missbrauchsmaßnahmen ergriffen wurden. Was halten Sie von den bisherigen Richtlinien?
Werbung
„Die katholische Kirche in Deutschland ist die einzige Institution, die dazu Richtlinien erlassen hat. Diese kann man jetzt aufgrund der Erfahrungen sicherlich verbessern. Fakt ist aber, dass wir bereits Richtlinien haben. Nun müssten auch alle anderen Institutionen, die davon betroffen sind, solche Maßnahmen ergreifen. Denn Missbrauch ist kein katholisches, sondern ein gesellschaftliches Problem. Jetzt muss man also gemeinsam zusammensitzen und überlegen, was man für die Prävention tun und wie man den Opfern helfen kann.“
Und wie ist es aus Vatikan-Sicht? Der Vatikan ist ja nicht schweigsam oder unternimmt nichts in Sachen Missbrauch. Auf Weltkirchenebene gibt es doch Richtlinien.
„Selbstverständlich hat der Vatikan mehrfach Stellung dazu genommen. Das war so, als die Missbräuche in den Vereinigten Staaten in den Schlagzeilen waren und in Irland die Fälle bekannt wurden. Der Vatikan unterstützt selbstverständlich die Ortsbischöfe. Über die klare Meinung des Papstes zu dieser Frage besteht kein Zweifel.
Es ist leider ein völlig falscher Zungenschlag hereingekommen über die deutsche Bundesjustizministerin. Ich habe den Eindruck, sie kennt das Kirchenrecht nicht. Sie kann nicht unterscheiden, was kirchenrechtliche Zuständigkeit und staatliche Kompetenzen sind. Das sind unterschiedliche Rechtskreise und Vorgänge.
Selbstverständlich ist es so, dass dort, wo es notwendig ist, eine Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften gefördert wird. Schweigemauern werden nicht von der Kirche aufgebaut. Ich habe gewisse Erfahrungen als Bischof gesammelt. Ich hatte damals meinen Personalreferenten zu den Eltern geschickt, wo Vorwürfe da waren. Die Eltern schwiegen, obwohl wir sie gedrängt hatten, dass sie reden sollten. Diese Vorwürfe gegen die katholische Kirche, dass wir nicht zusammenarbeiten würden und Schweigemauern aufbauen, sind völlig absurd und außerhalb der Welt.“
Themenwechsel: An diesem Sonntag wird Papst Benedikt XVI. die lutherische Gemeinde in Rom besuchen. Sie sind im Vatikan für die Ökumene – und auch für den Dialog mit dem Luthertum – zuständig. Ihre Einschätzung zu diesem Besuch, der ja auch für Deutschland sicherlich wichtig ist?
„Ich freue mich über diesen Besuch. Die Visite ist ein Ausdruck der gewachsenen Zusammenarbeit und Nähe zwischen uns und den lutherischen Christen in Deutschland und der lutherischen Gemeinde hier in Rom. Es ist eine gute und freundschaftliche Beziehung, die der Papst zum Ausdruck geben möchte. Er leistet zugleich einen Beitrag zur weiteren Verbesserung des Verhältnisses zu den lutherischen Christen, die in Deutschland sind.
Der Dialog mit den Lutheranern war ja einer der ersten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Dieser Dialog hat wesentliche Fortschritte gemacht. Man denke hierbei an die Rechtfertigungslehre. So hoffen wir, dass das eine Zukunftsperspektive eröffnet. Ich freue mich, am Sonntag dabei sein zu können.“ |
| | |
Lesermeinung
 | Xena am 15.3.2010 | 
 | @Bonifaz2010 Sie schreiben: >Daß unter Homosexuellen allgemein ein deutlicher Hang zur Promiskuität festzustellen ist, kann nicht bestritten werden.<
Schalten sie mal nachmittags den Fernseher ein und schauen sich eine beliebige Talkshow an, dann werden sie feststellen, dass Heterosexuelle mindestens genauso promisk sind, wie sie es den Homosexuellen unterstellen.
Es wird einfach immer und überall verallgemeinert. Das dient sicher nicht einer sachlichen Diskussion. | | |
| | resetlam02 am 11.3.2010 | 
 | Das Verhalten der deutschen Bischöfe Die deutschen Bischöfe würden sich noch klüger verhalten, wenn sie in ihren öffentlichen Verlautbarungen nicht so täten, als wäre sexueller Missbrauch und der Umgang damit ein Ordens- und Klosterproblem. Geradezu bewundernswert wäre es, wenn sie durch ihr Verhalten zeigen würden, dass sie sich im Kirchenrecht auskennen und die Gegebenheiten im Umgang mit Orden und Klöstern beachten.
Dazu ein Beispiel aus München (Spiegel-online):
„Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hat mangelnde Aufklärungsbereitschaft in der Kirche eingeräumt: ‚Es gab sicher Tendenzen in der Vergangenheit, das Ansehen der jeweiligen Institution nicht zu beschädigen.’ In Klöstern gebe es möglicherweise eine ‚übertriebene Solidarität, die es schwer macht, über Negatives zu sprechen’, so Marx.“
Ein Blick ins eigene Ordinariat wäre für Erzbischof Marx eventuell ernüchternd.
Einen gewissen Mangel an Wissen und Information muss man leider auch unterstellen, wenn man liest (Frankfurter Rundschau), was der sogenannte Öffentlichkeitsreferent der Diözese Augsburg im Namen seines Herrn von sich gibt:
„Das Augsburger Bistum forderte Erzabt Jeremias Schröder zu ‚rückhaltloser Aufklärung’ der Vorfälle auf. Der Öffentlichkeitsreferent des Bistums, Dirk Hermann Voß, zeigte sich verwundert über ‚widersprüchliche Aussagen’ des Abts. …
… Voß betonte am Donnerstag: ‚Das Bistum erwartet vom Orden eine lückenlose und transparente Aufklärung der Vorwürfe.’ Dabei müssten ‚vor allem die Belange der Opfer in den Blick genommen werden’, mahnte der Sprecher des Augsburger Bischofs Walter Mixa.“
Dann müsste sich der Bischof auch derartige öffentliche Zurechtweisungen nicht bieten lassen (wieder Frankfurter Rundschau): „Klostersprecher Wind verwahrte sich gegen diese Ermahnungen. Das Kloster sei rechtlich unabhängig und nicht dem Bischof unterstellt.“
Die Diskussion über Homosexualität, die hier im Forum geführt wird, finde ich weder zielführend für die Kirche noch der Situation angemessen.
Lieber Bonifaz2010 - Sie setzen hier mit Bestimmtheit Thesen in die Welt, die einer seriösen Untersuchung nicht standhalten. Das geschieht in einem Ton, der nicht gerade Ausdruck einer notwendigen christlichen Nächstenliebe für Menschen mit homosexuellen Neigungen ist. | | |
| | Bonifaz2010 am 10.3.2010 | 
 | @ catolica Es trifft zu, daß auch Homosexuelle zur Keuschheit verpflichtet sind. Schaffen sie das aber auch? Daß unter Homosexuellen allgemein ein deutlicher Hang zur Promiskuität festzustellen ist, kann nicht bestritten werden. Die menschliche Erfüllung fehlt eben bei homosexuellem Verhalten. Das ist halt nichts. Können so veranlagte Menschen wirklich enthaltsam sein? Es kann einer vielleicht zehn Minuten lang auf einem Bein stehen, aber nicht sein ganzes Leben.
Außerdem zieht es nicht in erster Linie "normale" Homosexuelle in den Priester- und/oder Ordensstand, sondern offenbar bevorzugt solche, die gerne mit männlichen Teenagern sexuell verkehren und hierfür in der seelsorgerlichen Arbeit mit Jugendlichen ein reiches Betätigungsfeld sehen.
Daß die Ehelosigkeit für homosexuelle Männer kein Opfer darstellt, da sie sowieso nicht heiraten können/wollen, sei nur am Rande bemerkt. | | |
| | Calimero am 10.3.2010 | 
 | @Karlmaria du sagst: "Für mich ist ganz klar, dass das Schlagen von Schülern keine Sünde ist."
Dann ist das zurückschlagen wohl auch keine Sünde. Dann darf bald jeder jeden schlagen. Welcher Mensch soll entscheiden welches Schlagen ok ist und welches nicht?
Leider wird und wurde viel zu viel geschlagen. Und meistens nicht aus "pädagogischen Gründen" sondern um den schon Schwachen zu demütigen. Und das ist bestimmt eine Sünde. | | |
 | Karlmaria am 10.3.2010 | 
 | Klares Wort Seiner Heiligkeit? Bisher habe ich von Seiner Heiligkeit noch kein klares Wort zu dem Thema gehört, ob das Schlagen von Schülern Missbrauch oder gar sexueller Missbrauch ist.
Spätestens seit den Abtreibungsgesetzen wissen wir doch, dass das göttliche Gesetz und das weltliche Gesetz nicht gleich ist. Die Ungleichheit von göttlichem und weltlichem Gesetz hat es aber schon früher gegeben, als der Ehebruch straffrei wurde und Geldzahlungen an den geschiedenen Partner unabhängig von der Ehebruchfrage festgesetzt wurden und als ca. 1962 in Deutschland das Schlagen von Schülern verboten wurde. Ich war damals ca. 9 Jahre alt. Meine Mutter war auch Lehrerin. Sie hat schon damals gesagt, dass das Schlagen von Schülern deshalb verboten wurde, weil es von Experten als sexueller Missbrauch hingestellt wird.
Für mich ist ganz klar, dass das Schlagen von Schülern keine Sünde ist. Das Schlagen mit der Hand auf den nackten Hintern ist für mich auch keine Sünde, sondern nur unklug, weil es den Gegnern die Gelegenheit gibt, das als sexuellen Missbrauch hinzudrehen.
Ein klares Wort fehlt auch zu dem Thema, ob es aus Sicht Seiner Heiligkeit in Ordnung ist, Dinge wieder auszugraben, die vor 20 Jahren geschehen sind und wo sich die Täter in der Zwischenzeit bewährt haben.
Das ganze Thema Buße, Besserung und Bewährung vermisse ich bei dieser Diskussion.
Wenn ich nur daran denke, was ich vor 20 oder 30 Jahren gemacht habe.
Ich wäre übel dran, wenn es keine Buße, Besserung und Bewährung gäbe. | | |
| | catolica am 10.3.2010 | 
 | besser jetzt als nie und warum sollen homosexuell veranlagte männer nicht priester werden dürfen? sie müssen sich genauso ans zölibat halten wie heterosexuelle--auch hier genügend doppelmoral---ein patentrezept gibt es nicht,denn wir sind schwache menschen und sünder...aber es muss immer wieder die chance eines neuanfangs geben und das betrifft sicher auch die seminare. | | |
| | Bonifaz2010 am 10.3.2010 | 
 | Fragwürdig Das ist ja wunderbar: Zuerst sehen die Bischöfe der Bildung von Homo-Seilschaften in den Priesterseminaren und im Klerus jahrzehntelang tatenlos zu, aber wenn ihnen die Probleme irgendwann über dem Kopf zusammenschlagen, dann verhalten sie sich "sehr klug". Wäre es nicht klüger gewesen, die Bischöfe hätten sich beizeiten um die Zustände in ihren Seminaren gekümmert, anstatt die Dinge treiben zu lassen? Denn diese große Zahl von homosexuellen Klerikern, die für die Mißbrauchsfälle fast ausnahmslos verantwortlich sind, kommt doch nicht von ungefähr. Hier hat jemand nicht aufgepasst! Mich ärgert es, daß die Bischöfe für ihre Pflichtvergessenheit in den vergangenen Jahren keinerlei Kritik erfahren. Das Ansehen der Kirche sinkt weiter und weiter, so daß man nur hoffen kann, daß die Bischöfe wenigstens aus Schaden klug werden. | | |
Ihre Meinung Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikel müssen Sie sich bei bei kathLogin registrieren. Alle User von kathTube wurden bereits automatisch übernommen. Die Kommentare werden von Moderatoren überprüft und freigeschaltet.Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen. |