| 09. Februar 2010, 11:45 | Vatikan-Banker: 'Finanzkrise begann mit Geburtenrückgang'
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| Ettore Gotti Tedeschi erklärt, wie die internationale Finanzkrise aus seiner Sicht entstanden ist
Vatikan (kath.net/RV)
Dass der Präsident der Vatikanbank „IOR“ sich einmal in der Öffentlichkeit zu Wort meldet, ist sehr selten. Jetzt hat Professor Ettore Gotti Tedeschi dem Vatikanfernsehen ein Interview gegeben – und dabei erklärt, wie die internationale Finanzkrise aus seiner Sicht entstanden ist.
„Der wahre Ursprung der Krise – da habe ich persönlich keinen Zweifel – ist der Einbruch der Geburtenrate in den Ländern des Westens. In den siebziger Jahren sagten die so genannten Neo-Malthusianer [eine Schule von Wirtschaftstheoretikern, Anm d.Red] einmal voraus: Wenn die Bevölkerung so weiterwächst wie bisher, nämlich zwischen vier und 4,5 Prozent, dann werden vor dem Jahr 2000 Millionen von Menschen, vor allem in Asien und in Indien, an Hunger sterben... Das sagt doch alles über die Prognosefähigkeit vieler Wirtschaftssoziologen. In der Dritten, Vierten Welt konnte niemand die Bücher über die demographische Bombe lesen, und darum haben sie weiter in aller Ruhe Kinder bekommen – und haben ihre Lebensbedingungen sogar verbessert, dank der Fortschritte im Gesundheits- und Ernährungswesen.“
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Ganz anders sei die Entwicklung im Westen gelaufen: Stillstand des Bevölkerungswachstums – und damit nach Ansicht des Vatikan-Bankers die Notwendigkeit zu Strukturreformen. „Denn die Geburten gehen zurück, das heißt: Weniger junge Leute treten produktiv in die Arbeitswelt ein, und dafür gibt es mehr ältere Leute, die aus dem Produktivsystem ausscheiden und ein Kostenfaktor für die Gemeinschaft werden. Klar gesagt: Wenn die Bevölkerung nicht wächst, dann steigen die Fixkosten dieser wirtschaftlichen und sozialen Struktur oft dramatisch, je nachdem, wie sehr die Bevölkerungsstruktur ungleichgewichtig wird.
Die Gesundheits- und Sozialkosten steigen, Steuern können nicht mehr gesenkt werden, die Ersparnisse gehen zurück... Der Westen hat versucht, diesen Einbruch in seiner Entwicklung durch Finanzaktivitäten und Auslagerung der Produktion aufzufangen, und eine Weile ist das auch gutgegangen: Das System wächst dadurch, dass die Familien sich verschulden. Letztlich hat man an den Finanzmärkten versucht, das nachlassende Wachstum der Wirtschaft zu kompensieren – welches wiederum mit der Tatsache zusammenhängt, dass keine Kinder mehr geboren wurden...“
Die USA unter Präsident Barack Obama wollen nun die Banken für die Kosten der Finanzkrise haftbar machen: Obama will das Bankensystem ordnen und Manager-Boni begrenzen.
Aber Gotti Tedeschi hält das nicht für das Nonplusultra: „Ich glaube vor allem, dass es übertrieben ist, den Bankern und Finanzmanagern den Ursprung der Krise in die Schuhe zu schieben. Die Krise kommt nicht von den Banken und der Finanz: Sie haben die Krise zwar verschärft, wurden aber auch durch einige Regierungen darin ermutigt, obwohl allen die ganze Zeit über klar war, dass die Wachstumsrate, die der Kreditexpansion zugrunde lag, fiktiv war. Jetzt müßte es eher darum gehen, die Schuldenlast der Regierungen, der Familien, der Finanz- und Industrieinstitutionen zu verringern. Zurück zu akzeptablen Kriterien! Es gibt nur einen Weg, das wirtschaftlich-finanzielle Gleichgewicht wiederherzustellen – er heißt „austerità“, Nüchternheit, Einschränkung.“
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Lesermeinung
| | Robert44 am 13.2.2010 | 
 | @ bankster Ach wie einfach ist doch die neoliberale Welt und Morgan Stanley ist nur eine Fata Morgana. Ja die armen Banker, gar nix könnens dafür, lauter ehrenwerte Männer in einer ehrenwerten Gesellschaft deren wirkliches Wollen wir armen Äffchen vor unseren Medien nicht verstehen. Und fröhlich privatisieren wir die Gewinne und verstaatlichen die Verluste während wir dem meoliberalen Mantra lauschen das da lautet
" Weniger Staat, mehr privat und jeder kümmert sich um sich selber, Arm ist schlecht und Reich ist gut aber beide haben die gleichen Chancen " Ganz ganz schlecht sind Kirchen die soziale Gerechtigkeit einfordern, noch viel schlechter sind natürlich Gewerkschaften, denn wo kommen wir denn hin, wenn die Armen sich zusammenrotten um Rechte einzufordern die nur den Reichen zustehen. Das geht gar nicht, nie und nimmer. | | |
 | Bankster am 10.2.2010 | 
 | Politiker - nicht Banker sind die Verbrecher Tatsächlich werden hier einige wichtige Fragen gestellt. Aber auch wieder nur im Ansatz. Jedenfalls stimmt es, daß die wahrhaft Schuldigen, nämlich die verantwortungslosen Politiker und Zentralbanker, aber auch unser aller maßlose Gier nach unstillbarem Ausbau unseres Wohlstandes zu der Misere der jüngsten Finanzmarktkrise geführt hat. Die Banker werden nur als leicht vorzuführende Sündenböcke hergezeigt, um den Volkszorn zu besänftigen und die wahren Schuldigen zu verschleiern. In Wahrheit haben sie eine sehr gewünschte Rolle im Spiel der Politik gespielt.
Hauptschuld sind jene Politiker, die bereits vor fast 100 Jahren, die gedeckten Währung – die Deckung des Geldes war damals Gold und später, im Jahr 1971, das schon geschwächte aber immer noch etwas gedeckte Bretton Woods System, abgeschafft haben. Ersetzt wurde es durch das System des Fiat-Money (fiat steht für den frommen Wunsch des „es möge geschehen“ – ich glaube also daran, daß das Geld noch einen Wert hat aber ob es tatsächlich so ist, weiß ich nicht). Das hatte zu Folge, daß wir die Geldmenge durch einerseits das Drucken neuen Geldes durch die Notenbanken aber noch mehr durch das Vergeben von Krediten durch Geschäftsbanken, nahezu endlos ausweiten konnten. Diese Kredite haben dann alle möglichen und unmöglichen Investitionen und auch unseren heute auswuchernden Sozialstaat erst möglich gemacht. Hier wurde auf Kosten künftiger Generationen, die diese Schulden einmal abzahlen müssen, gelebt in Saus und Braus. Nun weiß aber jeder, daß man natürlich Schulden machen kann, aber eben nur bis zu einer gewissen Höhe (nämlich bis zur Überschuldung), ab der man dann nicht mehr genug Einkommen oder Vermögen hat, um diese Schulden noch zu bedienen – und dann geht man in Konkurs. Nicht so die Politik und die Staaten, zumindestens nicht so bald, denn die ersetzen alte Kredite (Staatsanleihen) mit immer neuen Krediten und weiten einfach die Geldmenge solange aus, bis die Inflation in ungeahnte Höhen springt und sie durch diese natürliche Geldentwertung einfach von selber aus den Schulden herauswachsen. Die Zeche zahlt hier der dumme kleine Sparer, dessen Erspartes immer weniger Wert wird…. Also eine versteckte Vermögenssteuer für den kleinen Sparer! Das rechnen wird dann zu der bereits jetzt exorbitant hohen Steuerbelastung des Mittelstandes (in Österreich real weit über 70% der Lohnsumme: Arbeitgeberanteile + Arbeitnehmeranteile + Sozialversicherung + Mehrwertsteuer + Mineralölabgabe + Kommunalsteuer/Gemeindeabgabe + Grundsteuer + Vignette, etc.) und damit wird dann auch noch der letzte Rest des Ersparten entwertet und wieder dem Verteilungskuchen nach oben hin zugerechnet (über den natürlichen Effekt der zeitlichen Trägheit der Inflationsanpassung durch die vertikale Wertschöpfungskette)
Kleines Beispiel gefällig: Als ich vor Einführung des Euro ins Kino wollte, habe ich ca. 70 Schilling für ein Kinoticket gezahlt – heute, nur 8 Jahre später, zahle ich für dasselbe Kinoticket bereits über 8 Euro und das sind über 110 Schilling. Das ist die Inflation und damit die Entwertung des Geldwertes.
Herrlich, wie wir alle wie kleine Äffchen vor unseren Medien sitzen und uns von unseren Politikern vorgaukeln lassen, daß die Welt doch in bester Ordnung ist und sie doch so viel für uns tun, während sie uns hinten herum ausnehmen wie eine Weihnachtsgans.
Aber natürlich sagen jetzt einige: immerhin bekommen wir dafür sozialen Frieden und allen geht es einigermaßen gut! Aber eine Lüge steht immer auf tönernen Füßen. Dieses trügerische Bild wird und muß einmal zusammenbrechen und das tragische Erwachen aus dem süßen Märchen wird umso schmerzhafter werden. Es gibt jetzt schon genug wissenschaftliche Arbeiten die zeigen, daß der moderne Sozialstaat europäischer Prägung, die innere Kohärenz der Gesellschaft durch die Zerstörung des ethischen Normgefüges, herbeiführt: In einer Form der Notwehr, um nicht mitgezogen zu werden, in den Sumpf des wachsenden Zahl der Armen (siehe jedes Jahr die offizielle Armutsstatistik) muß man staatliche Normen brechen, hintergehen und damit unethisch handeln (das tut jeder, der eine Putzfrau schwarz beschäftigt – und wer bitte meldet sie wirklich beim Finanzamt an und zahlt ihr damit gerne das Doppelte, der einen Pfuscher kommen läßt, der keinen Fahrschein in den Öffis kauft, der sein Vermögen in „legalen“ Vehikeln wie Stiftungen oder ausländischen Gesellschaften parkt, etc.).
Nobelpreisträger Gerry Becker hat mit seinen „Economics of the Family“ nachgewiesen, daß unser Sozialstaat, der uns erst unser Vermögen wegbesteuert, um es uns dann, über Familienbeihilfen und Kindergeld, in unzureichendem Maße wieder zurückzutröpfeln immer zu einer abnehmenden Kinderzahl führen wird. Niemals können derartige staatliche Beihilfen, bei gleichbleibendem Lebensniveau, die tatsächlichen Kosten von Kindern kompensieren. Daher wachsen die Opportunitätskosten einfach immer weiter an. Kinder sind in einem derartigen System unbequem und damit ungewollt. Er kommt zu dem Schluß, daß die beste Familienpolitik und Kinderförderungspolitik eben jene ist, keine derartige Politik zu haben, dafür aber den Menschen ihre Freiheit und ihr sauer verdientes Geld selber zur Verwaltung zu überlassen.
Wie lange werden wir noch zusehen, wie bei uns alles den Bach hinuntergeht, wie lange werden wir noch zuhören und uns von der Politik veräppeln lassen? Wie lange werden wir deren Lügen noch Glauben schenken? Und wann wachen wir endlich auf und nehmen unsere Zukunft wieder selber in die Hand? | | |
| | Apologet am 9.2.2010 | 
 | Empfehlenswert ist dazu mal die Reihe "Wie funktioniert Geld?" auf Youtube zu schauen. Link zu Teil 1 (von 3) unten.
Nicht durch die komische Geschichte und den "Sendung mit der Maus"-Erzählstil irritieren lassen. Die 10 Punkte erklären auf einfache, anschauliche und unterhaltliche Weise die wesentlichen Zusammenhänge unserer Geldordnung und Finanzsystems. weiter » | | |
| | Apologet am 9.2.2010 | 
 | @aqua Ja, so ist es. Der Zinseszins ist der eigentliche Grund warum eine große Finanzkrise nach einer bestimmten Zeit unausweichlich ist. Die Geldvermögen und Geldschulden wachsen wegen dem geforderten bzw. zu zahlenden Zinsen im Schnitt um 8% jedes Jahr an, während die Wirtschaftsleistung im Idealfall nur um die 2 % steigt. Da ist eigentlich klar, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt der Auseinanderentwicklung der exponentiell schneller wachsenenen "Geldmengen" von der langsamer wachsenden Wirtschaftsleistung, die nicht durch Wirtschaftsleistung gedeckten Schulden bzw. Forderungen irgendwie "weg" müssen. Entweder durch Hyperinflation entwertet oder in einen deflationäre Crash als uneinbringlich ausgebucht werden inkl. Pleitenwelle beginnend bei den am höchsten verschuldeten Privatleuten, Firmen, Banken und Staaten und sich langsam durchfressend zu den weniger verschuldeten.
Die Währungsreform war aber bisher immer die letzte Möglichkeit und die letzte aller möglichen Reformen. Sie kommt er wenn das Geld nix mehr wert ist und/oder die Wirtschaft total am Boden ist. Davon sind wir (noch) weit entfernt. Sieht so aus als ob aus den 60 Jahren dank allerlei Tricks seitens der Zentralbanken und Politik diesmal 65 bis 70 Jahre werden. Das Ergebnis und die möglichen Lösungen des Grundproblems (nämlich: durch Wirtschaftsleistung nicht mehr gedeckte Schulden bzw. Forderungen) bleiben aber die gleichen.
Wenn jetzt tatsächlich zwangsweise die Schuldenlast zurückgefahren werden sollte (wie im Artikel als Lösung vorgeschlagen), können wir uns auf eine jahrzehntelange deflationäre Depression freuen, den ohne neue Schulden können die Zinsen auf die heutigen Schulden gar nicht bezahlt werden! Folgen siehe oben, nämlich Pleitenwelle. | | |
| | aqua am 9.2.2010 | 
 | Geldordnung Er kennt die Wirkung der Zinseszinsen nicht, die automatische Umverteilung zu den wohlhabenden 10% der Haushalte. Eine Umverteilung, die mit dem Alter der Volkswirtschaft immer rascher verläuft. So wird jeweils nach ca. 60 Jahren eine Währungsreform unausweichlich. | | |
 | m sr a am 9.2.2010 | 
 | Realwirtschaftliche Faktoren können nie der Grund für eine Finanzkrise sein.
Tedeschi beschreibt die Ursachen für eine Wirtschaftskrise.
Austerità ist im beleuchteten Komplex nicht die Antwort, sondern die Bindung der Realwirtschaft an zinsgebundene Kredite aufzuheben. | | |
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