
Bethlehem (kath.net/KIN)
Rund 30 Kilometer liegen zwischen Bethlehem und Ramallah im Westjordanland. Kein weiter Weg – eigentlich. Tatsächlich ist die Distanz viel größer, voller Stolperfallen, Gräben und anderer Hindernisse. Zumindest legt eine Episode das nahe, die den schwelenden Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern Ende Oktober einmal mehr in die Schlagzeilen der internationalen Presse brachte: Berlanty Azzam, eine 21-jährige palästinensische Studentin, war an einem der zahlreichen Kontrollpunkte im Westjordanland von israelischen Soldaten verhaftet worden.
Der jungen Christin, die an der Bethlehem Universität Betriebswirtschaft studiert und kurz vor ihrem Abschluss steht, wurde vorgeworfen, sich illegal im Westjordanland aufzuhalten. Der zierlichen jungen Frau wurden Handschellen angelegt und die Augen verbunden. Anschließend wurde die angehende Betriebswirtin stundenlang festgehalten und schließlich gegen ihren Willen in den Gazastreifen gebracht, wo ihre Familie wohnt.
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Ihre Hochschule in Bethlehem darf die Studentin nicht mehr besuchen; der Transfer von Gaza wird ihre verwehrt. Inzwischen wird der Fall vor Gericht verhandelt. Berlanty Azzam will zurück, um ihr Studium abzuschließen. Sie verweist auf eine gültige Erlaubnis, die ihr bei Studienantritt 2005 die Einreise ins Westjordanland erlaubte, wo sie seitdem wohnte. „Seit 2005 bin ich nicht mehr in den Gazastreifen gefahren, um die Familie zu besuchen, weil ich fürchtete, zum Studium nicht mehr zurück zu dürfen“, erklärt Berlanty Azzam. Am Tag ihrer Verhaftung war die 21-jährige zu einem Vorstellungsgespräch nach Ramallah gefahren.
Die Bethlehem Universität unterstützt die junge Frau in ihrem Bemühen, und beklagt, dass die Bewegungsfreiheit der Studierenden beständig eingeschränkt werde. Israelische Menschenrechtsgruppen halten es für grundsätzlich unzulässig, die Reisefreiheit zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland einzuschränken. Israel begründet das rigide Vorgehen durch das Militär mit Sicherheitsinteressen. Politische Beobachter gehen davon aus, dass so die räumliche Spaltung zwischen Gazastreifen und Westjordanland sowie die ideologische zwischen den verfeindeten Palästinensergruppen Hamas und Fatah verfestigt werden soll.
Die Bethlehem Universität wurde 1973 gegründet. Die katholische Hochschule bietet heute alle klassischen Studiengänge an, für Sprachen, in Naturwissenschaften, Wirtschaft und Tourismus sowie Gesundheit. Gegenwärtig sind an der Bethlehem Universität rund 3.500 Studentinnen und Studenten verschiedenster Religionen und christlicher Konfessionen eingeschrieben; an Weiterbildungsprogramm für Postgraduierte nehmen knapp 11.000 Frauen und Männer teil. Die Vorlesungen und Seminare werden in Bethlehem, Jerusalem, Ramallah, Qubeibeh, Gaza, Hebron, Amman sowie online angeboten. Das internationalen katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT unterstützt die Bethlehem Universität seit Jahren finanziell.
Foto: (c) KIN |