
Vatikanstadt (kath.net/KNA)
Papst Benedikt XVI. traf am Samstag im Vatikan mit rund 260 Künstlern aus aller Welt zusammen. Der deutsche Regisseur und Filmemacher Philip Gröning war einer von ihnen. Der 50-Jährige, der 2005 mit dem Film «Die große Stille» über das Leben der Kartäuser für Aufsehen sorgte, äußerte sich in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Rom über die Begegnung.
KNA: Herr Gröning, wie war es beim Papst?
Gröning: Leider war die Akustik sehr schlecht, so dass wir von der Ansprache wenig verstanden haben. Ich hatte noch keine Zeit, die englische Übersetzung zu lesen. Als Grundbotschaft nehme ich mit, dass der Papst gesagt hat, die Kirche brauche die Künstler. Schön fand ich auch, was er über die Beziehung zwischen der Schönheit und dem Transzendenten gesagt hat.
KNA: Ist damit das Eis zwischen Kunst und Kirche gebrochen?
Gröning: Es war ein bisschen der Duktus dieser Veranstaltung, wir als zeitgenössische Künstler müssten uns von der Kirche aufgenommen fühlen. Das müssen wir gar nicht. Kirche und Kunst müssen aufeinander zugehen, und das hießt: von beiden Seiten. Das hat heute vielleicht begonnen.
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KNA: Erzbischof Gianfranco Ravasi als Präsident des Päpstlichen Kulturrats sprach von einem Dialog. Dafür war diese Begegnung wohl nicht der richtige Rahmen.
Gröning: Dass es eine monologische Veranstaltung würde, war klar. Das ergibt sich aus der Funktion des Papstes und aus der Menge der Teilnehmer. Der Dialog muss auf den Ebenen darunter beginnen - so wie Ravasi und ich ein bisschen miteinander gesprochen haben. Das Treffen wird Folgen haben. Bill Viola zum Beispiel stellt für die Saint Paul's Cathedral in London ein Altarkunstwerk als Videoinstallation her. Das sind Prozesse, die langsam beginnen. Der Papst kann das nur anstoßen. Wir Künstler und die Kirchenverantwortlichen vor Ort müssen es fortführen.
KNA: Ein Vortrag in der Sixtinischen Kapelle, Musik aus dem 16. Jahrhundert - war das ein gelungenes Setting für den Dialog mit der zeitgenössischen Kunst?
Gröning: Das Setting war großartig, ein Symbol für den jahrtausendealten Dialog zwischen Kunst und Kirche und für den gemeinsamen Ursprung von Kunst und Religion. Es war eine große Geste, uns alle dorthin einzuladen, um zu sagen: Die Kirche braucht Künstler, die nach dem Transzendenten forschen. Gerade die Fresken Michelangelos in der Sixtina stammen von jemandem, der in tiefen Konflikten steckte, und diese Konflikte machen die Tiefe seiner Kunst aus. Das muss der auch Ausgangspunkt für die Begegnung zwischen Kirche und Kunst sein: Gerade Künstler, die Konflikte mit der Kirche haben, können tiefgehende Werke schaffen.

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