
Rom (kath.net/DieWelt)
Auch im Vatikan wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Heute wird sich die alte Weisheit beim Treffen Benedikt XVI. mit Rowan Williams zur Mittagszeit wieder besonders bestätigen. Es ist der erste Besuch des Erzbischofs von Canterbury beim Papst nach dessen spektakulärem Angebot vom 9. November, übertrittswilligen Gemeinschaften der weltweiten „Anglican Communion“ zukünftig ein quasi dauerhaftes Asyl unter dem Dach der katholischen Kirche unter Beibehaltung ihrer Liturgie und Tradition zu gewähren. Auch danach aber sind bei dieser Begegnung ernste Kontroversen zwischen dem Oberhaupt der katholischen Kirche und dem Oberhaupt der „Anglican Communion“ nicht zu erwarten. „Alle werden sich bald im Gegenteil wundern“, sagte ein intimer Kenner der Hintergründe indes im Vatikan, „um welche Zahlen es eigentlich geht, die von dem Angebot des Vatikans Gebrauch machen werden.“ Alles, was bisher dazu genannt wurde, sei jedenfalls weit übertrieben. Dem Schritt Roms komme prinzipielle Bedeutung zu; vor allem sei er als Antwort auf viele entsprechende Anfragen zu verstehen.
Ein Aderlass der Anglikanischen Gemeinschaften sei danach aber durchaus nicht zu befürchten. Ähnlich entspannt und entsprechend freundlich hatte sich in den letzten Tagen auch schon Erzbischof Williams in der ewigen Stadt über die „special relationship“ zwischen Rom und Westminster geäußert. Das „ökumenische Glas ist halbvoll“, sagte er lächelnd in der Päpstlichen Universität Gregoriana, wo Kardinal Walter Kasper vom päpstlichen Einheitsrat ihn am Donnerstag einen „Freund“ nannte. Den Prozess der konfessionellen Aussöhnung könne man demnach so oder so sehen, wie manche in einem halbvollen eben auch ein halbleeres Glas erkennen mögen. Was den Fortgang der Ökumene betrifft, sieht er den Ball hingegen eindeutig im katholischen Feld, um es sportlich auszudrücken. Rom müsse die Anglikaner überzeugen, warum rechtliche Gründe für die anhaltende Trennung und das strikte Festhalten am Vorrang des Nachfolgers Petri unter allen Bischöfen immer noch mehr Gewicht in dem Prozess einer Annäherung haben sollten, als der schon zurückgelegte Weg über die Verständigung vieler Streitfragen. Die strittigen Priester- und Bischofsweihen für Frauen freilich ließen sich nicht mehr antasten, da sie in ihrem Verständnis von der Gleichheit aller Getauften längst fest verankert seien.
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Auf die päpstliche Konstitution „Anglicanorum coetibus“, die Anglikanern den kollektiven Übertritt zur Kirche Roms ermöglicht, ging er gar nicht erst ein und das ist verständlich. Denn die Gelassenheit des Erzprimas hat auch noch andere, ganz praktische Gründe. Darunter fällt etwa die Ankündigung Roms, dass das Angebot an übertrittswillige Anglikaner keine „Carte Blanche“ sei, sondern an eine sorgfältige Prüfung aller Einzelfälle gekoppelt werde. Dabei mögen sich im Detail zwar keine Teufel finden, aber eben auch nicht nur Heilige nach dem Vorbild Kardinal Henri Newmans, des Schutzpatrons aller anglikanischen Konvertiten. - John Anthony Hepworth etwa, Primas der australischen „Traditional Anglican Communion“ mit 400.000 Mitgliedern (die den päpstlichen Schritt besonders begrüßt haben), war schon einmal katholischer Priester, aber auch zweimal verheiratet und geschieden und hat drei Kinder. Vielleicht sollte hinter dem römischen Ghetto in der Kirche Santa Maria in Campitelli also doch besser die Tradition der regelmäßigen Messen „für die Bekehrung Englands“ wieder belebt werden, für die König James III. der Basilika im Jahr 1751 eine große Summe gestiftet hat – und von der da inzwischen nur noch eine „Ökumenische Bitte“ an die Gottesmutter „für die ganze Kirche Christi und im besonderen für unsere Brüder und Schwestern der Anglikanischen Gemeinschaft“ übrig geblieben ist. Amen.
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