
Freising (kath.net)
Die Dringlichkeit eines Dialogs von Christen verschiedener Kirchen und Konfessionen hat der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper unterstrichen wie Renovabis miteilt. Der Dienst an der Einheit der Kirche sei auch ein Dienst am Frieden in der Welt, in Europa und im je eigenen Volk, sagte Kasper am Donnerstag (3. September) beim 13. Internationalen Kongress Renovabis in Freising. Ökumene sei kein Luxus, der zum normalen kirchlichen und pastoralen Geschäft hinzukomme, so der Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen. Vielmehr sei Ökumene eine wesentliche und zugleich höchst aktuelle Verpflichtung der Kirche und aller Christen: „Sie ist heute eine Grundbedingung, damit Europa Zukunft haben kann.“
Kasper verwies darauf, dass Europa „irgendwie“ der Atem ausgegangen sei. Das gelte nicht nur im Blick auf den politischen Integrationsprozess, sondern noch mehr hinsichtlich der religiösen, geistigen und moralischen Grundlagen Europas. Dort sei das Christentum immer mehr am Verdunsten. Damit verleugne Europa nicht nur seine Geschichte, es habe auch die Hoffnung auf seine eigene Zukunft aufgegeben. „Europa muss sich an seine Geschichte erinnern und so aus dem christlichen Glauben neue Zuversicht schöpfen“, machte der Kardinal deutlich. Das wiederum könne nur eine gemeinsame, eine ökumenische Aufgabe sein: „Nur so kann Europa mit beiden Lungenflügeln atmen.“ Mit Blick auf das ökumenische Gespräch der Kirchen im östlichen und westlichen Teil Europas nannte Kasper zwei Voraussetzungen für den Erfolg: Beide Seiten müssten sich von Vorurteilen frei machen, und der Westen müsse seine eigene Geschichte neu studieren. Insgesamt aber seien die Kirchen auf einem „sehr guten“ ökumenischen Weg.
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Dieser Feststellung schloss sich der Metropolit der rumänisch-orthodoxen Metropolie von West- und Südeuropa, Erzbischof Joseph (Pop) an. Der Dialog zwischen Christen unterschiedlicher Kirchen und Konfessionen sei eine alltägliche Realität, so Erzbischof Joseph. Damit erinnerte er an die Situation der rund drei Millionen Rumänen orthodoxen Glaubens, die im westlichen Teil Europas oft als konfessionelle Minderheit leben. Auch Erzbischof Joseph ließ keinen Zweifel daran, dass die Kirchen gemeinsam Verantwortung für den Kontinent übernehmen müssten.
Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth hatte zuvor seinen Wunsch bekäftigt, dass der Kongress ein Zeichen der Hoffnung für die Überwindung der kirchlichen Spaltung setzen möge. Er bezog sich dabei auf das Grußwort des Erzbischofs von München und Freising, Reinhard Marx. Darin spricht Marx davon, dass es den Christen nicht zur Ehre gereiche, dass sie im 21. Jahrhundert noch immer um die Einheit ringen würden. Damit gäben sie einer Welt, die auf der Suche nach Orientierung sei, ein schlechtes Beispiel. Mehr denn je empfänden Christen in Ost und West die jahrhundertealten Trennungen als schmerzlich: „Darin sehen sie einen eklatanten Widerspruch zum Wunsch Jesu ‚Alle sollen eins sein’.“ –
Noch bis Samstag (5. September) werden sich knapp 400 Teilnehmer aus 30 europäischen Ländern beim Renovabis-Kongress mit dem Thema „Einheit suchen – Vielfalt wahren. Ost und West im ökumenischen Gespräch“ auseinandersetzen.
Foto: (c) Christoph Hurnaus |