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10. August 2009, 11:34
‚Es war der Augenblick, in dem mein Unglaube zusammenbrach’














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  THEMA 'Heilige'

Als die heilige Edith Stein, die “Gesegnete vom Kreuz”, zum ersten Mal dem Kreuz begegnete. Von Barbara Wenz.

Köln (kath.net/ elsalaska.twoday.net ) Auf den meisten Fotos von Edith Stein blickt uns eine herbe Schönheit entgegen, streng gescheitelte Haare, kaum ein Lächeln, mit tiefen und durchdringenden dunklen Augen. Ein Gesicht, das sich dem Betrachter eigentümlich verschließt. Auf den letzten beiden Fotos, die von ihr erhalten sind - sie trägt die Tracht und den Schleier der Teresianischen Karmelitin - ist das auffallend anders.

Es scheint, von dem Moment, an dem sie, Atheistin, aber im jüdischen Glauben erzogen, die erste Begegnung mit dem Kreuz machte und im Karmel lernte, es immer fester zu umarmen, ihr ganzes Wesen zu strahlen zu begann. Die beiden Bilder berühren durch die offensichtliche bedingungslose Liebe und das Licht, das die hl. Teresia Benedicta ausstrahlt. Sie stehen in einem schrecklichen Kontrast zur Art, in der sie zu Tode kommen musste: Entweder in den Gaskammern Auschwitz-Birkenaus oder bei "medizinischen" Versuchen - wie Unterkühlungsexperimente -, die dort stattgefunden haben.

Wir dürfen uns vorstellen, dass Schwester Teresia Benedicta noch in den letzten Minuten ihres Lebens anderen Todgeweihten betend und tröstend beistand, mit jener Zuversicht auf die Auferstehung, die aus ihrem Antlitz scheint und der Gewissheit, dass Jesus Christus selbst seine Braut an die Hand genommen und zu sich geführt hat.

Viele Konvertiten wie die heilige Edith Stein können im Rückblick einen zentralen Moment erkennen, der den Impuls gab, sich aufzumachen und den Weg, der sich da öffnet, manchmal zögernd, manchmal mutig, weiterzugehen. Bei Edith Stein ist dieser Moment ihres Lebens die Begegnung mit Anna Reinach, tiefgläubige protestantische Christin, im Kriegsjahr 1917. Anna Reinach war nach sehr kurzer, äußerst glücklicher Ehe mit ihrem Mann Adolf, Privatdozent für Philosophie, zur Kriegswitwe geworden.

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Sie bat daraufhin Edith Stein, nach Göttingen zu kommen, um bei der Sichtung des wissenschaftlichen Nachlasses von Professor Reinach behilflich zu sein. Edith Stein wollte das sehr gerne tun, aber wie vermutlich die meisten Menschen in solch einer Situation fürchtete sie die Begegnung mit der verzweifelten Witwe. Was kann man tun, sagen, wie soll man sich verhalten angesichts einer solchen Tragödie? Kann es angesichts eines solchen Verlustes überhaupt Trost geben?

Edith Stein machte sich in der Erwartung nach Göttingen auf, eine völlig gebrochene Anna Reinach vorzufinden, der sie, noch dazu als Nichtgläubige, keine große menschliche Hilfe sein konnte. Doch es sollte völlig anders kommen. In Göttingen öffnete eine strahlende, unerhört zuversichtliche - weil an das Kreuz und die Auferstehung glaubende - und starke Frau ihr die Türe. Die hl. Edith Stein schreibt später, kurz vor ihrem Tod, sehr hellsichtig über diesen Moment:

"Es war dies meine erste Begegnung mit dem Kreuz und der göttlichen Kraft, die es seinen Trägern mitteilt. Ich sah zum erstenmal die aus dem Erlöserleiden Christi geborene Kirche in ihrem Sieg über den Stachel des Todes handgreiflich vor mir. Es war der Augenblick, in dem mein Unglaube zusammenbrach, das Judentum verblaßte und Christus aufstrahlte: Christus im Geheimnis des Kreuzes. Darum konnte ich auch bei meiner Einkleidung keinen anderen Wunsch äußern, als im Orden 'vom Kreuz' genannt zu werden."

Drei Jahre später kam es bei einem Aufenthalt in Bergzabern, im Hause Conrad-Martius, zum alles entscheidenden Erlebnis. Das befreundete Ehepaar ist außer Haus und Edith greift sich aus dem Bücherschrank die Autobiografie der Teresa von Avila und liest, so wird überliefert, das Buch in einer einzigen Nacht ganz durch. "Das ist die Wahrheit!", soll sie ausgerufen haben - und dieser Satz ist umso bemerkenswerter, weil ihn eine ausgebildete Philosophin und atheistische Jüdin ausgesprochen hat.

Edith Stein kauft sich einen Katechismus und ein Missale und studiert den katholischen Glauben, den sie in eben jener Augustnacht entschlossen hat, anzunehmen. Als sie den Bergzaberner Pfarrer bittet, sie zu taufen, der jedoch zögert, weil er glaubt, sie bräuchte vorher noch Unterricht, fordert sie ihn auf, sie doch einfach auf der Stelle zu prüfen. Edith Stein, ans Studium gewohnt, hat sich gut vorbereitet und bleibt ihm keine Antwort schuldig. Am 1. Januar 1922 empfängt sie das heilige Sakrament der Taufe in der Pfarrkirche St. Martin in Bergzabern, kurz darauf dort auch ihre erste Hl. Kommunion.

   

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