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12. März 2009, 12:35
'Man kann das Lehramt der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren'














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  THEMA 'BenediktXVI'

Die offizielle Erklärung von Vatikansprecher P. Federico Lombardi zum Papstbrief

Vatikan (kath.net/RV)
Der Brief von Papst Benedikt zum Trubel um die Lefebvre-Anhänger wurde am Donnerstag im Vatikan offiziell vorgestellt. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi gab zu dem Papstschreiben einige Erklärungen ab. Wir veröffentlichen den Text des Jesuitenpaters (der auch Generaldirektor von Radio Vatikan ist) im vollem Wortlaut auf deutsch.

Erklärung des Briefes von Papst Benedikt XVI. zur Rücknahme der Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfe vom vatikanischen Pressesaal.

Warum und wann ist der Brief geschrieben worden?

Um - nach einer Diskussion von unvergleichlicher Vehemenz - ein klärendes Wort über die Intention des Papstes und der Organe des Heiligen Stuhls zu sprechen und um so einen Beitrag für den Frieden in der Kirche zu leisten –
Geschrieben wurde der Brief in der zweiten Hälfte Februar, vor Beginn der Exerzitien.

Die Fehler oder Pannen, die dazu beigetragen haben

Der Fall „Williamson“, also das Missverständnis, dass durch die Rücknahme der Exkommunikation der Weg der Versöhnung zwischen Christen und Juden verlassen würde. Der Papst anerkennt einen Informationsmangel und dankt den Juden, die das Missverständnis erkannt und die Vertrauensatmosphäre wieder hergestellt hätten.
Mangelnde Klarheit bei der Vorstellung von Bedeutung und Grenzen der Aufhebung der Exkommunikation.

Bedeutung und Grenzen des Schrittes von 21. Januar 2009

Die Exkommunikation betrifft Personen und nicht Institutionen. Bischofsweihen ohne Erlaubnis bedeuten die Gefahr eines Schismas. Daher werden die betroffenen Personen mit der sehr harten Strafe, der Exkommunikation, bestraft, um sie so zur Einheit zurück zu rufen. Nachdem die Betroffenen grundsätzlich die Vollmacht des Papstes anerkannt hatten, zielt die Rücknahme der Exkommunikation dem gleiche Ziel: die Einladung der vier Bischöfe zur Einheit.
Die Institution St. Pius-Bruderschaft hat aber aufgrund der Lehre keinen kirchenrechtlichen Status. Solange die Lehrfragen nicht geklärt sind, üben auch ihre Amtsträger legal kein Amt in der Kirche aus.

Die Zukunft der Kommission „Ecclesia Dei“ und ihre Beziehung zur Bruderschaft Pius X.

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Da die grundlegenden Fragen lehrmäßiger Art sind, wird die Kommission Ecclesia Dei mit der Glaubenskongregation verbunden und ihre Entscheidungen werden von ihren kollegialen Organen in ihren Versammlungen entschieden (unter Einbeziehung der Präfekten der anderen Kongregationen und des Episkopates).

Die Fragen betreffen vor allem die Anerkennung des 2. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramtes der Päpste. Was die Pius-Bruderschaft betrifft: “Man kann das Lehramt der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren.“ (also vor dem 2. Vatikanum).

Was die Verteidiger des 2. Vatikanums betrifft: „Das 2. Vatikanum trägt die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich. Man kann die Quellen, von dem der Baum lebt, nicht abschneiden.“

War die Rücknahme der Exkommunikation wirklich notwendig?

Auf diese Frage antwortet der Papst in zwei Absätzen:
Die wahren und großen Prioritäten des Pontifikates sind von ihm von Anfang an klar unterstrichen worden:

Die Menschen zu Gott führen, zu dem Gott, der in der Bibel spricht und sich in Christus geoffenbart hat.
Die Einheit der Christen, Ökumene
Der interreligiöse Dialog mit allen, die an Gott glauben, um den Frieden zu suchen.
Das Zeugnis der Liebe in der sozialen Dimension des christlichen Glaubens (Deus Caritas est)


Der Papst fährt dann fort: Wenn einerseits der mühevolle Einsatz für Glaube, Hoffnung und Liebe die wirkliche Priorität ist, so sind doch andererseits auch ein Teil davon die „kleinen und mittleren Versöhnungen“ wie die mit der Pius-Bruderschaft.

Der Papst geht dann von dem Faktum aus, dass „die Geste einer ausgestreckten Hand Ausgangspunkt für einen großen Lärm und so genau zum Gegenteil von Versöhnung wurde“ und er stellt eine Reihe von Fragen, um nach - den Kriterien des Evangeliums - zum Nachdenken anzuregen.

War und ist es wirklich so verkehrt, in diesem Fall die Versöhnung zu suchen, mit einem „Bruder, der etwas gegen dich hat“ – wie es in Bergpredigt heißt?

Muss nicht auch die Zivilgesellschaft die Radikalisierungen überwinden (es gibt auch gute Erfahrungen mit Gemeinschaften, die von Rom getrennt waren).
Kann es uns gleichgültig lassen, eine so große Gemeinschaft wie die Pius-Bruderschaft wegziehen zu lassen? (bei vielen ihrer Priester sind doch Dimensionen der Liebe zu Christus und der Wunsch ihn zu verkünden)
Auch wenn es bei Repräsentanten der Bruderschaft offene Defekte gibt, wie Hochmut, Besserwisserei, Einseitigkeit, so muss man doch auch die Verfügbarkeit von anderen anerkennen. Muss sich die Großkirche nicht großmütig zeigen, offen, langatmig im Glauben und selbstkritisch angesichts der internen Fehler.


Zum Schluss gibt es einen starken Satz, eine wahre Herausforderung für das Gewissen auch bei strikten Kriterien für die Geste des Papstes und seiner Intentionen (innerhalb und außerhalb der Kirche): „Manchmal hat man den Eindruck, dass unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe braucht, der man keinerlei Toleranz schuldig ist, gegen die man ganz friedlich Hass schleudern darf. Und wer sie anzurühren wagt– in diesem Fall der Papst – auch der verliert das Recht auf Toleranz und auch er kann ohne Scheu und Reserve mit Hass bedacht werden.“
Der Brief schließt mit einer leidenschaftlichen Reflexion des Apostels Paulus über die Liebe als Erfüllung des Gesetzes und über die Warnung vor der Versuchung, sich „gegenseitig zu beißen und zu verschlingen“ (Galater 5,13-15) – als falsch verstandene Freiheit. Diese Versuchung gibt es auch heute in der Kirche – schreibt der Papst – wir dürften uns darüber nicht wundern, sondern müssen ihr widerstehen und immer neu die absolute Priorität der Liebe lernen. „Der Herr beschütze uns alle und führe uns auf dem Weg des Friedens.“

Übersetzung: P. Eberhard v. Gemmingen SJ, Radio Vatikan

Das Schreiben im Wortlaut





Foto: (c) kath.net

   

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