
Wien (kath.net/imabe) Das aktuelle Vatikan-Schreiben zu Fragen der Bioethik, Dignitas Personae, stelle einen „wichtigen Beitrag zur Kultur des Lebens“ dar und bietet „klare Richtlinien für aktuelle Probleme der biotechnologischen Forschung“, erklärt IMABE-Direktor Univ.-Prof. Dr. Johannes Bonelli.
Das Wiener „Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik“ (IMABE) hat sich seit 20 Jahren zum Ziel gesetzt, den Dialog zwischen Medizin und Ethik zu fördern, und zwar auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes.
Unter dem Titel "Dignitas Personae" („Die Würde der Person“) hat der Vatikan vergangenen Freitag ein neues Schreiben präsentiert, das sich mit aktuellen Fragen der Bioethik auseinandersetzt. Das Dokument auf KATH.NET im Wortlaut.
„Dignitas Personae“ begründe die Position der katholischen Kirche aus einer vorwiegend philosophisch-anthropologischen Perspektive, nämlich aus der unantastbaren Menschenwürde, die jedem Individuum der Spezies Mensch von der Befruchtung bis zum Tod zukommt, erklärt Bonelli. „Nicht selten wird versucht diese Argumentation als religiös motiviert zu etikettieren und sie dadurch für den zivilen Diskurs zu disqualifizieren. Diese Kritik ist aber alles andere als sachlich und redlich.“
Die Instruktion zeige in aller Schlichtheit, dass durch die Technik der künstlichen Befruchtung der Mensch zum Objekt technischer Rationalität gemacht wird, das heißt an sich zum Instrument und Mittel eines technischen Prozesses, was dem Konzept der Menschenwürde diametral widerspricht.
Das Dokument ermuntere zugleich die Wissenschaft, Wege zu beschreiten, die der Menschenwürde entsprechen. Naturgemäß greife das Schreiben jene Methoden auf, die aus ethischer Sicht nicht vertretbar sind. Diese Perspektive habe jedoch eine klare Intention: „Hinter jedem ‚Nein’ steht ein großes ‚Ja’, das die unveräußerliche Würde und den Wert jedes einzelnen unwiederholbaren Menschen anerkennt – eine Botschaft, die viele Menschen positiv annehmen werden“, sagte Bonelli.
Der Text der Glaubenskongregation basiert auf der bereits 1987 erschienenen Instruktion Donum vitae („Über die Achtung vor dem beginnenden menschlichen Leben und die Würde der Fortpflanzung“), in der das – damals noch junge – Thema der künstlichen Befruchtung und seine ethischen Probleme behandelt wurden.
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Im Mittelpunkt des ethischen Nachdenkens über die neuen biotechnologischen Möglichkeiten stehe „ein großes Ja zum menschlichen Leben“, betont das Schreiben der Glaubenskongregation. Das Dokument will jene kulturelle Perspektive stärken, die in der Wissenschaft einen „wertvollen Dienst (…) an der Würde jedes Menschen sieht“ (Art. 3). Die Würde als Person und sein unantastbarer Wert müsse jedem Menschen von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod zuerkannt werden. Dies gelte auch für den „embryonalen Menschen“, der „ganz Mensch und ganz als solcher zu achten“ (Art. 5) sei.
Das Dokument betont erneut die Ablehnung der künstlichen Befruchtung, unter anderem deshalb, weil kein Interesse am Lebensrecht jedes einzelnen Embryos bestehe. Im Gegenteil: Auf eine Lebendgeburt komme eine große Zahl von bewusst geopferten Embryos (Selektion, PID, Mehrlingsbefruchtungen usw.). In keinem anderen Bereich der Medizin würde „eine Gesundheitsbehörde eine Technik mit einer so hohen Rate an negativen, tödlichen Ausgängen“ zulassen, kritisiert das Schreiben.
In Bezug auf das Einfrieren von Embryonen (Kryokonservierung) kritisiert der Vatikan das Verfahren als unvereinbar mit der Achtung, die den menschlichen Embryonen geschuldet ist (Art. 18). Die Kongregation greift die Frage des Schicksals von Abertausenden tiefgefrorenen Embryonen auf. Vorschläge, diese für die Forschung zu verwenden oder für therapeutische Zwecke einzusetzen, bezeichnet sie als ethisch unannehmbar (Art. 19). Die Variante einer „pränatalen Adoption“ sei zwar der Absicht nach „lobenswert“, stelle aber keine Lösung dar. Tatsache bleibt, dass durch die In-vitro-Fertilisierung Embryonen zu Tausenden „verworfen worden sind“, was eine „faktisch irreparable Situation der Ungerechtigkeit“ schaffe.
Weiters verurteilt das Dokument scharf die Präimplantationsdiagnose (PID), deren Ziel die Selektion und Vernichtung „verdächtig“ gewordener Menschen ist. „Die Würde kommt jedem einzelnen Menschen in gleicher Weise zu“, unterstreicht dagegen die Kongregation. Kranke und behinderte Personen seien keine „Sonderkategorie“, Diskriminierungen dieser Art seien „unsittlich und rechtlich unannehmbar“ (Art. 22).
Keimbahntherapie, menschliches Klonen und genetisches Enhancement verwirft das Dokument. Es begrüßt hingegen die möglichen Gentherapien an Körperzellen und die Forschung mit adulten Stammzellen. Ein klares Nein gibt es zur Gewinnung von Stammzellen aus Embryonen. Diese bedeutet zugleich die Vernichtung der Embryonen und damit „die Vernichtung menschlicher Lebewesen, die dieselbe Würde besitzen wie andere Menschen und die Forscher selbst“ (Art. 32).
Das IMABE-Institut feierte am 21. November 2008 sein zwanzigjähriges Bestehen mit einem hochkarätigen Symposion im Erzbischöflichen Palais in Wien. IMABE sei ein „Pilotprojekt, das zur richtigen Stunde entstanden ist“, erinnerte der St. Pöltener Bischof Klaus Küng bei der Eröffnung des Symposiums.
Kardinal Christoph Schönborn bedankte sich bei den Verantwortlichen des Instituts „für die hervorragende Arbeit über so viele Jahre“. Der Zweite Nationalratspräsident und jetzige Außenminister Michael Spindelegger brachte ebenfalls seine Wertschätzung für die Arbeit von IMABE zum Ausdruck. „Angesichts der vielen Möglichkeiten, die die medizinische Wissenschaft aufzeigt, tun sich Spannungsfelder auf“, sagte Spindelegger. IMABE sei in dieser Hinsicht für die Politik ein wesentlicher Wegbegleiter bei Entscheidungen. Gerade angesichts der rasanten Entwicklungen in der Biotechnik müsse man Schranken und ethische Grenzen setzen, etwa in der Forschung mit embryonalen Stammzellen oder beim Thema Euthanasie.
Einig waren sich die Referenten, dass alle Heilberufe einer heilenden Beziehung des Respekts und der Fürsorge bedürfen. Das Leitbild des leistungsfähigen, souveränen Menschen sei aber eine problematische Ausgangslage für eine gute Medizin geworden, da Krankgewordensein kein Störfall sei, sondern zum Menschen dazugehöre. Welche Implikationen dies für Menschenbild, Arzt-Patienten-Verhältnis und die Ökonomie im Gesundheitswesen hat, analysierten die beiden deutschen Medizinethiker Giovanni Maio (Freiburg) und Stephan Sahm (Offenbach), die Plastische Chirurgin Hildegunde Piza, der Theologe Matthias Beck, Hauptverbandsdirektor Josef Kandlhofer und Spitalsholdingmanager Michael Heinisch (alle Wien) sowie die beiden Ärztlichen Direktoren Franz Harnoncourt (Linz) und Reinhard Lenzhofer (Schwarzach).
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