
London (kath.net/idea)
Mit scharfen Angriffen gegen Finanzspekulanten sind die beiden führenden Geistlichen der anglikanischen „Kirche von England“ an die Öffentlichkeit gegangen. Der Erzbischof von York, John Sentamu, bezeichnete sie als „Bankräuber“, und der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, meinte, Karl Marx habe zumindest mit seiner Kritik an einer Vergötzung des Kapitalismus Recht gehabt.
In einem Interview mit der Londoner Zeitung Times forderte Sentamu eine juristische Untersuchung des britischen Banken- und Finanzsystems. Der frühere Richter in seinem Heimatland Uganda sagte vor Londoner Bankern, es habe den Anschein, als ob die Finanzmärkte ihre Regeln aus dem Märchen „Alice im Wunderland“ bezögen. Ursprünglich habe Großbritannien seine Wirtschaftskraft aus der Güterproduktion geschöpft; Geld sei lediglich ein Handelsmittel gewesen. In jüngster Zeit sei das Geld selbst zum Handelsgegenstand geworden. Damit habe man das System an den Rand des Ruins getrieben. Der Erzbischof zitierte das Bibelwort „Geldgier ist eine Wurzel allen Übels“ (1. Timotheus 6,10) und sagte, niemand könne sich davon freisprechen, dem „falschen Gott des Geldes“ gehuldigt zu haben: „Wir sind alle in diesen Tempel gegangen, der Geld genannt wird.“
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Kapitalismus als Mythologie
Auch Erzbischof Williams warnte vor einer Vergötzung des Geldes. Marx (1818-1883) habe schon zu seiner Zeit beobachtet, wie ein ungezügelter Kapitalismus sich in eine Art Mythologie verwandelt habe, die leblosen Dingen eigenständige Kraft zuschreibe. Damit habe er Recht gehabt. Wenn man selbstgemachten Dingen eine scheinbar unangreifbare Pseudo-Autorität verleihe, dann sei dies Götzendienst. Davon sollte man sich fernhalten, mahne die Bibel.
In der Wochenzeitung Spectator plädierte Williams ferner für Transparenz und Regulierung der Finanzmärkte; sie dürften sich nicht selbst von allen Regeln freisprechen. Das gelte nicht nur für die jetzt verbotenen „Leerverkäufe“, bei denen man aus Wetten auf den Niedergang Profit schlägt. Leitbild müsse das Gemeinwohl sein.
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