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19. August 2008, 11:44
‚Wir wollen die Gesellschaft verändern‘














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  THEMA 'Politik'

Interview mit Dr. Alfons Adam / „Die Christen“ (DCP) über das Antreten bei der österreichischen Nationalratswahl und christliche Politik.


Neulengbach (kath.net)
KATH.NET: Derzeit sammelt die Partei "Die Christen" Unterschriften für das Antreten bei der Nationalratswahl Ende September. Wird man die notwendigen Unterschriften schaffen? Wie ist der Zwischenstand?

ADAM: Noch fehlen uns in einigen Bundesländern die notwendigen Unterstützungserklärungen. Gerade in Wien und Salzburg sind wir noch ein schönes Stück vom Ziel entfernt. Wir wissen aber aus Erfahrung, dass es sich oft erst in den letzten Tagen entscheidet, ob eine Kandidatur möglich ist. Deshalb bitten wir unsere Freunde, auch jetzt noch eine solche Unterstützungserklärung zu unterfertigen und bis spätestens 21. August 2008 an uns zu schicken.

KATH.NET: Sollte das Antreten gelingen, bleibt die Frage, was man sich für ein Ziel gesetzt hat?

ADAM: Unser Ziel ist es natürlich, die Vier-Prozent-Hürde zu überspringen und in den Nationalrat zu kommen. Wir können aber auch schon zufrieden sein, wenn wir die Ergebnisse der Landtagswahlen in NÖ und Tirol übertreffen. Damit hätten wir uns dann österreichweit als politische Kraft etabliert.

KATH.NET: Ist in Österreich die Vier-Prozent-Hürde für Kleinparteien ohne große Medienunterstützung überhaupt schaffbar?

ADAM: Natürlich ist es leichter, mit medialer Unterstützung rasch Wahlen zu gewinnen, wie man an Dinkhauser in Tirol sieht. Wir setzen auf den persönlichen Kontakt mit den Menschen. Wir wollen nicht nur kurzfristige Wähler gewinnen, sondern die Gesellschaft verändern.

Dazu müssen wir aber an die Menschen direkt herantreten. Wir haben dazu die Aktion "Christ will kommen" gestartet. Jeder, der will, kann einige politisch interessierte Freunde und Bekannte zu einer Gesprächsrunde einladen, bei der sich dann einer unserer Kandidaten der Diskussion stellt.

KATH.NET: Die Christen fordern seit einigen Monaten die Einführung eines Müttergehalts. Was erwartet man sich davon und wie sieht dies konkret aus?

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ADAM: Derzeit werden Familien in Österreich richtiggehend ausgebeutet. Kinder zu haben ist in Österreich immer noch die häufigste Ursache für Armut. Man muss bedenken, dass das durchschnittliche Lebenseinkommen eines Menschen, egal ob Mann oder Frau, um rund 400.000 Euro sinkt, wenn er ein Kind bekommt. Nicht berücksichtigt ist dabei, dass er sein ohnehin geringeres Einkommen noch mit den Kindern teilen und zusätzliche Pflegeleistungen erbringen muss.

Die Einführung des Müttergehalts würde die Ungerechtigkeit gegenüber den Familien etwas mildern. Den Müttern wird die Leistung, die sie für die Gesellschaft erbringen, zumindest teilweise abgegolten. Dieses Müttergehalt bedeutet somit die gesellschaftliche Annerkennung des für die Zukunft unseres Volkes so wichtigen Berufes der Mutter und bietet den Frauen eine neue Freiheit.

Es wäre auch die wirksamste „flankierende Maßnahme“ im Zusammenhang mit der Fristenlösung, weil ja immer behauptet wird, dass die meisten Abtreibungen auf die finanzielle Notlage der schwangeren Frauen zurückzuführen seien. Mit einem Müttergehalt nach unseren Vorstellungen müsste keine Frau aus finanzieller Notlage heraus ihr Kind töten.

KATH.NET: Sollen Christen sich eigentlich in der Politik engagieren oder ist das nicht ohnedies ein "dreckiges Geschäft", das man den anderen überlassen sollte?

ADAM: Es ist unbedingt notwendig, dass sich Christen in der Politik engagieren, ob das nun ein „dreckiges Geschäft“ ist oder nicht. Vorbehalte gegen ein solches Engagement gibt es vor allem unter Katholiken. Unsere Freunde, die aus der Reformation oder Orthodoxie kommen, kennen solche Bedenken nicht. Seit Pius XII. werden katholische Laien von den Päpsten aufgefordert, sich in die Politik einzubringen. Ganz besonders und ganz konkret von Johannes Paul II. und Benedikt XVI.

Und man kann aus gutem Grund sagen, dass nach unserem Glauben die Politik in unserem Leben sehr wichtig ist, weil sie alle unsere Lebensbereiche prägt. Insbesondere will ich mich hier auch auf das Mariazeller Manifest (1952) berufen, in dem das "katholische Volk" dazu aufgerufen wird, sich für eine freie Kirche in einer freien, wohlgeordneten Gesellschaft einzusetzen und insbesondere zur Wahrung der Rechte der Familie eine radikale Steuerreform, ein Familienlohn und ein Lastenausgleich gefordert wird.

Ausdrücklich wird festgehalten, dass die Kirche nicht eine Kirche der Sakristeien oder des katholischen Ghettos sein kann, sondern mit dem Staat und allen Ständen, Klassen und Richtungen zur Durchsetzung des gemeinsamen Wohles zusammenarbeiten muss. In „Lumen Gentium“ lesen wir, dass es in besonderer Weise Aufgabe der Laien ist, alle zeitlichen Dinge so zu durchleuchten und zu ordnen, dass sie immer Christus entsprechend geschehen (31) und die Einrichtungen und Verhältnisse der Welt, da wo Gewohnheiten zur Sünde aufreizen, so zu heilen suchen, dass alles nach der Norm der Gerechtigkeit umgestaltet wird und der Ausübung der Tugenden eher förderlich als schädlich ist (36).

Auf diese Weise sollen wir Laien die Kultur und die menschlichen Leistungen mit sittlichem Wert erfüllen und gleichzeitig das Ackerfeld der Welt besser für den Samen des Gotteswortes bereiten. Ich verstehe dies so, dass jeder, der nicht zum Priester- oder Ordensstand berufen ist, mitverantwortlich für die politische Entwicklung unseres Landes ist.

Das Interview führte Roland Noé.

www.diechristen.at



   

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