
München (kath.net/idea)
Ist das noch Unterhaltung? Seit Mitte Juli strahlt RTL sonntagabends die wortwörtlich flächendeckende ‚Rundumerneuerung’ der Schauspielerin Brigitte Nielsen in einer deutschen Klinik für Schönheitsoperationen aus. Man schaut sich – wenn man es denn tut – die Folgen mit einer Mischung aus Faszination und Fassungslosigkeit an, und es stellt sich ein mulmiges Gefühl in der Magengegend ein.
Frau Nielsen, Ex-Ehefrau des Filmstars Silvester Stallone, fühlt sich – entgegen ihres Alters (44) und deutlicher Zeichen eines vehement geführten Lebens – wie 30. Sie ist vor laufender Kamera fest entschlossen, den Zustand ihres Körpers diesem Gefühl passend machen zu lassen.
Das Ganze geschieht sehr nah, sehr persönlich und sehr drastisch. Sie steht da mit ihrem gealterten un-perfekten Körper, und ein Filzstift kennzeichnet auf Bauch, Oberschenkel, Brustbereich und Gesicht, wo Eingriffe erfolgen sollen. Wenn dieses Thema bisher als voyeuristischer Promi-Klatsch-Aufhänger viele geneigte Zuschauer bedient hat, so kippt die Art der Darstellung und Kommentierung ins Sympathieweckende und Erstrebenswerte. Und damit ins gefährlich Normale. Unterlegt mit wunderschönen Pop-Balladen.
Alles wieder straff
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Brigitte Nielsen sagt, es sei so, als würden Handwerker ein altes Haus in Schuss bringen. Der Vergleich hinkt, und er suggeriert, dass die körperliche Renovierung in Ordnung ist. Die Eingriffe erfolgen in anstrengend kurzen Abständen. Nach kurzer Zeit tritt sie im Bademantel wieder vor die Kamera, „ein bisschen müde“, auch angestrengt, aber sie lacht, sie witzelt, und sie vertritt den „guten Zweck“: ihr Ziel, bald wieder 30 zu sein.
Der ganz normale Wahnsinn. Eine Hochrechnung über alle geplanten Maßnahmen verschafft einen realistischen Überblick: alles in allem 66.000 Euro, und alles hängt wieder hoch und sitzt fest!
Einfach gruselig
Flankiert wird das Ganze von Küsschen (vom Nielsen-Klinikarzt) vor und nach den Eingriffen und einer familiär anmutenden Atmosphäre. Ihr jüngerer Ehemann reist zur seelischen Unterstützung an, ihre Kinder kommen sie besuchen, und ihre beiden Hunde dürfen die ganze Zeit über in ihrer Nähe sein. Eines der Tiere stirbt, und wir haben teil an ihrer großen und echten Trauer, die sich mit dem frisch gestrafften Gesicht aber nur eingeschränkt ausdrücken lässt. Man könnte den Klinikaufenthalt – fast – eine richtig schöne Zeit nennen, wenn da nicht ein Ausspruch des Arztes wäre, als er beschreibt, was bei der Gesichtsstraffung abläuft: „Wir lösen die Haut komplett vom Muskelgewebe, und dann ziehen wir sie nach hinten.“
Fertig. Einfach. Einfach gruselig. Wie findet Gott uns?
Erschreckend ist, dass von dieser Sendung ein Sog auf die Zuschauer ausgeht: Wie wäre es, wenn die eigenen Mundwinkel mit Kerben nach unten nicht mehr da wären? Wie wäre es, wenn die Augenränder, die sich irgendwann nicht mehr mit Make-up zucremen lassen, verschwänden? Wie wäre es, wenn ein beginnendes Schlupflid – schwupps – wieder hochzeigen würde?
Nur einmal so durchgespielt, und schon beginnt die Unzufriedenheit mit dem Status Quo. Schlimmer noch: Solche Sendungen vermitteln ein „Recht“ auf Maßnahmen. Sie entwerten, welche persönlichen Erlebnisse unsere Gesichtszüge geprägt haben. Im Fall Nielsen werden 20 Jahre eines Lebens einfach ausgeblendet. Und das alles, um – wie sie sagt – „für immer 30“ zu sein, ein- für allemal unerreichbar zu werden für den Schöpfergedanken Gottes, der uns genau so individuell gewollt hat und vollkommen findet, wie wir aussehen. 1. Mose 2,27 und 31: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde ... Und Gott sah an was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr (!) gut.“
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