
Rom (www.kath.net / tagespost) Es hätte auch bei einem leichten Nieselregen bleiben können. Aber
der Himmel kannte keine Gnade. Dreimal steigerten sich bei Blitz und Donner
die Wassermengen von oben: zur Gabenbereitung, zurKommunion und zur
Osterbotschaft "Urbi et Orbi" des Papstes.
Da strömte das kühle Nass an
einigen Stellen des Petersplatzes schuhhoch über die Pflastersteine den
Abflüssen zu.
Und die Tausenden, die nun doch Schutz unter den Kolonnaden suchten,
verkeilten sich mit ihren aufgespannten Regenschirmen in die Regenschirme
der Eintreffenden, die erst jetzt auf den Petersplatz drängten, um den
päpstlichen Ostersegen zu erhalten.
Während das Fernsehen Bilder von einem
Papst in die Welt ausstrahlte, der hinter Regenfäden stehend in 63 Sprachen
frohe Ostern wünschte, herrschte unter den Kolonnaden Kampfgetümmel.
Der frühe Ostertermin, das schlechte Wetter - mancher Wirt schimpfte dieses
Jahr rund um den Vatikan über das vergleichsweise schlechte
Feiertagsgeschäft. Auch viele Römer waren zuhause geblieben und sahen auf
den Bildschirmen, was in diesen Tagen die eigentliche Überraschung war:
Während der Ostervigil im Petersdom hatte Papst Benedikt sieben Katechumenen
getauft, fünf Frauen und zwei Männer, darunter den bis dahin muslimischen
Journalisten Magdi Allam, stellvertretender Chefredakteur der angesehenen
Zeitung "Corriere della Sera".
Heftige Debatte unter Muslimen
Das war mehr als die feierliche Aufnahme eines Konvertiten in die
katholische Kirche. Das war eine Demonstration - von Allam gewollt und vom
Vatikan zugelassen. Der vor 55 Jahren geborene Ägypter lebt seit 35 Jahren
in Italien und ist ein bekannter Autor. Kaum war "pasquetta", das kleine
"Österchen" am Montag vorüber, waren die Zeitungen voll davon.
Sofort
entbrannte unter Muslimen eine heftige Debatte - und manche Zeitung verstieg
sich zu Schlagzeilen wie "Kampagne des Papstes und des ,Corriere della Sera:
Juden und Muslime: bekehrt euch". Zwei Imame der islamischen Gemeinschaft
Italiens gaben unterschiedliche Erklärungen ab - der eine zeigte Respekt,
der andere kritisierte die gewollte Öffentlichkeit der Taufe.
Eine
schriftliche Erklärung des Islamrats rief schließlich zum Frieden zwischen
den religiösen Gemeinschaften des Landes auf. Dennoch, seit der Bekanntgabe
seiner Bekehrung steht Allam unter Polizeischutz.
Bereits am Ostersonntag hatte Vatikansprecher Federico Lombardi SJ versucht,
den Vorgang zu versachlichen. Das Sakrament der Taufe, hieß es in seiner
Erklärung, könne jedem gespendet werden, der sich nach einer tiefen
persönlichen Suche völlig frei dafür entschieden und entsprechend auf seinen
Empfang vorbereitet habe.
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"Der Heilige Vater spendet die Taufe während der
Osterliturgie den Katechumenen, die ihm vorgestellt worden sind", so
Lombardi. Der Papst schaue nicht auf das Ansehen der Personen; für ihn seien
alle Taufkandidaten gleichermaßen bedeutend.
Trotzdem wird man im Vatikan gewusst haben, und die Erklärung Lombardis
bestätigt das indirekt, welche Wirkung die Bilder von der Taufe eines
prominenten Muslim in der Osternacht durch den Papst haben würden.
Wochenlang hatte sich die Diskussion über das Missionarische der Kirche
hingezogen, nachdem Papst Benedikt die Fürbitte für die Juden in der
Karfreitagsliturgie nach dem außerordentlichen Ritus geändert hatte, wo
jetzt mit Worten des heiligen Paulus darum gebetet wird, dass einst auch
Israel Christus, den Retter aller Menschen, erkennen möge.
Für Aufsehen hatte auch die jüngste Botschaft des Terroristen-Chefs Osama
bin Laden gesorgt, der ausgerechnet zu Ostern dem Papst vorgeworfen hatte,
an einer anti-muslimischen Verschwörung beteiligt zu sein. Weder das eine
noch das andere hat Papst Benedikt zurückschrecken lassen.
Die Taufe des
prominenten Ägypters war in gewisser Weise die Antwort darauf. Das
beeindruckendste Zeugnis stammt von Magdi Allam selber. In einem Brief, den
der "Corriere della Sera" am Ostersonntag veröffentlicht hat, legt er dar,
dass für seine Bekehrung das Zeugnis von Katholiken ausschlaggebend gewesen
sei, die für ihn "nach und nach zu einem Bezugspunkt" geworden seien mit
Blick auf das, "was die Gewissheit der Wahrheit und die Stichhaltigkeit der
Werte" angehe.
Zu ihnen zählt Allam den Leiter der Bewegung Comunione e
Liberazione, Julián Carrón, den Generaloberen der Salesianer, Pater Pascual
Chávez Villanueva, Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone und Bischof Rino
Fisichella, Rektor der Päpstlichen Lateranuniversität. Sie alle hätten ihn
auf seinem "geistlichen Weg der Annahme des christlichen Glaubens"
begleitet, schreibt der Journalist.
Darüber hinaus sei aber wohl Papst Benedikt XVI. selber der Hauptfaktor
gewesen. Ihn habe er als Muslim wegen seiner großartigen Fähigkeit bewundert
und verteidigt, "die untrennbare Verbundenheit von Glauben und Vernunft als
Grundlage der wahren Religion und der wahren menschlichen Zivilisation
darzulegen, der ich mich als Christ voll und ganz verpflichtet fühle". Diese
Gewissheit trage ihn bei der Erfüllung der Sendung, die Gott für ihn
vorbereitet habe. "Für mich ist es der schönste Tag meines Lebens", meint
Allam zu seinem Ostersonntag 2008.
Bekehrung als Öffnung für Jesus Christus
Auch Papst Benedikt sprach in seiner Predigt in der Ostervigil von der
Bekehrung jedes Einzelnen. Diese sei ein innerer Vorgang, ein Öffnung der
Seele für Jesus Christus. "In der alten Kirche war es üblich, dass der
Bischof oder der Priester den Gläubigen nach der Predigt zurief: ,Conversi
ad Dominum - wendet euch nun dem Herrn zu. Das bedeutete zunächst, dass sie
sich nach Osten wendeten - in die Richtung der aufgehenden Sonne als Zeichen
des wiederkehrenden Christus, dem wir in der Feier der Eucharistie
entgegengehen."
Wo aus irgendwelchen Gründen dies nicht möglich war, sagte
der Papst, wendeten sie sich jedenfalls dem Christusbild in der Apsis oder
dem Kreuz zu, um so inwendig die Richtung auf den Herrn hin einzunehmen.
Denn letztlich ginge es um dies Innere, "um die ,Conversio, um die Wendung
unserer Seele auf Jesus Christus und so auf den lebendigen Gott hin, auf das
wahre Licht."
Damit hing dann der andere Ruf zusammen, der auch heute noch
vor dem Hochgebet an die gläubige Gemeinde ergehe: "Sursum corda", "das Herz
nach oben, heraus aus allen Verquerungen in unsere Sorgen, in unser
Begehren, in unsere Ängste, in unsere Gedankenlosigkeit - das Herz, euer
Innerstes in die Höhe! In beiden Rufen werden wir gleichsam zu einer
Erneuerung unserer Taufe aufgefordert: ,Conversi ad Dominum - immer wieder
müssen wir uns herauswenden aus den verkehrten Richtungen, in die wir so oft
mit unserem Denken und Handeln gehen. Immer neu müssen wir uns hinwenden zu
ihm, der Weg, Wahrheit und Leben ist."
Am Ostermontag zog sich Benedikt XVI. für eine kurze Erholungspause in seine
Sommerresidenz nach Castelgandolfo zurück. In Rom regnete es immer noch. Es
war kein Osterfest mit Sonnenschein und frohen Farben gewesen, sondern für
die Römer wie für die Besucher der Stadt eine feuchte und kühle
Angelegenheit. Aber hinter all den Wassermassen hatte die Kirche wieder ein
Zeugnis dafür abgelegt, dass jeder Mensch berufen ist, sich zu Jesus
Christus zu bekehren.
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